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Informationsabend zur Gemeinde der Zukunft:
Impulse und Perspektiven
für die Entwicklung vor Ort

 

Westdeutschland/Dortmund. Wie können Gemeinden in einer sich wandelnden Gesellschaft lebendig bleiben, ihr geistliches Profil schärfen und ihren Auftrag erfüllen? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Informationsabends. Bezirksapostel Pöschel thematisierte zentrale Impulse des europäischen Projekts „Gemeinde der Zukunft“.

Der Informationsabend am Montagabend, 22. September 2025, startete mit einem Vortrag von Bezirksapostel Stefan Pöschel. Er stellte dabei die Inhalte eines Impulspapiers vor, das von der Arbeitsgruppe „Gemeinde der Zukunft“ im Auftrag des Stammapostels entwickelt wurde. Bezirksapostel Pöschel war Teil dieser Gruppe.

„Die Gedanken, die ich heute Abend mit euch teile, sind das Ergebnis eines europäischen Projekts“, erläuterte er. Die Impulse seien bereits in den internationalen Bezirksapostelversammlungen beraten worden und hätten die volle Zustimmung des Stammapostels und der Bezirksapostel gefunden.

Theologische Einordnung als Basis

Das Papier der Arbeitsgruppe mit dem Titel „Betrachtungen zur neuapostolischen Gemeinde der Zukunft“ beginnt mit einer theologischen Einordnung der „Ortsgemeinde“. Diese Ausführungen gelten inzwischen als kirchliche Lehre und wurden im Frühjahr in einer Sondernummer der „Leitgedanken zum Gottesdienst“ veröffentlicht.

„Wir können die Gemeinden nur vom Gründer Jesus Christus her denken“, reflektierte Stefan Pöschel. Es gilt das Bild der Kirche Jesu Christi als Leib Christi: Christus ist das Haupt, die Gläubigen seine Glieder.

Daraus ergeben sich zentrale Aufgaben für die Gemeinde wie Gottesdienst, Sakramentsspendung und Seelsorge. Äußere Strukturen – etwa Gebäudegröße, musikalische Gestaltung oder Anzahl der Amtsträger – seien dabei sekundär. „Entscheidend ist das geistliche Erleben und das von Liebe geprägte Miteinander“, definierte er.

Gesellschaftlicher Wandel und seine Auswirkungen

Die Arbeitsgruppe analysierte vielfältige gesellschaftliche Entwicklungen, die sich auf das Gemeindeleben auswirken. Dazu zählen ein verändertes religiöses Bewusstsein, demografische Verschiebungen, verändertes Freizeitverhalten und die Digitalisierung. Diese Veränderungen hätten teils zu einem Rückgang von Mitgliederzahlen, Engagement und Gottesdienstbesuchen geführt – nicht zuletzt verstärkt durch die Pandemie und die zunehmende Nutzung digitaler Gottesdienste.

Ein nüchterner Blick in die Vergangenheit gehört ebenfalls zum Papier. Die Zeit des Gemeindewachstums sei geprägt gewesen von Aufbau und Expansion, die Gegenwart dagegen von Konsolidierung und Rückgang. Das führe teils zu Resignation. Auch die Hoffnung auf eine nachhaltige Aufbruchsstimmung in zusammengelegten Gemeinden habe sich nur eingeschränkt erfüllt. „Häufig haben wir trotz großer Mühe bei Gemeindefusionen aktive Gemeindemitglieder verloren“, konstatierte der Bezirksapostel. „Das weiß jeder von uns.“

Hier gelte es einmal innezuhalten, forderte er und betonte: Trotz der Herausforderungen gebe es vielfältige positive Entwicklungen in den letzten Jahren: „Katechismus, geschärfte Liturgie, neue Amtsverständnisse – das alles sind bedeutende Schritte.“

In der Diskussion über die Zukunft sei nun entscheidend, nicht auf Defizite zu blicken, sondern auf das, was Gemeinden stark macht.

