Neuapostolische Kirche
Westdeutschland
Westdeutschland. Am Sonntag nach Pfingsten feierten die Christen, Trinitatis, das Dreieinigkeitsfest. In den Predigten in neuapostolischen Gemeinden ging es um die Einheit und Vielfalt der Gaben des Heiligen Geistes, die in der Gemeinde sichtbar werden. Zudem wurde vielerorts an 1.700 Jahre Konzil von Nizäa erinnert.
Die christlichen Kirchen feiern in diesem Jahr 1.700 Jahre Konzil von Nizäa. Es fand 325 nach Christus in der heutigen Türkei statt und war für die Formulierung der Lehre von der Dreieinigkeit von entscheidender Bedeutung.
„Gott wirkt alles in allen“
Für den Trinitatis-Sonntag rief die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) ihre Mitgliedskirchen dazu auf, in den Gottesdiensten an das erste ökumenische Konzil zu erinnern. In vielen neuapostolischen Gottesdiensten taten das die Dienstleiter zu Beginn der Predigten.
Das Bibelwort für die Gottesdienste am 15. Juni 2025 lautete passend zum Dreieinigkeitsfest: „Es sind verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist. Und es sind verschiedene Ämter; aber es ist ein Herr. Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen.“ (1. Korinter 12,4–6). Die Botschaft der Predigten lautete: „Der dreieinige Gott wirkt alles in allen.“
Historischer Rückblick
Das erste ökumenische Konzil wurde von Kaiser Konstantin (der Große, römischer Kaiser von 306-337) nach Nizäa einberufen, um Einheit in der jungen christlichen Kirche zu schaffen. Hauptthemen waren die Frage nach der Natur Christi sowie die Festlegung eines einheitlichen Osterfestdatums. Besonders der sogenannte Arianische Streit, in dem es um die Gottheit Jesu ging, spaltete die Kirche.
Arius, ein christlicher Presbyter aus Alexandria, vertrat die Auffassung, dass Christus ein Geschöpf Gottes sei, was die Mehrheit der Bischöfe ablehnte. Das Konzil verabschiedete daraufhin das Nizänische Glaubensbekenntnis, das den Sohn als "wesensgleich" mit dem Vater bezeichnete. Es ist bis heute Grundlage für das christliche Trinitätsverständnis.
Auch organisatorisch war das Konzil bedeutend: Es etablierte ein kirchliches Entscheidungsorgan, das Beschlüsse mit weltweiter Gültigkeit fasste. Ebenso entschied es, dass Ostern am ersten Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond gefeiert wird, eine Regelung, die bis heute Bestand hat.
Bedeutung des Konzils von Nizäa
Durch das Konzil vor 1.700 Jahren wurde ein Verständnis von Gott eröffnet, das durch Liebe und Gesprächsbereitschaft geprägt ist: Der ewige Gott ist nicht einsam in sich, sondern ewig liebendes Gegenüber von Vater, Sohn und Heiligem Geist.
Das Bekenntnis von Nizäa-Konstantinopel gehört – neben dem Apostolikum und dem neuapostolischen Glaubensbekenntnis – zu den verbindlichen Bekenntnistexten der Neuapostolischen Kirche. Der Ursprung des Bekenntnisses von Nizäa-Konstantinopel sind das Konzil von Nizäa (325) und das erste Konzil von Konstantinopel (381).
Im Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel kommen die Grundlagen des christlichen Glaubens, wie sie im Alten und Neuen Testament bezeugt werden, in prägnanten und verbindlichen Worten zur Sprache. In dem Bekenntnis wird zum Ausdruck gebracht, dass Vater, Sohn und Heiliger Geist der eine und wahre Gott ist. Die göttlichen Personen werden durch die Relation zueinander bestimmt: Der Vater ist der Zeugende, der Sohn der Gezeugte, der Heilige Geist der von Vater und Sohn Ausgehende.
Das Glaubensbekenntnis von Nizäa Konstantinopel
Das Bekenntnis von Nizäa Konstantinopel lautet im Original:
„Wir glauben einen einzigen Gott, Vater, Allherrscher, Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren, und an einen einzigen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, gezeugt aus dem Vater als einziger Sohn, das heißt aus dem Wesen des Vaters, Gott von Gott, Licht aus Licht, wahrer Gott aus wahrem Gott, gezeugt, nicht geschaffen, wesensgleich dem Vater, durch den alles geworden ist, was es im Himmel und auf der Erde gibt, der wegen uns Menschen und wegen unseres Heiles herab gekommen und Fleisch geworden ist und im Menschsein weilte, gelitten hat und auferstanden ist am dritten Tag, hinaufgestiegen in die Himmel und kommt zu richten Lebende und Tote, und an den Heiligen Geist.
Diejenigen aber, die sagen: ‚Es gab eine Zeit, da er [der Sohn] nicht war‘, und: ‚Bevor er gezeugt wurde, war er nicht‘, und er sei ‚aus nicht Seiendem geworden‘ oder aus einer anderen Substanz oder einem anderen Wesen, und behaupten, der Sohn Gottes sei entweder geschaffen oder wandelbar oder veränderlich, diese belegt die katholische und apostolische Kirche mit dem Bann.“
Neuapostolisches Glaubensbekenntnis
Das neuapostolische Glaubensbekenntnis ist traditionell in zehn Glaubensartikel gegliedert, die die wesentlichen Inhalte der neuapostolischen Glaubenslehre zusammenfassen. Es ist aus dem Wissen heraus formuliert, dass Gottes Liebe, Gnade und Allmacht in lehrmäßigen und bekenntnishaften Ausführungen nicht erschöpfend entfaltet werden können und dass sie immer noch größer sind als das, was Menschen von ihnen zu sagen vermögen.
Ökumenisches Glaubensbekenntnis
Anlässlich des 1.700-jährigen Jubiläums hat die ACK Deutschland eine ökumenische Version des Glaubensbekenntnisses von Nizäa-Konstantinopel veröffentlicht:
„Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt.
Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen. Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden. Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden, ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift und aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein.
Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten, und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.
Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt. Amen.“
Die Nizäa-Ikone zeigt das erste ökumenische Konzil von Nizäa. Sie wurde eigens für das Jubiläumsjahr 2025 geschrieben, zeitgenössisch gemalt von Anastasios Voutsinas und Eleni Voutsina (Thessaloniki 2024). Auftraggeber ist die Griechisch-Orthodoxe Kirchengemeinde Christi Himmelfahrt zu Berlin.
17. Juni 2025
Text:
Frank Schuldt
Fotos:
Frank Schuldt
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