Neuapostolische Kirche
Westdeutschland
Westdeutschland. Seit neun Wochen finden keine Gottesdienste mehr in den neuapostolischen Kirchen in Westdeutschland statt. An Stelle der Präsenzveranstaltungen werden Videogottesdienste angeboten. Der erste am 15. März 2020. Zum zweimonatigen Jubiläum blicken wir zurück auf zehn Videogottesdienste.
In einer Eilmeldung teilte Bezirksapostel Rainer Storck am 14. März 2020 mit, dass am Sonntag, 15. März 2020, alle Gottesdienste in der Gebietskirche Westdeutschland ausfallen. Damit fiel der Startschuss für die zentralen Videogottesdienste. Den ersten führte der Leiter der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland selbst durch.
Nachfolgend findet sich eine Übersicht mit den Kernaussagen der Predigten. Zusammenschnitte der Videogottesdienste finden sich im YouTube-Kanal der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland sowie übersichtlich auf der Sonderseite zur Corona-Pandemie.
Erster Videogottesdienst
15. März 2020 – Bezirksapostel Rainer Storck
Bibelwort: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Matthäus 18,20)
Wir erleben die Nähe Jesu Christi nicht nur im Gottesdienst, sondern auch im Gebet und in der Begegnung mit dem Nächsten, wenn wir im Sinne Jesu handeln. Es ist wichtig, dass wir den Pfad der Dankbarkeit nicht verlassen. Die Intensität des Gebetes überdenken.
Zweiter Videogottesdienst
22. März 2020 – Apostel Stefan Pöschel
Bibelwort: „Zur selben Zeit wird man sprechen zu Jerusalem: Fürchte dich nicht, Zion! Lass deine Hände nicht sinken! Denn der Herr, dein Gott, ist bei dir, ein starker Heiland.“ (Zefanja 3,16.17)
Bete weiter und setze dich in Nächstenliebe kreativ für deinen Nächsten ein, wo es dir möglich ist. Stille sein bedeute nicht, in passives Verhalten zu verfallen. Ganz im Gegenteil: Statt starr vor Angst zu verharren gelte es, die Hände nicht sinken zu lassen: „Erhebe deine Hände – zum Gebet und in der tätigen Liebe für den Nächsten.“
Dritter Videogottesdienst
29. März 2020 – Apostel Gert Opdenplatz
Bibelwort: „Er legte seine rechte Hand auf mich und sprach: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit." (Offenbarung 1,17)
Johannes war verbannt auf der Insel Patmos, einsam, ohne Familie, ohne Gemeinde. Unvermittelt erscheint Jesus Christus, neigt sich zu ihm, legt ihm die rechte Hand auf, schenkt Trost. Jesus berühre auch heute den Gläubigen im Gottesdienst durch den Heiligen Geist und sagt „Fürchte dich nicht.“
Die Begegnung mit Jesus ist immer möglich. Man muss es wollen, man muss sich trauen und man muss den Mut aufbringen, wie die Frau, die aus der Menge heraus nur die Kleidung Jesu berührte.
Vierter Videogottesdienst
5. April 2020 (Palmsonntag) – Apostel Franz-Wilhelm Otten
Bibelwort: „Und als er nahe hinzukam und die Stadt sah, weinte er über sie und sprach: Wenn doch auch du erkenntest an diesem Tag, was zum Frieden dient! Aber nun ist's vor deinen Augen verborgen.“ (Lukas 19,41.42)
Welche Erwartungen haben wir? Es gehe in den Gebeten oft um materielle, irdische Dinge. Wir brauchen auf diese Bitten nicht verzichten, aber wir jubeln Jesus nicht deswegen zu. Es gelte, die eigene Erwartungshaltung an Jesus zu überprüfen und zu erkennen, was zum Frieden dient. Nicht unsere „Feinde“ (oder Menschen die uns nicht wohlgesonnen sind) sind unsere Gegner, sondern das Böse, dass es mit Christus zu besiegen gilt.
Bischof Karl-Erich Makulla, gerichtet an die Kinder: wir „liken“ (mögen) nicht Jesus sondern „love“ (lieben) ihn und geben ihm deswegen unsere Liebe zurück.
Fünfter Videogottesdienst
10. April 2020 (Karfreitag) – Bezirksapostel Rainer Storck
Bibelwort: „Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, auf dass ich's wieder empfange. Niemand nimmt es von mir, sondern ich selber lasse es. Ich habe Macht, es zu lassen, und habe Macht, es wieder zu empfangen. Dies Gebot habe ich empfangen von meinem Vater.“ (Johannes 10,17.18)
Sagen zu können „es ist vollbracht“ durch Liebe zu Gott, Jesus und den Nächsten. Auch in schwierigen Zeiten nicht Egoist sein. Es sei unser Bestreben, das Umfeld und die Nächsten vor allem in den Gemeinden nicht zu vergessen und ihnen Hilfe zu Teil werden zu lassen. Auch in diesen Tagen ein Vorbild sein und nicht klagen sondern Zuversicht zeigen, in Vorbereitung auf den Tag der Wiederkunft Christi.
Nicht vergessen: „Welch ein Freund ist unser Jesus“ – er versteht dich immer.
