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Gemeinde der Zukunft:
Gestaltungsmöglichkeiten und Herausforderungen

 

Westdeutschland. Welche Chancen eröffnet das Konzept „Gemeinde der Zukunft“? Im Rahmen des Informationsabends am 22. September 2025 diskutierten drei Vertreter aus den Gemeinden mit Bezirksapostel Pöschel über Erwartungen und Möglichkeiten kirchlicher Entwicklung.

Zentrale Themen der Gesprächsrunde waren die Perspektiven und praktischen Auswirkungen des Konzepts „Gemeinde der Zukunft“. Bezirksapostel Stefan Pöschel hatte das Papier zuvor in einem Vortrag vorgestellt, das im November europaweit veröffentlicht wird. In einem offenen Austausch beleuchteten die Teilnehmer, wie sich diese Eckpunkte in Gemeinden unterschiedlicher Größen umsetzen lassen.

Die drei Vertreter aus den Gemeinden hatten sich bereits eine Woche zuvor im Rahmen der Bezirksleitertagung vorbereitet. Dort stellte der Bezirksapostel den Aposteln, Bischöfen, Bezirksvorstehern und deren Stellvertretern die Impulse zur ‚Gemeinde der Zukunft‘ in einem ausführlicheren Vortrag vor. Die im Rahmen des Informationsabends gestellten Fragen waren ihm dabei im Vorfeld nicht bekannt.

Mitgestalten: Verantwortung und Rahmenbedingungen

Ann-Kathrin Hintzsch (Bezirk Paderborn), Mitglied der AG Kinderseelsorge und somit Vertreterin der Eltern, griff den Begriff „Gemeinde wagen“ auf und fragte nach konkreten Freiräumen für Mitglieder. Bezirksapostel Stefan Pöschel betonte: „Wir wollen Ermöglicher sein.“ Initiativen sollten aus den Gemeinden heraus entstehen, begleitet durch Vorsteher und Bezirksvorsteher. Dabei seien liturgische, personelle und finanzielle Rahmenbedingungen zu beachten.

Frank Thiel (Bezirk Münster) lenkte aus Sicht des Seelsorgers den Blick auf kleinere Gemeinden und fragte nach der Qualität von Gottesdiensten und Seelsorge. Der Bezirksapostel verwies auf die Fortbildungsangebote der Kirche für Amtsträgerinnen und Amtsträger, die weiter ausgebaut würden. Zudem betonte er: „Gehaltvolle Predigten müssen authentisch, von Herzen kommend und geistgewirkt sein.“

Als weiteren Aspekt führte er das Fortbildungsprojekt „Gemeindeleben 2.0“ an, das gezielt engagierte Mitglieder ansprechen soll. Ziel sei es dabei, durch Inspiration und Austausch neue Impulse für das Gemeindeleben zu schaffen.

Jugendseelsorge in kleinen Gemeinden

Jessica Hansen (Bezirk Kassel-Korbach), Vertreterin der jungen Generation in der Kirche, sprach die Bedeutung von Kindern und Jugendlichen in den Gemeinden an. Bezirksapostel Pöschel unterstrich, dass sie selbstverständlicher Teil der Ortsgemeinde sein müssten: „Mein Wunsch ist es, dass jeder Gottesdienst kindgerecht ist und nicht nur einmal im Monat.“ Die Gemeindesonntage seien dafür ein gutes Modell.

Auf die Situation von Jugendlichen in kleinen Gemeinden angesprochen, betonte Pöschel, dass geistliche Erfahrungen unabhängig von Gruppengröße und der Altersverteilung möglich seien. Besonders die gegenseitige Fürsorge spiele eine wichtige Rolle: „Wenn ich das Gefühl habe, der andere betet für mich, dann kann das sehr bereichernd sein.“ Er appellierte daran, Seelsorge als gemeinsame Aufgabe der Gemeinde zu verstehen.

Mission heute: Glaubwürdige Präsenz

in weiteres Gesprächsthema war die Mission. Bezirksapostel Pöschel machte deutlich, dass ein "Zurück zu früheren Methoden" wie Haustürbesuche nicht geplant sei: "Es wird keinen Schritt zurück geben." Stattdessen liege der Fokus auf glaubwürdiger Präsenz im Alltag – im Freundeskreis, in der Nachbarschaft und am Arbeitsplatz. Dabei spiele die persönliche Überzeugungskraft der Gläubigen eine zentrale Rolle: "Es hängt immer an der Überzeugtheit, am Brennen des Gläubigen."

