Neuapostolische Kirche
Westdeutschland
Wanadsor/Tiflis. Bezirksapostel Pöschel besuchte Ende September die neuapostolischen Gemeinden in Armenien und Georgien. In Wanadsor und Tiflis feierte er Gottesdienste mit Gläubigen aus beiden Ländern. Ein Abstecher führte ihn in ein armenisches Bergdorf, in dem fast alle Einwohner der Neuapostolischen Kirche angehören.
Am 24. September 2026 brach Bezirksapostel Stefan Pöschel, Leiter der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland, in den Kaukasus auf. In Wien traf er Apostel René Follmann, der seit 2023 für die Gemeinden in beiden Ländern zuständig ist.
In den frühen Morgenstunden des 25. September landeten sie in der armenischen Hauptstadt Eriwan. Dort empfing sie Bischof Rafael Movsesian und zeigte dem Bezirksapostel das Kirchengebäude der Gemeinde in der Innenstadt.
Gottesdienst in der Festhalle „Marsel“
Anschließend fuhren sie rund zweieinhalb Stunden nach Norden nach Wanadsor, in die drittgrößte Stadt Armeniens. Am Nachmittag feierte der Bezirksapostel dort in der Festhalle „Marsel“ einen Gottesdienst. Am selben Ort hatte im Juli 2024 der damalige Stammapostel Jean-Luc Schneider einen Gottesdienst gehalten.
Grundlage der Predigt war das Bibelwort aus Lukas 12,16–18: „Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, dessen Land hatte gut getragen. Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle. Und sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darin sammeln all mein Korn und meine Güter.“
Der Kornbauer sei reich und zugleich arm, weil er allein und ohne Gott plane, erläuterte der Bezirksapostel. „Er sieht nur seine Ernte. Wer aber den Geber hinter der Gabe erkennt, kann dankbar werden.“ Den Kindern veranschaulichte er den Gedanken mit einer Handvoll Sand: Je fester man die Faust schließe, desto mehr rinne heraus. Ebenso schenke noch so viel Besitz keinen wahren Frieden.
Duduk und Selfies
Eingeladen waren die Gläubigen aus ganz Armenien. Mit Bussen reisten sie bis zu drei Stunden an. Weil der Gottesdienst an einem Freitagnachmittag stattfand, konnten nicht alle kommen: Einige mussten arbeiten, für ältere Mitglieder war die Anreise zu beschwerlich. Rund 230 Gläubige nahmen teil, darunter etwa 15 Geistliche. Fünf von ihnen sind Frauen: eine Priesterin und vier Diakoninnen.
Musikalisch gestalteten ein kleiner Frauenchor und ein junger Mann auf einem Duduk, einem traditionellen armenischen Holzblasinstrument, den Gottesdienst. Danach verabschiedete sich der Bezirksapostel persönlich von den Teilnehmern. Dabei entstanden viele kurze Gespräche und zahlreiche Selfies.
Abstecher in ein Bergdorf
Am Samstag, 26. September 2026, trafen der Bezirksapostel und der Apostel die Geistlichen Armeniens zum Mittagessen in einer für die Region typischen Holzhütte, in der sich Familien und Freunde zum Essen treffen. Anschließend brachen die beiden gemeinsam mit Bischof Movsesian in Richtung Georgien auf.
Unterwegs hielten sie im Bergdorf Katchatchkut, das auf rund 1.500 Metern Höhe liegt. Vom Tal führt ein kurviger, kaum ausgebauter Schotterweg hinauf, für den man mit dem Auto 30 bis 45 Minuten benötigt. Im Dorf empfing der Bürgermeister den Bezirksapostel, der selbst der Neuapostolischen Kirche angehört. Das Kirchengebäude steht im Ortszentrum direkt neben dem Rathaus. Von den rund 250 Einwohnern sind etwa 220 neuapostolisch.
Die Dorfbewohner leben vorwiegend von der Landwirtschaft: Sie bauen Obst an, halten Schafe und Hühner und züchten Bienen. Eine Gasversorgung gibt es nicht, geheizt wird mit Holz. Im Winter fallen die Gottesdienste oft aus, weil sich die Kirche nicht ausreichend beheizen lässt und der Weg ins Dorf für normale Autos teilweise nicht befahrbar ist. Einige Gläubige begrüßten den Bezirksapostel persönlich mit frisch gepflücktem Obst und armenischem Kaffee.
Sechs Stunden Busfahrt zum Gottesdienst
An der georgischen Grenze verabschiedeten sich Bezirksapostel Pöschel und Apostel Follmann von Bischof Movsesian. Bezirksevangelist Mikheil Khizanishvili, der die Gemeinden in Georgien leitet, fuhr sie weiter in die Hauptstadt Tiflis, wo sie am späten Abend ankamen.
Am Sonntag, 27. September 2026, feierte der Bezirksapostel um 14 Uhr einen Gottesdienst in der Kirche in Tiflis. Eingeladen waren die Gläubigen aus den fünf georgischen Gemeinden: Tiflis, Achalscheni und Achmeta in der Weinregion Kachetien im Osten sowie Batumi und Poti an der Schwarzmeerküste im Westen. Die Gläubigen aus Batumi saßen für die Hin- und Rückfahrt jeweils etwa sechs Stunden im Bus.
Läufer als Predigtbild
Grundlage der Predigt war das Bibelwort aus Jesaja 40,31: „Aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“
Ein Bild dafür hatte der Bezirksapostel am Morgen beim Kaffee beobachtet: Bei einer Laufveranstaltung in Tiflis waren einige Läufer auf dem Rückweg genauso schnell wie auf dem Hinweg, andere deutlich langsamer. „Nicht jeder kommt mit derselben Kraft in den Gottesdienst. Aber jeder kann hier neue Kraft bekommen“, sagte er.
Rund 110 Gläubige nahmen teil, darunter sieben Geistliche sowie Gäste aus Deutschland und der Schweiz. Es sangen der Gemeindechor und ein Solist, begleitet von der Orgel. Die Gespräche beim Abschied liefen auf Georgisch, Russisch, Englisch und Deutsch.
Stadtführung mit einem Priester
Am Nachmittag führte Priester Lasha Sarishvili, der früher als Fremdenführer gearbeitet hat, die Gäste durch die Altstadt von Tiflis: zu den Schwefelbädern, zu einem Wasserfall mitten in der Altstadt, zu georgischen Kirchen, Promenaden und Parks sowie zu Beispielen moderner Architektur. Am Abend trafen sich der Bezirksapostel und der Apostel mit den Geistlichen Georgiens und deren Partnerinnen zum Abendessen. Früh am nächsten Morgen flogen sie zurück nach Deutschland.
In Armenien gehören 678 Gläubige der Neuapostolischen Kirche an. Sie versammeln sich in acht Gemeinden: Eriwan, Alaverdi, Gümri, Katchatchkut, Odzun, Sevan, Stepanavan und Wanadsor. Derzeit betreuen 18 Geistliche die Gemeinden. In Georgien zählt die Kirche 1.050 Mitglieder in fünf Gemeinden, für die sieben Geistliche zuständig sind.
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