Neuapostolische Kirche
Westdeutschland
Westdeutschland/Mülheim. Bezirksapostel Pöschel besuchte im September die Jugendlichen im Kirchenbezirk Ruhr-West. Im Rahmen einer Jugendstunde ging es um Fragen zur aktuellen Entwicklung und Zukunft der Kirche. Der Bezirksapostel ermunterte die jungen Gläubigen, sich verstärkt in ihren Gemeinden einzubringen.
„Lieber Bezirksapostel, wir freuen uns, dass du den Weg zu uns nach Mülheim gefunden hast“, begrüßte Marc Vogel, Jugendbeauftragter der Gemeinde, am 10. September 2024 den besonderen Gast des Abends. „Ich hab ein Navi“, schmunzelte Bezirksapostel Stefan Pöschel und lockerte damit sofort die Athmospäre auf.
Bisherige berufliche Tätigkeit
Die jungen Gläubigen hatten sich in der Kirche Mülheim im Halbkreis um den Bezirksapostel versammelt. Im ersten Teil ging es um den Bezirksapostel selbst und seinen beruflichen Hintergrund. Der 56-Jährige erzählt, dass er erst im April 2024 in den Kirchendienst gewechselt sei, also nur drei Monate vor seiner Beauftragung. Der Grund dafür sei gewesen, dass er seinen laufenden Vertrag noch bis zum Ende habe erfüllen wollen.
„Meine Arbeitskollegen haben schon erstaunt reagiert, als ich ihnen vom Ende meiner Tätigkeit im Unternehmen berichtet habe“, erzählte er den Jugendlichen.
Einige dachten wohl im ersten Moment, er hätte ein finanziell attraktiveres Angebot eines anderen Unternehmens bekommen. „Ich hab dann gesagt, dass ich zwar etwas Besseres habe, es dabei aber nicht um die Höhe des Gehalts geht.“ Einer der Verantwortlichen habe es dann verstanden und unter Anspielung auf das Wechseln im Fußballbusiness gesagt: „Dann werden wir dich auch nicht halten können. Schließlich wechselst du nicht nur die Mannschaft, sondern gleich die komplette Sportart.“
Im In- und Ausland unterwegs
Sein Arbeitsalltag heute sei völlig anders als vorher und teile sich grundlegend auf in Inland und Ausland. Er sei viel auf Reisen, im Ausland dann aber nicht nur in großen Städten, sondern oft auf dem Land und in kleinen Dörfern. „Ihr könnt mich gern auf meinem Instagram-Kanal auf den Reisen begleiten“, bot er an. Im Inland gehe es vor allem um die Arbeit am Schreibtisch in der Funktion als Kirchenpräsident der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland.
Wie viele schwarze Anzüge und weiße Hemden er habe, so eine Frage. „Das weiß ich sehr gut, denn ich bügle meine Hemden selbst“, schmunzelt der Bezirksapostel. Er habe so etwa 15 Stück und dazu sechs schwarze Anzüge, aber zusätzlich noch mehr schwarze Hosen. „Auf den Reisen nach Afrika bleibt das Sakko oft zu Hause, da es dort sehr warm und feucht ist und wir daher im weißen Hemd die Gottesdienste durchführen.“
Aus Afrika lernen
„Was können wir von Jugendlichen aus Afrika lernen?“ In der Antwort holte Bezirksapostel Pöschel aus und berichtete von der schwierigen Lage in einigen Ländern. Die Jugendlichen litten unter Arbeitslosigkeit, es gebe nur wenige Ausbildungsmöglichkeiten. Viele blieben deshalb lange bei der Familie wohnen, weil sie es sich nicht leisten könnten, auszuziehen. Gleichzeitig seien sie stark engagiert in ihren Kirchengemeinden und sehr interessiert an biblischen Inhalten und dem Katechismus.
