Neuapostolische Kirche
Westdeutschland
Tirana. Albanien ist ein Land mit einer 3.000-jährigen Geschichte, wobei insbesondere das letzte Jahrhundert für die Menschen viele Veränderungen mit sich brachte. Vor 25 Jahren reisten die ersten neuapostolischen Missionare in das atheistisch geprägte Land. Nach dem ersten Aufbau gab es durch eine hohe Migration Rückschläge, derzeit ist die Neuapostolische Kirche im Neuaufbau.
Rund vier Jahrzehnte stand das Land unter diktatorischer Herrschaft. Der Herrscher wollte das Land 1967 zum ersten und bisher einzigen atheistischen Staat der Welt machen. Ein Bürgerkrieg Anfang der 1990er-Jahre prägte die Menschen ebenso. Heute findet sich in Albanien eine junge Demokratie im Bemühen um Fortschritt.
200 Gläubige in sechs Gemeinden
Albanien ist durch die lange Besetzung durch die Osmanen muslimisch dominiert. Rund 70 Prozent der Menschen gehören dem Islam an. Die neuapostolische Kirche zählt 574 Mitglieder in derzeit sechs Gemeinden.
In diesem Jahr feiert die Neuapostolische Kirche in Albanien das 25-jährige Bestehen. Nachdem Stammapostel Richard Fehr die Gebietskirche Nordrhein-Westfalen im Mai 1990 beauftragt hatte, die Missionsarbeit in Albanien zu übernehmen, reiste Ende September 1991 der damalige Apostel Bernd Klippert nach Tirana. Hintergrund war, dass der atheistische Staat religiöse Versammlungen verboten hatte.
Als im Sommer 1990 mehrere tausend Albaner durch die Besetzung der deutschen Botschaft in Tirana ihre Aufnahme als Asylanten in Westeuropa erzwangen, kam es in Deutschland zu ersten Kontakten. Albanien an sich war zunächst noch für Einzelreisende verschlossen, doch die Apostel Klaus Dieter König und Bernd Klippert reisten in den jugoslawisch-albanischen und griechisch-albanischen Grenzraum, um Informationen zu gewinnen. Später gelang es den beiden Aposteln, Albanien für eine Woche als Touristen zu bereisen.
Erste Gemeinde gegründet
Im Frühjahr 1991 kam dann die Wende durch den Zusammenbruch des kommunistischen Regimes. Durch Kontakte zur Familie des späteren Bezirksältesten Nikshiqi konnte Apostel Klippert am 29. September 1991 den ersten Gottesdienst der Neuapostolischen Kirche in Albanien durchführen. In diesem spendete er 21 Gläubigen das Sakrament der Heiligen Versiegelung und ordinierte mit Agim Nikshiqi einen ersten Diakon. Danach begann die Aufbauarbeit für die erste Gemeinde.
Ende 1991 zählte die Neuapostolische Kirche in dem Land bereits 75 Mitglieder. Bis Mitte 1992 konnten bei Reisen der Apostel über 550 Gläubige versiegelt werden. Über Jahre reisten jährlich etwa 60 deutsche Amtsträger über jeweils zwölf Tage nach Albanien. Sie wurden von albanischen Amtsträgern und Dolmetschern begleitet. Mit zunehmender Anzahl örtlicher Amtsträger führten die Gottesdiente mehr und mehr albanische Priester durch.
Hohe Emigration
Durch bürgerkriegsähnliche Zustände in Albanien konnten von März bis Oktober 1997 keine deutschen Amtsträger nach Albanien reisen. Aufgrund der gefährlichen Lage verließen damals viele Albaner das Land, darunter eine große Zahl neuapostolischer Christen.
Bis heute ist vor allem die wirtschaftliche Situation im Land schwierig. Die Menschen leiden unter einer hohen Arbeitslosigkeit, die viele zwingt, im Ausland zu arbeiten. Viele albanische Kirchenmitglieder und Amtsträger besuchen deshalb heute die Gottesdienste in Griechenland, Italien, Deutschland, den USA und anderen Ländern. Als Folge mussten in den letzten Jahren einige albanische Gemeinden geschlossen werden.
Zweimal wurde Albanien von einem Stammapostel besucht. In den Jahren 1994 und 2003 hielt Stammapostel Fehr Gottesdienste in Tirana.
Sechs aktive Gemeinden
Betreut werden die neuapostolischen Christen in Albanien von Apostel Franz-Wilhelm Otten, der drei bis viermal im Jahr die Gemeinden besucht. Seine Arbeit wird auch von Apostel Pavel Gamov unterstützt. Regelmäßige Gottesdienste finden in sechs Gemeinden statt: In Tirana, Elbasan, Fier, Lushnja, Kuçova und Ura Vajgurore. Zudem wird die Gemeinde in Peja (Kosovo) von Albanien aus mitbetreut.
Den etwa 200 aktiven Mitgliedern in Albanien stehen 23 Amtsträger als Seelsorger zur Verfügung. „Wir haben uns nach der Zeit der starken Abwanderung inzwischen konsolidiert“, beschreibt Apostel Otten die aktuelle Lage. „Und irgendwann werden wir auch wieder neue Gemeinden gründen.“
Stammapostel besucht Albanien
14. Juli 2016
Text:
Frank Schuldt
Fotos:
NAK Albanien
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