Neuapostolische Kirche
Westdeutschland
Westdeutschland/Bottrop. Stammapostel Schneider betonte im Gottesdienst in Bottrop die Bedeutung des Gesprächs mit Gott und ermutigte dazu, das Böse mit Gutem zu überwinden. Seine Botschaft: Wer sich von Gott führen lässt, gerade in diesen schwierigen Zeiten, wird selbst zum Segen für andere.
Zum ersten Mal in 2025 besuchte Stammapostel Jean-Luc Schneider am Sonntag, dem 9. März 2025 die Gebietskirche Westdeutschland. Der Leiter der Neuapostolischen Kirche International feierte mit über 700 Gläubigen einen Gottesdienst im Lichthof des Berufskollegs Bottrop. Viele Tausend weitere Gläubige waren per Livestream dabei.
Zuerst mit Gott sprechen
Der Stammapostel und die ihn begleitenden Apostel wurden vor dem Gottesdienst im Eingangsbereich des Berufsschulgebäudes von einem Kinderchor empfangen. Auf das Lied „Danke, Herr Jesus“ ging der Stammapostel zu Beginn der Predigt ein und stellte die Frage: „Sind wir uns bewusst, dass wir mit dem großen, allmächtigen Gott so einfach reden können – und er uns zuhört?“
Dies sei eine besondere Gnade. Statt Sorgen nur mit anderen zu teilen oder in sozialen Medien zu äußern, sei es sinnvoller, sie zuerst Gott anzuvertrauen.
„Vergiss dein Heil nicht“
Ergänzend dazu betonte der Stammapostel, dass Christus zu jedem Menschen spreche, unabhängig von seiner Lebenssituation. Wer ein glückliches Leben führt, soll sich seiner Berufung bewusst bleiben: „Du bist berufen, Gutes zu tun – auch in guten Zeiten.“
Wer angesichts aktueller Erschütterungen in Welt und Gesellschaft verunsichert und ängstlich ist oder Sorgen in sich trägt, den erinnere Christus daran, dass Gott seinen Plan unabhängig von allen irdischen Ereignissen vollendet: „Mach dir keine Sorgen – Gott hat alles unter Kontrolle.“
Die Botschaft an die Menschen – sowohl zu denen, denen es gut geht, als auch zu denen, die Sorgen und Ängste haben, sei also immer die gleiche: „Ich bin da. Mach dir keine Sorgen, aber vergiss dein Heil nicht und sei ein Segen für andere.“
Was bedeutet es, ein Segen zu sein?
Als Grundlage für den Gottesdienst hatte Stammapostel Schneider das Bibelwort aus 1. Petrus 3,9 ausgewählt: „Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, auf dass ihr Segen erbt.“
„Segen ist alles, was unsere Gemeinschaft mit Gott stärkt“, erklärte der Stammapostel. Wenn Gott segne, bedeute das also primär, dass er dem Menschen alles schenkt, was dieser braucht, um seine eigene Beziehung zu ihm zu fördern. „Denn der allergrößte Segen ist die ewige Gemeinschaft mit Gott.“
Nun ermuntere Gott die Menschen aber auch, ein Segen für andere zu sein, also einerseits anderen dabei zu helfen, den Weg zu Gott zu finden, und andererseits Hindernisse auf diesem Weg zu überwinden.
Hindernisse auf dem Weg zu Gott
Im weiteren Verlauf der Predigt nannte der Stammapostel Beispiele für Hindernisse, die Menschen davon abhalten, Gemeinschaft mit Gott zu haben. Dazu zählten persönliche Erfahrungen mit Leid, Lieblosigkeit und Ungerechtigkeit. „Einer trifft eine schlechte Entscheidung und Tausende müssen darunter leiden.“ Ob ganz oben oder ganz unten in der Gesellschaft – das sündhafte Verhalten der Menschen hätte Konsequenzen. Es führe zu Zweifel und Unglauben.
Als zweiten Punkt für die Abwendung von Gott führte Stammapostel Schneider den Materialismus an. Viele Menschen bräuchten Gott im Alltag nicht, sie seien erfolgreich und es gehe ihnen gut. Erst wenn es am Ende brenzlig würde, erinnerten sie sich an ihren Gott.
Auch die Vergeltung von Bösem mit Bösem verstärke die Trennung von Gott, ebenso eine falsche Gotteserwartung. So erwarteten viele Menschen heute, dass Gott als strafender Richter Ordnung schaffe. „Sie sind ganz weit entfernt von Gott, weil er überhaupt nicht so ist“, stellte der Stammapostel klar.
Sein letzter Punkt: Die Sündhaftigkeit der Menschen. Man erlebe immer wieder, dass Christen, Geistliche, die Kirchen und Institutionen unvollkommen sind. „Da passieren Dinge, die niemals passieren sollten.“ Diese Unvollkommenheiten seien für viele ein Hindernis zum Glauben.