In vielen der von Bezirksapostel Pöschel betreuten Ländern sind über die Hälfte der Gemeindemitglieder jünger als 25 Jahre. Es gebe zudem keinen Mangel an Amtsträgerinnen oder Amtsträgern. Gerade die jungen Leute seien hoch motiviert und stolz, sich für Christus in ihrer Kirche engagieren zu können und gleichzeitig die Chance zu nutzen, etwas zu verändern – in Kirche und Gesellschaft. „Das wünsche ich mir für Deutschland noch stärker“, so der Aufruf des Bezirksapostels: „Engagiert euch, gestaltet mit!“
Im August hatte er mehrere Jugendstunden in Guinea-Bissau und auf den Kapverden durchgeführt. Die Fragen der Jugendlichen unterschieden sich von denen in Deutschland, da viele junge Leute von dem traditionellen Rollenverständnis ihrer Familien geprägt seien. Sie stellten daher Fragen zur Position der Kirche bezüglich Verhütung und Familienplanung. Insgesamt orientiere sich ihre Begeisterung jedoch nicht an dem, was sie besäßen, sondern speise sich aus der Freude für das Evangelium Jesu Christi.
„Bringt euch ein!“
Im nächsten Frageblock ging es um die Mitwirkungsmöglichkeiten und auch Möglichkeiten zur Mitbestimmung. Der Bezirksapostel stellte klar, dass die theologische Leitung der Kirche dem Apostolat obliege, dass es jedoch in den Gemeinden vielfältige Mitgestaltungsmöglichkeiten in der Organisation gebe, unter anderem in den Gemeindegremien. „Bringt euch ein als junge Generation, das ist nicht nur eine Sache für das Mittelalter oder die Senioren“, ermunterte er.
Fortbildung ist wichtig
Bezüglich einer Trennung von Seelsorge und Administration, insbesondere bei den Aposteln, äußerte sich der Bezirksapostel offen. In weiten Teilen sei das jedoch schon gängige Praxis, denn die tatsächliche organisatorische Arbeit laufe in den Kirchenverwaltungen in Dortmund und Frankfurt. „Hier sitzen die Fachleute“, stellte der Bezirksapostel klar.
Darüber hinaus betonte er auf Nachfrage die Bedeutung von Fortbildungen, speziell im theologischen Bereich. Die Apostel und Bischöfe träfen sich an drei Wochenenden im Jahr zur theologischen Weiterbildung. Das sei jedoch wichtig für alle Geistlichen. „Darüber hinaus haben wir auch viele weitere spannende Angebote, schaut mal auf die Website“, warb der Bezirksapostel für das Fortbildungsportal fortbildung.nak-west.de.
Warum man ein Amt annehmen sollte, wollte ein Jugendlicher wissen. „Mein erster Amtsauftrag hat mir neue Horizonte eröffnet und neue Möglichkeiten für die Weiterentwicklung meines Glaubens geschenkt“, resümierte Bezirksapostel Pöschel. Gerade von Seelsorgebesuchen habe er so viel Kraft mitgenommen, vieles von seinen Glaubensgeschwistern gelernt. Sein persönliches Fazit: „Es lohnt sich, der eigene Glaube entwickelt sich weiter.“
Der Ruf in ein Amt
„Hat die Kirche zu wenig Amtsträger, dass sie 2023 auch die Ordination von Frauen ermöglicht hat?“ Diese Aussage wies der Bezirksapostel zurück. „Wir sind davon überzeugt, dass Gott ruft, aber das Bodenpersonal muss das herausfinden“, brachte er es auf den Punkt. Dabei komme es nach dem seit 2023 geltenden Amtsverständnis nicht mehr auf das Geschlecht an.
Grundlegend müsse man zwischen dem Ruf Gottes und der Möglichkeit der Amtsausführung unterscheiden. „In einigen Regionen verhindern Traditionen oder die Kultur, dass Frauen ein Amt in der Gemeinde übernehmen. Ich bin aber optimistisch, dass wir diese gesellschaftlichen Hinderungsgründe nach und nach überwinden können, es wird aber etwas dauern“, so der Bezirksapostel.
Kirchen- und Jugendtage
Ein weiteres Thema: Ein nächster Internationaler Jugendtag. Im Moment sei das nicht geplant. Auf den gebietskirchenweiten Jugendtag angesprochen führte er aus, dass man dieses Format einmal genau anschauen müsse. Möglicherweise könne man einen Jugendtag ja auch in einen gleichzeitig stattfindenden Kirchentag integrieren. Ihm sei wichtig, nicht nur die einzelnen Gruppen zu sehen, sondern Angebote für möglichst alle zu machen.
