Neuapostolische Kirche
Westdeutschland
Recklinghausen/Dortmund. Zwanzig Teilnehmer waren zum Auftakt-Kurs für Gebärdensprache in den Räumen des Neuapostolischen Sozial- und Bildungswerkes am Samstag, 6. November 2010, zusammengekommen. Eingeladen hatte die Neuapostolische Kirche Nordrhein-Westfalen. Dazu war im September 2010 ein Aufruf von Bezirksapostel Armin Brinkmann in den nordrhein-westfälischen Gemeinden vorgelesen worden.
Ziel des Briefes war, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden, die eine kontinuierliche Seelsorge an den hörgeschädigten Glaubensgeschwistern in den Gemeinden vor Ort gewährleisten können.
Kontinuierliche Betreuung vor Ort
Zwar gebe es seit fast 50 Jahren eine besondere Seelsorge an den Hörgeschädigten in Nordrhein-Westfalen, so Bezirksapostel Brinkmann in dem Rundschreiben. Diese habe sich aber zumeist in regionalen und überregionalen Gottesdiensten und Zusammenkünften an die Betroffenen gewendet.
Mit dem bisherigen Mitarbeiterstab, so der Bezirksapostel weiter, sei aber eine intensivere Betreuung nicht möglich gewesen. Das solle sich in Zukunft ändern.
Hohes Interesse
Heinz-Jürgen Ott, Priester in Quelle-Steinhagen (Bezirk Bielefeld) und einer der Organisatoren der Seelsorgearbeit an Hörgeschädigten in Nordrhein-Westfalen, freute sich, dass sich 58 Teilnehmer für die zukünftige Mitarbeit entschieden und sich zum Gebärdensprachen-Kursus angemeldet hatten.
Es werden drei Kursdurchläufe mit jeweils drei ganztägigen Veranstaltungen angeboten: zwei an je einem Samstag und der dritte an einem Sonntag. Zu diesem Sonntag sind auch die Gruppe der hörgeschädigten Glaubensgeschwister aus Nordrhein-Westfalen eingeladen. So können die Hörgeschädigten ihre neuen Betreuer kennenlernen. Und die neuen Betreuer haben sofort Gelegenheit, das Gelernte zu praktizieren.
Kompetenter Kursleiter
Die Neuapostolische Kirche Nordrhein- Westfalen konnte Hirte Dieter Roß aus Wiesbaden (Neuapostolische Kirche Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland) als Kursleiter gewinnen.
Dieter Roß ist beruflich als Gebärden-Dolmetscher unterwegs und hat während der Ausbildung für diese Tätigkeit nicht nur die "Sprache" gelernt, sondern sich auch vertiefend mit den besonderen Denkstrukturen und der emotionalen Ausprägung gehörgeschädigter Menschen beschäftigt. Dadurch ist er sicher im Umgang mit den besonderen Bedürfnissen dieser Glaubensgeschwister.
Lautsprache begleitende Gebärdensprache
Seinen Kurs begann er mit einer ausführlichen Erläuterung der unterschiedlichen Hörschädigungen wie Schwerhörigkeit, Gehörlosigkeit und Taubheit. Weiterhin erklärte er das Verhältnis zwischen der klassischen Gebärdensprache (DGS) und der in den Gottesdiensten gebräuchlichen "Lautsprache begleitenden Gebärdensprache (LBG), die das gesprochene Wort mit Gebärden und deutlicher Mundformung für Hörgeschädigte "sichtbar" macht.
Im weiteren Verlauf dieses Grundkursus will Dieter Roß eine Einführung in die LBG bieten. Die Teilnehmer sollen die wichtigsten Gebärden lernen und auch anwenden lernen. Dabei will der Kurs sowohl den alltäglichen Wortschatz wie auch den für die Gottesdienste notwendigen glaubensbezogenen Wortschatz berücksichtigen.
Hörgeschädigten-Seelsorge
Die Anfänge der Seelsorge an Hörgeschädigten in Nordrhein-Westfalen ist unzertrennbar verknüpft mit dem Namen Günther Lierse. Selbst Sohn gehörloser Eltern, absolvierte er ein Studium als Lehrer für Gehörlose und Schwerhörige. So konnte der damals junge Evangelist und spätere Bezirksälteste mit seelsorgerischer und zugleich fachlicher Kompetenz bei der Einführung dieses Seelsorgeprojektes tätig werden.
Mittlerweile gibt es in ganz Deutschland und in der Schweiz regelmäßige Gottesdienste und auch jährlich stattfindende zentrale Hörgeschädigten-Tage. Auch besteht ein "Arbeitskreis Deutschland und Schweiz", in dem ein bis zwei Glaubensschwestern und -brüder aus den einzelnen Gebietskirchen mitarbeiten. Hier wird die gesamte Betreuung der Hörgeschädigten koordiniert.
Vorsitzender und Sprecher dieses Arbeitskreises ist derzeitig Hirte Dieter Roß.
Örtliche Betreuung intensivieren
Der Wunsch von Bezirksapostel Armin Brinkmann zielt in die Richtung, die Betreuung der hörgeschädigten Glaubensgeschwister in seinem Arbeitsbereich in den Heimatgemeinden der Betroffenen sicherzustellen.
"Die geringe Anzahl der Amtsträger, Betreuerinnen und Betreuer in diesem Kreis kann eine kontinuierliche Versorgung der Hörgeschädigten nicht durchgängig gewährleisten," so schrieb er in seinem Brief vom September 2010 an die Gemeinden.
Einführungsveranstaltung im Oktober 2010
Er lud alle an solcher Mitarbeit interessierten Glaubensgeschwister zu einem Hörgeschädigten-Gottesdienst für den 10. Oktober 2010 ins Gemeinschaftszentrum Dortmund (GZD) ein, um ihnen dort das Anforderungsprofil für dieses Engagement erläutern zu lassen.
63 Glaubensgeschwister aus ganz Nordrhein-Westfalen waren dieser Einladung gefolgt. Nach dem Gottesdienst, den Bischof Horst Krebs, in Nordrhein-Westfalen für die Seelsorge an den Hörgeschädigten verantwortlich, durchführte, erläuterte Hirte Dieter Roß die Grundlagen der Mitarbeit in diesem Sektor. Außerdem gab er schon einen Überblick über die Inhalte des geplanten Kursus.
Gastgeber SBW
Alle neun Kurs-Tage werden im SBW-Zentrum in Recklinghausen-Suderwich stattfinden. Das SBW hat auf Anfrage der Verwaltung der Neuapostolischen Kirche Nordrhein-Westfalen die Räumlichkeiten gern zur Verfügung gestellt.
Kursus für Gebärdensprache gestartet
12. November 2010
Text:
Günter Lohsträter
Fotos:
Günter Lohsträter
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