Neuapostolische Kirche
Westdeutschland
Westdeutschland/Vellmar-Frommershausen. Am Entschlafenen-Sonntag besuchte Stammapostel Schneider den Kirchenbezirk Kassel-Korbach. Im Gottesdienst stellte er die Bedeutung der Demut unter die „mächtige Hand Gottes“ in den Mittelpunkt – als Voraussetzung für Hoffnung, Glauben und das gemeinsame Heil von Lebenden und Verstorbenen.
Der Gottesdienst für Entschlafene sei ein Festtag, ein Tag der Freude. Mit diesem Gedanken begann Stammapostel Jean-Luc Schneider den Gottesdienst für Entschlafene am Sonntag, dem 2. November 2025. In der Mehrzweckhalle in Vellmar-Frommershausen hatten sich dazu über 1.100 Gläubige aus dem örtlichen Bezirk Kassel-Korbach versammelt, viele Tausend weitere verfolgten die Predigt per Übertragung in ihren Gemeinden.
Gottesdienst für Entschlafene als Festtag
Der Stammapostel erläuterte diesen Gedanken und stellte dem verbreiteten Bild eines stillen Totengedenkens eine bewusst andere Perspektive entgegen. Der Gottesdienst für Entschlafene sei kein Tag der Trauer, sondern Ausdruck lebendiger Gemeinschaft.
Anders als an Totensonntag oder Allerheiligen gehe es nicht um Erinnerung an Vergangenes, sondern um Gegenwart und Zukunft: „Unsere Geschwister, unsere Familie, die in Christus Gestorbenen, gehören zu der Gemeinde.“ Sie seien Teil der unsichtbaren Kirche, die gemeinsam mit der sichtbaren Gemeinde Gottesdienst feiere, bete und sich auf die Wiederkunft Christi vorbereite.
Dass im Gottesdienst Seelen im Jenseits die Sakramente empfangen könnten, mache diesen Tag zu einem besonderen Fest: „Deshalb ist das ein Tag der Freude heute – nicht ein trauriger Tag.“
Demut als Voraussetzung für Gottes Hilfe
Ausgangspunkt der Predigt war 1. Petrus 5,6: „So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit.“ Dieser Vers werde oft missverstanden, erklärte der Stammapostel: Gottes Wille sei nicht das Leid, sondern das Heil. „Gott will uns befreien von der Sünde. Er will dein Heil – aber nur, wenn du es willst.“
Stammapostel Schneider machte im Weiteren deutlich, dass echte Demut weit über ein passives Ertragen von Schicksal hinausgeht. Sie beginne mit der Einsicht in die eigene Hilfsbedürftigkeit: „Ich brauche unbedingt einen Helfer, einen Heiland. Ich brauche Hilfe.“
Der Mensch könne das Böse nicht aus eigener Kraft überwinden – weder individuell noch kollektiv. Nur Gott könne durch eine neue Schöpfung Heil schaffen. Deshalb sei es notwendig, Gottes Hilfe anzunehmen – aber zu seinen Bedingungen. Dieser errette niemanden gegen seinen Willen.
Zu den Voraussetzungen zählte der Glaube an Jesus Christus, der sich im Gehorsam und in der Liebe bewähre. Ein weiterer Aspekt sei die Bereitschaft, den von Gott bestimmten Weg des Heils zu akzeptieren: die Zugehörigkeit zur Kirche Christi, das Apostelamt, der Empfang der Sakramente und die Gemeinschaft der Gläubigen.
Demut heißt auch: Einheit zulassen
Demut bedeute auch, Gottes Handeln nicht verstehen zu müssen, sondern ihm zu vertrauen. Schließlich umfasse echte Demut auch die Annahme, dass Gott anderen das gleiche Heil schenken will – unabhängig von menschlichem Urteil.
Der Stammapostel wies als letzten Aspekt auch darauf hin, dass sich Gottes Wille nicht nur auf Einzelne richte: „Er will sein Volk retten – eine Kirche, die eins ist in Jesus Christus.“ Dazu gehöre, Unterschiede auszuhalten und Gemeinschaft zu leben: „Ihr sollt zu einem Volk werden [...] eins sein in Jesus Christus.“ Dieser Anspruch gelte auch für die Seelen im Jenseits.
Predigtbeiträge aus Kongo und der Schweiz
Bezirksapostel Elie Mukinda (Kongo-West) führte das Gleichnis vom verlorenen Sohn an: Gottes Freude gelte denen, die nahe und denen, die fern sind.
Apostel Christophe Domenig (Schweiz) erinnerte an Naaman, der sich erst demütigte, bevor er Heil erfuhr: „Glaubst du noch? Wenn ja, wirst du den himmlischen Vater erleben.“
Sakramente für Entschlafene
Im Anschluss an die Feier des Heiligen Abendmahls spendete der Stammapostel die Sakramente für Entschlafene: Heilige Wassertaufe, Heilige Versiegelung und Heiliges Abendmahl. Stellvertretend empfingen Bezirksältester Sascha Tümmler (Bezirk Kassel-Korbach) und Priester Daniel Kopp (Bezirk Hersfeld-Lauterbach) die Sakramente für Seelen im Jenseits.
Stammapostel Schneider betonte, dass die Spendung von Taufe und Versiegelung an Entschlafene keine symbolische Handlung sei, sondern eine reale Zuwendung Gottes. Die Seelen empfingen dadurch Vergebung, würden in die Kirche Christi eingegliedert und als Erstlinge erwählt.
Diese Sakramente schenkten den Seelen Trost, neue Hoffnung und die Gewissheit: „Ich bin nicht verworfen – ich bin geliebt.“
Gotteskindsein gibt Hoffnung
Zum Abschluss rief der Stammapostel dazu auf, sich der eigenen Identität als Gotteskind bewusst zu bleiben: „Du bist ein Gotteskind und das macht einen gewaltigen Unterschied.“ Daraus erwachse Hoffnung – nicht durch Verharmlosung von Leid, sondern durch Vertrauen in Gottes Nähe.
Übertragung in weitere Länder
Der Gottesdienst mit Stammapostel Schneider wurde aus Vellmar-Frommershausen auf viele Gemeinden in Westdeutschland und weitere in betreuten Gebietskirchen in Europa sowie einigen Gebieten in Afrika übertragen.
Musikalisch gestalteten Bezirkschor und -orchester sowie ein Kinderchor den Gottesdienst mit.
Gottesdienst mit Stammapostel Schneider in der Mehrzweckhalle in Vellmar-Frommershausen (Bezirk Kassel-Korbach)
4. November 2025
Text:
Frank Schuldt
Fotos:
Simon Kisselbach
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