Insofern gelte es auch, bestehende Traditionen zu überdenken wie den zentralen Jugendtag in der Gebietskirche. Angebote dürften sich nicht abnutzen. Er rief die Jugendlichen dazu auf, Rückmeldungen zu diesen Angeboten zu geben. „Wenn ihr kommt und den Jugendtag mitgestaltet, machen wir natürlich weiter.“
„Die Kirche wird gut aufgestellt sein“
Wie die Kirche in 20 Jahren aussehen werde, wollte ein Jugendlicher wissen. „Wir werden weiter eine lebendige Kirche sein, die sich weiterentwickelt hat – wie in den letzten Jahrzehnten“, so die Einschätzung von Bezirksapostel Pöschel. Im Kern werde die Kirche gut aufgestellt sein, mit den Schwerpunkten auf Wortverkündigung und Seelsorge auf Basis des Evangeliums und unter Leitung des Apostolats.
Allerdings müsse Kirche in Zukunft nicht jeden Trend mitmachen, manche Dinge gelte es auch auszuhalten. Klar sei, dass sich kirchliche Veranstaltungen einem geänderten Hör- und Wahrnehmungsverhalten anpassen. „Wir werden sicherlich weniger monologisch lange Gottesdienste erleben und mehr Abwechslung zum Beispiel durch Musik zulassen.“
Was denn mit den Wochentagsgottesdiensten sei? „Natürlich machen wir uns darüber Gedanken, doch es ist ein Angebot, das von vielen Tausend Kirchenmitgliedern genutzt werde. „Die Entscheidung muss jeder für sich treffen, doch für mich ist der Gottesdienst am Mittwoch- oder Donnerstagabend wie eine Oase der Ruhe im Alltag.“ Für ihn persönlich sei dieser daher echt wichtig und er freue sich auf die Gemeinschaft. Der Rat des Bezirksapostels: „Macht Gottesdienste in der Woche spannend durch eure Anwesenheit und Mitwirkung.“
Impulsen folgen
Zum Abschluss der Jugendstunde ging es noch um das „Erbeten“ von Amtsgaben. Die jungen Gläubigen wollten wissen, ob sich dies durch Träume oder andere Dinge zeige. „Ich träume nachts eher selten von Vorstehern“, schmunzelt der Bezirksapostel. Der Vorgang sei nicht mystisch, sondern ein Prozess der Validierung und Inspiration, den man schlecht erklären könne. „Am Ende muss ich vor einer Entscheidung ganz sicher sein: Das ist von Gott so gewollt. Wenn ich mir nicht sicher bin, dann lege ich es nochmal beiseite.“
Bezüglich der Vorbereitung auf einen Gottesdienst berichtet der Bezirksapostel von einem Tipp, den er einmal vom verstorbenen Apostel Hermann Magney erhalten habe. „Er hat mir geraten: Die Vorbereitung besteht zu einem Drittel aus den Leitgedanken, einem Drittel Gebet und einem Drittel Beschäftigung mit dem Adressatenkreis“, berichtete er. Derzeit beschäftige er sich beispielsweise intensiv mit einem Bibelwort für den Zentralgottesdienst. „Da kann ich nicht in die Schublade greifen, sondern suche ein Wort genau für diese Zielgruppe.“
Dabei sei es wichtig, Impulsen nachzugehen. Sein abschließender Rat an seine jungen Glaubensgeschwister: „Dämpfet den Geist nicht“, wie man früher gesagt habe. „Wir sind Kopfmenschen, was auch gut ist. Aber wir dürfen den Seelenmenschen nicht vergessen, der mindestens ein Drittel von uns ausmacht.“ Er wünsche sich hier mehr Vertrauen in die Impulse des Geistes.
Mit einem Gebet beendete der Bezirksapostel die Jugendstunde. Er blieb dann noch beim Imbiss einige Zeit mit den Jugendlichen zusammen und beantwortet dabei im kleineren Kreis noch weitere Fragen.
21. Oktober 2024
Text:
Frank Schuldt
Fotos:
Florian Wiemann
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