Wie können wir ein Segen sein?
Trotzdem seien die Christen dazu berufen, Zeugnis für Gottes Wirken abzulegen und somit ein Segen für die Menschen zu sein. Auch hier nannte der Stammapostel Beispiele und betonte die Bedeutung des Gottesdienstbesuchs. „Wir kommen zusammen und beweisen: Gott ist da und wirkt, man kann ihm begegnen und ihn hören. Er arbeitet am Heil der Menschen. Und wir feiern den Sieg Jesu Christi über das Böse.“
Es gehe um ein deutliches Signal, so der Stammapostel. Denn: „Was bedeutet das für den christlichen Glauben und welche Botschaft senden wir aus, wenn die Christen nicht mehr den Gottesdienst besuchen?“
Der materialistischen Weltanschauung sollten die Christen die wahre Sicherheit der Liebe Gottes entgegensetzen, forderte Stammapostel Schneider. „Die Gewissheit, dass man von Gott geliebt wird, ist mehr wert als ein volles Bankkonto oder eine Reise irgendwohin auf der Welt.“ Das Leben sei mehr als Geld, Besitz oder Genuss. „Gott schenkt die Dimension der Liebe, der Hoffnung, des Friedens und des Erfülltseins.“
„Wir bekämpfen das Böse und tun Gutes“
Als Christen gelte es zudem, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen. Viele Menschen klagten über so viel Böses in der Welt – und reagierten dann mit Bösem auf Böses. „Wir als Christen sagen: Diese Welt wollen wir nicht, diese Zukunft wollen wir nicht.“ Es gelte daher, sich nicht in Egoismus zu flüchten und rücksichtslos eigene Interessen durchzusetzen. „Wir setzen uns dafür ein, dass nicht nur wir, sondern auch andere ein gutes Leben führen können.“
Es gelte also, weiter den Willen Gottes und damit das Gute zu tun – unabhängig davon, dass man nur einer von wenigen sei. „Wir bekämpfen das Böse und tun Gutes“, ermunterte der Stammapostel. Als biblische Vorbilder für Vergebungsbereitschaft statt Vergeltung nannte Stammapostel Schneider Mose und Stephanus. Ersterer habe Gott um Gnade für die Sünder gebeten. Stephanus vergab den Peinigern und betete für ihr Heil.
Christus wirkt in seiner Kirche
Bezüglich der Unvollkommenheit der Kirche erinnerte Stammapostel Schneider daran, dass es nicht nur unvollkommene Menschen in der Kirche gebe, sondern auch Jesus Christus. Daher solle man auch darauf schauen, wie viel Gutes er in seiner Kirche bewirke, auch durch die Gläubigen, die sich in seinen Dienst stellen.
Wichtig sei dabei, dass jeder Christ im Wissen der eigenen Unzulänglichkeiten demütig an seinen Schwächen arbeite. „Dann können die Menschen erleben: In der Gemeinschaft der Gläubigen erleben wir Annahme, Verständnis und Liebe – hier wird niemand verurteilt oder ausgeschlossen“, so der Stammapostel. Kirche sei nicht perfekt, aber sie biete dann Wärme, Hilfe und Zuwendung.
Sein Fazit: In der Neuapostolischen Kirche, aber auch in anderen Glaubensgemeinschaften, könne man Erfahrungen machen, die den Glauben stärken. „Lassen wir uns daran erinnern und legen wir ein Zeugnis davon ab, wie wertvoll und bereichernd das Miteinander in Christus sein kann.“
Weitere Predigtbeiträge
Apostel Jens Korbien (Neuapostolische Kirche Nord- und Ostdeutschland) betonte, „Ein Gottesdienst ist nicht nur eine Versammlung, sondern eine Feier des Sieges Christi über das Böse.“ Apostel Dimitrios Diniz (Portugal) erinnerte an die Bedeutung der Versöhnung: „Frieden und wahre Liebe müssen wir im irdischen Leben lernen, nicht erst im Himmel.“
Der Gottesdienst konnte in vielen Gemeinden in Westdeutschland, Portugal sowie weiteren Gebietskirchen in Europa und Westafrika live via Internetübertragung miterlebt werden. Musikalisch wurde er vom Bezirkschor sowie Instrumentalisten musikalisch mitgestaltet.
Nächster Besuch an Pfingsten 2025
Der nächste Besuch des Stammapostels ist im Juni 2025 zu Pfingsten. Nach der zweitägigen Bezirksapostelversammlung, zu der alle weltweit tätigen Kirchenpräsidenten und ihre Stellvertreter anreisen, findet als Höhepunkt am Sonntag, 8. Juni 2025, in der Neuapostolischen Kirche Wiesbaden-Mitte ein Gottesdienst statt, der weltweit übertragen wird.
12. März 2025
Text:
Frank Schuldt
Fotos:
Frank Schuldt,
Florian Wiemann
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