Neuapostolische Kirche
Westdeutschland
Dortmund/Hattingen. Zum Gedenken an den Hattinger Musiker und Komponisten Friedhelm Deis (1930-2008) fand am Sonntag, den 28. November 2010 in der Hattinger Kirche ein Konzert statt. Am 1. Juni 2010 hätte er sein achtzigstes Lebensjahr vollendet. Zu Gehör kamen Werke von Friedhelm Deis selbst sowie Kompositionen seiner Zeitgenossen aus dem neuapostolischen Umfeld.
Henning Drumann, Dirigent des Hattinger Gemeindechores, leitete das Konzert. Es sang der gemischte Chor der Gemeinde Hattingen. Den Bariton-Solopart übernahm der Bochumer Heinz Augustin, an der Orgel wirkte der Hattinger Organist Peter Schmidt. Als Orchester kam an diesem Abend das Bezirksorchester Ennepe-Ruhr zum Einsatz.
Eine Messe von Deis
Gut 300 Konzertbesucher erlebten einen außergewöhnlichen Auftakt der musikalischen Reverenz an den vor zwei Jahren verstorbenen Musikpädagogen Friedhelm Deis: Die Sängerinnen und Sänger betraten das als Konzertsaal genutzte Kirchenschiff unter dem Vortrag des "Kyrie eleison" aus dem unvollendet gebliebenen letzten Werk von Friedhelm Deis.
Hirte Jörg Wollert, Gemeindevorsteher in Hattingen, erwähnte in seinen Begrüßungsworten, dass Friedhelm Deis noch in seinem Todesjahr mit der Komposition einer Messe begonnen hätte. "Leider hatte er nicht mehr genügend Zeit, das ehrgeizige Werk zu vollenden", so Jörg Wollert, "einzig das Kyrie hat er uns vollständig hinterlassen."
Kantate nach Paulus-Worten
Herzlich begrüßte der Gemeindevorsteher Hanna Deis, die Witwe des Komponisten, die mit Freunden und Familienangehörigen an diesem Gedenkkonzert teilnahm. Sie hatte maßgeblich bei der Programmgestaltung und der Erstellung der Programmschrift mitgewirkt.
Im folgenden Vortrag kamen alle Akteure des Konzertabends gemeinsam zum Einsatz: Bariton, Chor, Orchester und Orgel. "Siehe, ich sage euch ein Geheimnis" hob Heinz Augustin seine Stimme und rezitierte die Paulus-Worte aus seinem ersten Korintherbrief. Im Wechsel und im Zusammenklang von Chor, Orchester und Orgel setzte dieses Frühwerk des Komponisten aus dem Jahr 1949 einen Akzent.
Aus fünf Präludien und Fugen für Orgel
Ein weiteres Werk aus der frühen Schaffensperiode von Friedhelm Deis bot Peter Schmidt mit dem Präludium und Fuge in d-moll an der Orgel.
Das Werk stammt aus einer Reihe von insgesamt fünf Präludien und Fugen für Orgel, für die Deis 1949 als Schüler des Heinrich-von-Kleist-Gymnasiums in Bochum in einem Schülerwettbewerb den Preis des Kultusministeriums NRW erhalten hatte.
Ein musikalischer Blumenstrauß
Es folgten quasi als Blumenstrauß zum 80. Geburtstag von Deis sechs Kompositionen seiner musikalischen Weggefährten und Freunde aus der Zeit der Zusammenarbeit in der Musikkommission der Neuapostolischen Kirche im deutschsprachigen Raum in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts. Den Reigen eröffnete ein Choralvorspiel von Helmut Grudnio (*1930 zu "Mache dich mein Geist bereit".).
Mit "Sei nur stille zu Gott, meine Seele" (Klaus Michael Fruth, *1940), "Kein Wörtlein geht verloren" (Holger Hantke, *1951) und "Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes" sowie "Gnade sei mit euch" (Hermann Ober, 1926-2006) kamen vier Kompositionen aus der aktuellen Chorliedersammlung der Neuapostolischen Kirche zu Gehör.
Gemeinschaftsarbeit zweier Freunde
Der letzte Vortrag dieses Reigens ist ein Gemeinschaftswerk von Deis und Fruth. Im Programm ist dazu zu lesen: "Gemeinschaftsarbeit zweier Freunde, zusammengefügt aus einer Partita, die Klaus Michael Fruth seinem Freund Friedhelm Deis zum 75. Geburtstag widmete, und vier Variationen, die Friedhelm Deis für Klaus Michael Fruth zu dessen 65. Geburtstag im selben Jahr komponierte."
Es handelt sich um die Partita für Kleinorgel zur Melodie "Von Gott will ich nicht lassen" aus dem Neuapostolischen Gesangbuch (NGB) Nummer 143.
Orgelfantasie
Die mächtige Klangfülle der Hattinger Orgel kam anschließend bei der von Deis 1994 komponierten Orgelfantasie über "Sollt ich meinem Gott nicht singen" (NGB 259) zum Ausdruck, die Peter Schmidt farbenreich intonierte.
Nach vier a-capella-Vorträgen (ohne Instrumental-Begleitung) des gemischten Chores von Deis-Kompositionen aus der Chorliedersammlung endete das Gedenkkonzert mit zwei Chorsätzen aus dem Oratorium "Der Tempel Gottes" für Soli, Chor, Orchester und Orgel.
