Gottes Wort ist vollkommen, lauter und untrüglich — doch wird es durch unvollkommene Menschen verkündigt. Deswegen kann die Predigt Fehlerhaftes enthalten. Doch legt Gott, der das herzliche Bitten des Predigenden und des Zuhörenden vernimmt, in die unzulänglichen menschlichen Worte der Predigt Kraft hinein. Es bestehen also zwei Ebenen. Die eine ist die menschliche: Ein Mensch redet, und Menschen hören zu. Auf dieser Ebene sind weder sprachliche und inhaltliche Fehler des Redners noch Verständnisfehler der Hörer ausgeschlossen. Die andere Ebene ist die göttliche: Der Heilige Geist spricht durch den gesandten Knecht Gottes zum Herzen des Zuhörers und stärkt bzw. erweckt in ihm Glauben. Die Unvollkommenheit geäußerter Worte und Sätze hindert also Gott nicht, Kraft hineinzulegen.
Auch der Hörer der Predigt muss Voraussetzungen erfüllen, um sie nicht als bloße Äußerungen eines Menschen wahrzunehmen. Das grundlegende Erfordernis hierfür ist der Glaube: Das meint, dass der Hörer sich im gläubigen Vertrauen dem Wort der Predigt öffnet, es annimmt und bereit ist, es mit in sein Leben zu nehmen. Dann erweckt das Wort der Predigt im Hörer auch Einsicht. Begangene Sünden werden erkannt, Reue und Buße und das Verlangen nach Gnade hervorgerufen.
Vor der Predigt soll der Hörer darum beten, dass der Herr ihm aus dem Wort Stärkung und Frieden zufließen lassen möge. Der Herr erhört das inständige Beten einer nach dem Wort Gottes verlangenden Gemeinde.
Nach der Predigt folgt die durch das Wort Gottes vorbereitete Feier des Heiligen Abendmahls.