Neue Impulse und lokale Verantwortung

Das Impulspapier formuliert keine Vorgaben, sondern bietet Vorschläge zur individuellen Weiterentwicklung vor Ort. Ziel ist es, dass Gemeinden aus eigener Verantwortung heraus gestalten – im Bewusstsein ihrer Stärken. Die Konzentration auf Gottesdienst, Sakrament und Seelsorge wird dabei als ausreichend für das Bestehen einer Gemeinde angesehen.

Ausdrücklich betonte der Bezirksapostel: „Wenn ein priesterliches Amt die Gemeinde leitet, ist es eine neuapostolische Gemeinde in unserem Sinn und hat ihre Daseinsberechtigung.“ Die Ausstattung sei dabei zweitrangig. Es gehe um die Pflege geistlicher Gemeinschaft: um Predigt, Sakramente und Seelsorge.

Gemeinde getrennt von Immobilie denken

Eine Schlussfolgerung der Kirchenleitung ist, dass der Bestand einer Gemeinde also auch nicht an eine Immobilie gekoppelt ist. „Selbst wenn wir einmal eine Immobilie verlassen müssen, weil sie zu groß und baufällig ist oder die Kosten für die Instandhaltung aus dem Ruder laufen, bedeutet das nicht, dass wir die Gemeinde aufgeben“, brachte es Bezirksapostel Pöschel auf den Punkt.

Dann gelte es, darüber nachzudenken, ob es an anderer Stelle einen Versammlungsort gebe. „Ob es bei unseren Mitchristen ist, wo wir uns beispielsweise einen Gottesdienstraum teilen, oder indem wir einen Raum anmieten.“ Wichtig sei, dass die Gemeinde vor Ort präsent sei. „So schaffen wir die Möglichkeit, dass wir Gäste vor Ort begrüßen können.“

Individuelle Konzepte vor Ort entwickeln

Nun seien die Gläubigen vor Ort gefragt. „Wir als Apostel wollen keine Strukturen vorgeben, sondern ermutigen euch, gemeinsam mit uns darüber nachzudenken, wie wir mit Mut und Zuversicht nach vorn gehen können, dass wir mehr auf das schauen, was wir haben und was unser Reichtum ist.“

Dies solle in Familien, Gemeindegruppen und in Ämterkreisen geschehen, nachdem im November das Impulspapier veröffentlicht werde. Parallel würde über die Inhalte auch in den kirchlichen Medien berichtet.

Missionsauftrag im Blick

Auch der Missionsauftrag bleibe unverändert gültig. Gemeinde sei ein Ort der Einladung und Begegnung mit Gott. „Lasst uns mehr darüber nachdenken, wie früher Gemeinden entstanden – aus zwei Gläubigen wurden vier, dann acht“, so der Bezirksapostel. Es brauche den Mut, Menschen wieder aktiv einzuladen.

Die Apostel begleiten diesen Prozess unterstützend und verstehen sich als Ermöglicher, nicht als Vorgabengeber. Parallel wird an einer Weiterentwicklung der Kirchenstrategie gearbeitet, die Themen wie Seelsorge, Bildung, Ressourcenmanagement und internationale Solidarität berücksichtigt.

Abschließend betonte der Bezirksapostel, dass die Erneuerung der Gemeinde nicht von oben verordnet werden könne. „Sie lebt vom Engagement jedes Einzelnen.“ Das Papier solle zur Diskussion, Reflexion und aktiven Mitgestaltung anregen.

Im Anschluss an den Vortrag fand eine Gesprächsrunde statt, in der die Inhalte vertieft wurden – mit dem Schwerpunkt, wie die Gedanken zur Gemeinde der Zukunft künftig in der Gebietskirche Westdeutschland umgesetzt werden.

24. September 2025
Text: Frank Schuldt
Fotos: Frank Schuldt

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