Neuapostolische Kirche
Westdeutschland
Zürich. Stammapostel Wilhelm Leber hat sich am Montag, 13. Mai 2013, mit einer sehr persönlichen Stellungnahme an die neuapostolischen Christen weltweit gewandt. Thematisch geht es um die sogenannte „Botschaft“ von Stammapostel Johann Gottfried Bischoff.
„Seit einiger Zeit schon trage ich mich mit dem Gedanken, zur Botschaft von Stammapostel Bischoff zusammenhängend Stellung zu nehmen“, beginnt Stammapostel Wilhelm Leber seine Stellungnahme, die auf der Internetseite der Neuapostolischen Kirche International veröffentlicht wurde. Er hatte verschiedene Male öffentlich angekündigt, dass er in seiner aktiven Zeit als Stammapostel zu diesem Themenkomplex noch einmal Stellung nehmen werde.
Botschaft gewann mehr und mehr Gewicht
Stammapostel Johann Gottfried Bischoff hatte im Weihnachtsgottesdienst 1951 in Gießen über die Wiederkunft Jesu Christi gesprochen. Seine Aussage, die als Botschaft bezeichnet wurde, hatte folgenden Wortlaut: „Der Herr kommt zu meiner Lebenszeit wieder. Ich bin der Letzte, nach mir kommt keiner mehr.“ Stammapostel Bischoff führte die Botschaft auf eine ihm zuteil gewordene göttliche Offenbarung zurück.
In den folgenden Jahren nach 1951 erhielt die Botschaft in der Verkündigung mehr und mehr Gewicht. Den Berichten von Zeitzeugen ist zu entnehmen, dass die Intensität der Botschaftsverkündigung regional unterschiedlich war. Hier sieht Stammapostel Leber Versäumnisse beim Vorgehen seines Amtsvorgängers: „Nach unserem heutigen Verständnis hätte Stammapostel Bischoff es nicht zulassen dürfen, dass die Botschaft zu einem wesentlichen Glaubensgegenstand gemacht wurde.“
Spaltung der Neuapostolischen Kirche im Rheinland
Im damaligen Apostelbereich Rheinland (heute Teil der Gebietskirche Nordrhein-Westfalen) führte die Botschaft zu einer Trennung. Etwa 15.000 Mitglieder verließen die Neuapostolische Kirche. Sie gründeten in der Folgezeit zum Teil neue Gemeinschaften, die heute als Vereinigung Apostolischer Gemeinden zusammengeschlossen sind.
„Es entstanden Risse, die quer durch die Familien und Gemeinden gingen“, schreibt Stammapostel Wilhelm Leber in seiner Stellungnahme. „Mit Traurigkeit denken wir daran, dass etliche Glaubensgeschwister sich genötigt sahen, die Kirche zu verlassen.“
Beurteilung aus heutiger Sicht
Zur Frage, wie die Kirche heute die Nichterfüllung der Botschaft beurteile, kommt Stammapostel Leber zu dem Schluss, dass in dieser Frage unterschiedliche Meinungen und Ansichten zu akzeptieren seien. „Wer aus der Botschaft für sich den Schluss gezogen hat, die Naherwartung der Wiederkunft Christi in den Mittelpunkt seines Lebens zu stellen, hat klug gehandelt“, so der Stammapostel.
„Andererseits müssen wir aber zur Kenntnis nehmen, dass Glaubensgeschwister unter der Botschaft gelitten haben und sich sogar gezwungen sahen, die Kirche zu verlassen. Wir können heute nur noch unser Bedauern darüber zum Ausdruck bringen“, schreibt der internationale Kirchenleiter in seiner Stellungnahme.
Bitte um Verzeihung
Zum Ende betont der Stammapostel: „Die Neuapostolische Kirche hält heute nicht mehr daran fest, dass es sich bei der Botschaft von Stammapostel Bischoff um eine göttliche Offenbarung gehandelt hat. Die Frage der Bewertung der Botschaft bleibt offen; es steht jedem frei, sich sein eigenes Urteil darüber zu bilden. Die Neuapostolische Kirche wird auch nicht mehr von der Begründung Gebrauch machen, der Herr habe seinen Willen geändert.“
Abschließend bittet Stammapostel Wilhelm Leber all jene um Verzeihung, die unter der Botschaft des Stammapostels Bischoff gelitten haben oder sich sogar von der Kirche abwandten: „Ich bedaure die Gewissensnöte und Zweifel, denen viele ausgesetzt waren. Ich würde mich freuen, wenn dieser Artikel als weiteres Signal zur Versöhnung oder sogar als ein Schritt hin zur Versöhnung aufgenommen würde.“
Vielfältige persönliche Kontakte
Bezirksapostel Armin Brinkmann begrüßt die Stellungnahme des Stammapostels zum Thema: „Wir führen seit vielen Jahren Gespräche mit den Zeitzeugen der damaligen Ereignisse und pflegen ein sehr brüderliches Verhältnis“, berichtet der Leiter der Neuapostolischen Kirche Nordrhein-Westfalen, die von den Ereignissen der 1950er Jahre maßgeblich betroffen war. Er unterstütze seit vielen Jahren die Aufarbeitung der Ereignisse aus der Zeit der Botschaft, so der Bezirksapostel.
„Ich freue mich sehr über die vielfältigen persönliche Kontakte auf regionaler Ebene, die wir mit unseren apostolischen Mitchristen pflegen“, so Bezirksapostel Brinkmann. Beispielsweise hat der Bezirksapostel die Mitglieder der Apostolischen Gemeinschaft für Ende Mai zum Kirchentag nach Dortmund eingeladen.
Versöhnungsgeste am Europa-Jugendtag
Bereits 2009, im Gottesdienst des Europa-Jugendtags, hatte Stammapostel Wilhelm Leber einen versöhnlichen Gruß an die Vereinigung Apostolischer Gemeinden richtet. „Ja, es sind auch von unserer Seite, von der Seite der Neuapostolischen Kirche, Fehler gemacht worden“, sagt der internationale Kirchenleiter damals sichtlich bewegt vor 46.000 Gottesdienst-Teilnehmern in der Arena in Düsseldorf, die damals spontan Applaus spendeten. „Wir strecken uns aus nach der Versöhnung.“
Stammapostel besucht die Niederlande
15. Mai 2013
Text:
Frank Schuldt
Fotos:
Frank Schuldt
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