Er ermutigte dazu, über Glaubensthemen nicht nur in der Gemeinde, sondern auch in der Familie ins Gespräch zu kommen. Das könne authentischer wirken als jede institutionelle Öffentlichkeitsarbeit. Mission bedeute für ihn, die frohe Botschaft an Suchende weiterzugeben, während Glaubensgespräche innerhalb der Gemeinde Teil seelsorgerischer Gemeinschaft seien.

Gemeindestrukturen und neue Formen der Nähe

Im Hinblick auf mögliche Gemeindeschließungen erklärte Pöschel, ein Moratorium bedeute nicht den vollständigen Stillstand. Veränderungen seien weiterhin möglich, jedoch „sollen Standorte nicht als erste Reaktion auf Mängel am Gebäude oder zurückgehende Möglichkeiten in den Rahmenbedingungen aufgegeben werden“.

Gleichzeitig berichtete er von ersten Erfahrungen mit sogenannten "Wohnzimmergemeinden", in denen wenige Gläubige zusammenkommen, um so flächendeckender Gottesdienste anbieten zu können: "Ein solidarischer Akt gegenüber denen, die ansonsten nicht mehr kommen können."

Langfristige Perspektiven und geistliche Berufung

Frank Thiel fragte nach strategischen Maßnahmen zur Sicherung der Seelsorge. Pöschel zeigte sich zuversichtlich und verwies auf stabile Zahlen im priesterlichen Amt und steigende Zahlen bei den Diakoninnen und Diakonen – auch durch die Einführung der Frauenordination.

Er unterstrich zudem: „Gott ruft in ein Amt“, in Anlehnung an den fünften Glaubensartikel. Wer diesen Ruf ernst nehme, werde Wege finden, ihn trotz beruflicher und familiärer Belastungen anzunehmen.

Neben diesem geistlichen Verständnis der Berufung sprach der Bezirksapostel auch organisatorische Möglichkeiten an. So könnte die Gottesdienstfrequenzen bei Engpässen flexibler gestaltet werden, wenn es nicht anders möglich sei: "Warum nicht alle 14 Tage am Sonntagnachmittag?", fragte er und verwies auf Beispiele aus anderen Teilen der Weltkirche. Entscheidend sei nicht die starre Regelmäßigkeit, sondern die Qualität der Begegnungen und die geistliche Tiefe der Gottesdienste.

Darüber hinaus warb Bezirksapostel Pöschel für mehr Kreativität im Gemeindeleben. Statt Entwicklungen als unausweichlich hinzunehmen, solle man mutig neue Formate ausprobieren und Ideen aus den Gemeinden heraus entstehen lassen. "Wir werden ermöglichen, wir sind nicht diejenigen, die sagen: ‚Das hat es ja noch nie gegeben, da kann ja jeder kommen‘." Mit dieser Haltung wolle die Kirchenleitung den Gestaltungswillen der Gemeinden aktiv unterstützen.

Schwerpunktthema in 2026

Zum Abschluss sprach Frank Thiel die Weiterführung des begonnenen Prozesses an. Der Bezirksapostel verwies auf das Impulspapier und die geplante europaweite Publikation im November. Diese wird von Veröffentlichungen in den kirchlichen Medien wie der Zeitschrift „neuapostolisch“ begleitet.

Er wünsche sich, dass das begonnene Konzept nicht abstrakt bleibe, sondern in den Gemeinden, in den Ämterkreisen, in Familien und Jugendgruppen konkret besprochen und weiterentwickelt wird. Ziel sei es, das Thema zu einem Schwerpunktthema im neuen Jahr zu machen und so gemeinsam eine Aufbruchstimmung zu fördern.

Gemeinsam gestalten

Der Abend endete mit einem Gebet von Bezirksapostel Pöschel, das den Wunsch nach Aufbruch und geistlicher Erneuerung zum Ausdruck brachte.

Die Gesprächsteilnehmer zeigten sich dankbar für die offenen Worte und die Bereitschaft, auch kritische Fragen zuzulassen. Der Dialog mache deutlich: Die "Gemeinde der Zukunft" ist kein fertiges Modell, sondern ein gemeinsamer Weg, der gestaltet werden will.

25. September 2025
Text: Frank Schuldt
Fotos: Frank Schuldt

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Vorbereitendes Gespräch beim Bezirksleiterwochenende in Schwerte eine Woche vor dem Informationsabend
 

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