Neuapostolische Kirche
Westdeutschland
Bottrop. Besuch in 1150 Metern Tiefe: Gemeinsam mit Eduard Nieland, Leiter des Kirchenbezirks Recklinghausen, besuchte Bezirksapostel Rainer Storck das Bergwerk Prosper Haniel. Auf dem Programm stand die Fahrt zum Abbaubetrieb 124, dem letzten Ort, wo in Deutschland Steinkohle abgebaut wird.
Das Ruhrgebiet gründet auf Kohle. Der heimische Energieträger hat die Region zur Millionenmetropole gemacht und Generationen von Bergleuten Arbeit gegeben. Bis zu 600.000 Menschen arbeiteten zu Hochzeiten in den Zechen der Metropole Ruhr. Die wichtigsten deutschen Lagerstätten befinden sich in Nordrhein-Westfalen im Ruhrgebiet, im Tecklenburger Land (Ibbenbürener Steinkohlenrevier) sowie im Saarland (Saarrevier).
Kohle prägte Gemeindeentwicklung im Ruhrgebiet
Auch auf die Entwicklung vieler neuapostolischer Gemeinden hatte der Steinkohlenbergbau nachhaltige Auswirkungen. Viele der mehr als 100 Gemeinden im Ruhrgebiet und im Saarland sind erst durch den Steinkohlenbergbau entstanden. Bezirksapostel Rainer Storck kommt aus dem Ruhrgebiet und war viele Jahre als Amtsträger in vom Bergbau geprägten Gemeinden im westlichen Ruhrgebiet tätig. Auf Einladung von Priester Frank Beran, Bereichsleiter Elektrotechnik bei der RAG, besuchte der Bezirksapostel am 9. März 2018 das derzeit letzte aktive Bergwerk in Deutschland.
Anlass für die Grubenfahrt war unter anderem der anstehende Ruhestand des Bezirksältesten Eduard Nieland (Recklinghausen). Der 65-jährige wird in wenigen Wochen in den beruflichen und kirchlichen Ruhestand treten. Zu seiner letzten Grubenfahrt hatte Frank Beran ihn, den Bezirksapostel sowie weitere Arbeitskollegen eingeladen. Eduard Nieland war viele Jahre für den Bergbaukonzern RAG tätig und ist dem Unternehmen eng verbunden.
Abbaubetrieb in der Kirchheller Heide
Nach dem Anlegen der Bergmannskleidung führte den Bezirksapostel eine Grubenfahrt zum Abbaubetrieb 124, in das 4,50 Meter mächtige Kohleflöz Zollverein in 1.150 Meter Tiefe auf Sohle 7 unter der Kirchheller Heide. Dieser Betrieb ist zum Ende des Jahres 2018 der letzte Ort, wo in Deutschland Kohle abgebaut wird.
Bezirksapostel Storck zeigte sich von der eingesetzten Technik, dem Engagement und Zusammenhalt der „Kumpel“ unter Tage beeindruckt. Bei der Grubenfahrt begleiteten den Bezirksapostel und den Bezirksältesten noch Priester i. R. Siegfried Adrat und Diakon Dirk Endrigkeit, alle aus dem Bezirk Recklinghausen.
Steinkohleabbau endet 2018
In Deutschland wurden 2013 insgesamt 7,6 Millionen Tonnen Steinkohle gefördert. Zum Vergleich: Noch 2007 war es fast 22,8 Millionen Tonnen. 1960 holten die Bergleute in damals noch 146 Zechen rund 142,3 Millionen Tonnen Kohle aus der Erde. Die Steinkohle wird überwiegend in Kraftwerken eingesetzt, um Strom zu erzeugen. Aus einem kleineren Teil wird Koks hergestellt der zur Stahlerzeugung gebraucht wird. Bundesweit waren Ende 2014 noch 12.104 Menschen im Steinkohlenbergbau beschäftigt, die meisten davon im Ruhrgebiet.
2018 ist endgültig Schluss mit dem Steinkohlenbergbau in Deutschland und eine Ära geht zu Ende. Hohe Sicherheitsstandards und die extrem tiefe Lage von bis zu 1.200 Meter unter der Erde machen den Abbau deutlich unwirtschaftlicher als in anderen Teilen der Erde.
Andacht unter Tage 2010
Bezirksapostel Storcks Amtsvorgänger Armin Brinkmann war 2010 unter Tage gefahren: In der Nähe von Schacht 8 des RAG-Bergwerks Auguste Victoria in Marl fand im Rahmen des Programms zur Kulturhauptstadt RUHR.2010 eine Andacht in 1.100 Metern Tiefe statt. 70 Teilnehmer begleiteten damals den Bezirksapostel an diesen ungewohnten Ort.
Gruppenfoto in 1.150 Meter Tiefe (vorn: Bezirksältester Eduard Nieland)
6. April 2018
Text:
Frank Beran,
Frank Kotke,
Frank Schuldt
Fotos:
Frank Beran
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