Sechster Videogottesdienst
12. April 2020 (Ostern) – Stammapostel Jean-Luc Schneider
Premiere: Stammapostel Jean-Luc Schneider feiert für die Kirchenmitglieder weltweit einen Ostergottesdienst, an dem Gläubige via Internet und Telefon teilnehmen können.
Bibelwort: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ (Offenbarung 1,17b.18)
Die Corona-Krise ist nur eine Zeile mehr auf der langen Liste der Plagen. Sie sei weder ein Zeichen der nahen Wiederkunft Christi, noch eine Strafe Gottes. Denn Gott sei ein Gott der Liebe und nicht der Strafe. Und: „Unsere Hoffnung auf die Wiederkunft beruht nicht auf Zeichen, sondern auf den Glauben an Christus.“
Durch die Taufe aus Wasser und Geist gebe der Gottessohn den Menschen von seinem Leben. Wer an ihn glaube, der könne schon heute die Kräfte der zukünftigen Welt und damit den Frieden Gottes und die Freude in Christus erfahren.
„Lasst uns diese Zeit ausnutzen, um uns auf das erste Abendmahl vorzubereiten, dass wir wieder feiern können“, ermunterte der Stammapostel.
Siebter Videogottesdienst
19. April 2020 - Apostel Wolfgang Schug
Bibelwort: „Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das?“ (Johannes 11,25.26)
Aufruf, an diesem Sonntag ein Fest der Gemeinschaft zu feiern und daraus Kraft für den Alltag mitzunehmen. Ein Grund zum Feiern sei die spürbare Nähe des Heiligen Geistes und sein Wirken – gerade in diesen Tagen. „Der Heilige Geist hält uns zusammen und führt uns.“
Im Ergebnis gelte es, aus den Gottesdiensten, aus den Feiern der Gemeinschaft, Kräfte für jeden Tag mitzunehmen. Und das größte Fest, so beendete der Apostel seine einleitenden Gedanken, stehe noch bevor: Die Wiederkunft Christi.
Achter Videogottesdienst
26. April 2020 – Apostel Thorsten Zisowski
Bibelwort: „Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Matthäus 28,19.20)
„Zeig doch auch in dieser Zeit, welche Freude, welcher Trost und welche Zuversicht in dir wirken. Warum du guten Mutes bist und getrost sowie mit Kraft und Stärke durch diese Zeit hindurchgehst. Vielleicht hast du sogar so viel, dass du davon abgeben kannst.“ Das sei Bekenntnis Gottes, das von anderen wahrgenommen werde.
Bischof Manfred Bruns sprach in seinem Predigtbeitrag die Kinder an und brachte ihnen den „Lehrer“ Jesus Christus näher. Dabei zeigte er auf, wie einfach es sei, als Christ selbst ein Lehrer zu sein, wenn man anderen zeige, wie man beten kann oder ihm die Liebe Gottes zeigt.
Neunter Videogottesdienst
3. Mai 2020 – Apostel Jens Lindemann
Bibelwort: „So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in einem neuen Leben wandeln. Denn wenn wir mit ihm zusammengewachsen sind, ihm gleich geworden in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein.“ (Römer 6,4.5)
Jesus ist mit uns solidarisch und begleitet uns auf allen Wegen Die Zusage Gottes: „Ich bin an deiner Seite, dir wird nichts mangeln“, gilt auch heute. Hinweis auf das Konfirmationsgelübde: „Es ist auch unser Part, ein ‚Ja‘ zum Herrn zu sagen: als Seelsorger, als Friedenstifter, als Begleiter für den anderen.“
Bischof Gerd Kisselbach ermunterte die Zuhörer in seinem Predigtbeitrag, die Freude in Christus weiterzutragen – heraus aus den Gemeinden hinein in die Familien, in das Umfeld und in den Arbeitsplatz. „Es soll spürbar werden, dass diese Freude am Herrn auch eine Kraft ist, die uns in den Gemeinden wohltut und uns auf allen unseren Wegen zum Segen wird.“
Zehnter Videogottesdienst
10. Mai 2020 – Bezirksapostel Rainer Storck
Bibelwort: Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Korinther 5,17)
Mutterliebe ist für alle Kinder gleich. Stärken werden gefördert und Schwächen nicht überbewertet, sie sehnt sich nach Gemeinschaft. Die Gemeinde ist die Mutter im kirchlichen Leben und auch da sei es Aufgabe, alle gleich lieb zu haben und niemanden ausschließen.
Drei wesentliche Merkmale der „neuen Kreatur“ – wie der Wandel vom Saulus zum Paulus – seien: Erstens: Liebe zu Gott – Maßstab mag dabei sein "Wie sehr erwarte ich den Tag der Wiederkunft Jesu". Zweitens: Liebe zum Nächsten und vergeben, jeden annehmen, wie er ist. Drittens: Sanftmut und Demut in der Begegnung und im Umgang miteinander, statt Härte oder Recht.
Ein letzter Einblick: Die Kamera im Vordergrung und an der Rückwand das Holzrelief mit der Szene nach dem Gemälde von Leonardo da Vinci: Das letzte Abendmahl
15. Mai 2020
Text:
Regina Hoffmann,
Frank Schuldt
Fotos:
Günter Lohsträter,
Frank Schuldt,
Natalie Simon
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