Der Tempel Gottes
Das Oratorium „Der Tempel Gottes“ nach Texten aus der Heiligen Schrift ist wohl das größte kirchenmusikalische Werk des Komponisten. Deis komponierte es 1996 aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums seiner Heimatgemeinde Bochum-Mitte, wo es auch uraufgeführt wurde.
Auf Anregung des damaligen Stammapostels Richard Fehr ging Deis mit dem Werk auf Tournee. Insgesamt wurde das Oratorium 20 Mal vor insgesamt mehr als 10.000 Zuhörern aufgeführt.
Der zum Schluss des Konzertes lang andauernde Applaus galt nicht nur den Musikern, sondern war auch als Wertschätzung an den Musikpädagogen und den Menschen Friedhelm Deis gerichtet. Ein Strauß von Rosen, den einige Musiker der Witwe des Komponisten, Hanna Deis, überreichten, brachte diese Wertschätzung zum Ausdruck.
Frühe Begabung
Friedhelm Deis wurde am 1. Juni 1930 in Bochum geboren. Als Zehnjähriger erhielt er ersten Klavierunterricht, mit zwölf Jahren begann er zu komponieren. Es folgte ein autodidaktisches Studium von Harmonielehre und Kontrapunkt sowie Orgelspiel.
Der in Westfalen derzeit wirkende Bischof Ludwig Hennrich (1894-1949) erkannte und fördert die Begabung des jungen Deis. Es entstanden 1948 erste Chorsätze zu Hennrich-Texten, die sich in der Chorliedersammlung der Neuapostolischen Kirche längst etabliert haben (zum Beispiel "Viel Bitten hab ich Herr dir vorgetragen")
Am 7. November 1948 führte Friedhelm Deis mit dem Bochumer neuapostolischen Jugendchor seine Kantate "Der Herr ist mein Hirte" auf. Ein kleines Orchester begleitete den Chor bei diesem Auftritt, der im Rahmen eines Jugendgottesdienstes in Herne stattfand.
Musik im Dienst der Kirche und der Schule
Der nordrhein-westfälische Bezirksapostel Walter Schmidt berief den jungen Deis im November 1949 in das Musikgremium Dortmund, das damals für den gesamten deutschsprachigen Raum zuständig war. Im selben Jahr erhielt er seine erste Auszeichung: Bei dem aus Anlass des Goethe-Jahres 1949 veranstalteten Schülerwettbewerb empfing der 19-Jährige für seine Kompositionen - eine Klaviersonate sowie fünf Präludien und Fugen für Orgel - den Preis des Kultusministers des Landes Nordrhein-Westfalen.
Nach seinem Abitur im Jahre 1951 absolvierte er bis 1954 das Studium der Schulmusik an der Musikhochschule "Nordwestdeutsche Musikakademie" in Detmold mit den Fächern Orgel (Michael Schneider), Sologesang (Fred Drissen), Querflöte (Kurt Redel, Hans-Peter Schmitz), Dirigieren (Alexander Wagner u.a.), Komposition (Richard Rudolf Klein) und Musikgeschichte (Erich Valentin).
Von 1954 bis 1975 war er als Realschullehrer an zwei verschiedenen Schulen in Bochum und Welper (bei Hattingen) tätig. in den Jahren 1970 und 1971 ergänzte er sein Studium an der Musikhochschule Köln und erwarb die Qualifikation für das Lehramt am Gymnasium.
Deis - der Musikpädagoge
Von 1975 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1992 war er am "Gymnasium Waldstraße" in Hattingen tätig, davon die letzten zehn Jahre als Studiendirektor. Ab 1970 leistete er nebenamtlich den Aufbau der "Musikschule der Stadt Hattingen" und sorgte für ihren andauernden guten Ruf bei Lehrern und Schülern. Als er als langjähriger Leiter der Musikschule in Jahre 2001 in den Ruhestand verabschiedet wurde, unterrichteten etwa 40 Lehrer ungefähr 1000 Schüler.
Auch in der Neuapostolischen Kirche genoss Friedhelm Deis wegen seiner Fachkompetenz hohes Ansehen. Neben seiner Tätigkeit im Musikrat der Neuapostolischen Kirche hat er sich mit dem Aufbau von Orchestern und der Ausbildung von Chorleitern sehr verdient gemacht. Nachwuchsförderung war ihm stets ein besonderes Anliegen. Seine dreibändige Orgelschule machten den Musikpädagogen auch außerhalb der Neuapostolischen Kirche in Musiker-Fachkreisen bekannt.
Apostel Wilhelm Hoyer spendete Hanna und Friedhelm Deis am 13. August 2006 in Hattingen den Segen zur goldenen Hochzeit.
Lobe den Herrn meine Seele
Neben der Ehrung im Jahre 1949 erhielt er 1997 für sein unermüdliches Schaffen und für seine Verdienste als Muikpädogoge die "Hattinger Chormedaille", 1999 das "Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland" und im Jahr 2001 den "Kulturpreis der CDU 2001" von Stadtverband und Fraktion der CDU der Stadt Hattingen .
Insbesondere bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes wurde sein ehrenamtliches Engagement für die Neuapostolische Kirche gewürdigt.
Friedhelm Deis starb im Alter von 78 Jahren am 25. August 2008 in Hattingen. Sein geistliches Lebenswerk wurde geprägt von dem Bachzitat "Soli deo gloria" (Alles Gott zur Ehre) und dem Psalm 103 "Lobe den Herrn meine Seele".
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