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Stammapostel besucht São Tomé

Die Neuapostolische Kirche in São Tomé und Príncipe

 

São Tomé/Dortmund. Der Inselstaat São Tomé und Príncipe liegt im Golf von Guinea etwa 200 Kilometer vor der Küste Afrikas, westlich vor Äquatorialguinea und Gabun. Die Neuapostolische Kirche dort zählt zum Verantwortungsbereich von Bezirksapostel Rainer Storck (Gebietskirche Nordrhein-Westfalen). Anlässlich des Besuchs von Stammapostel Jean-Luc Schneider im Mai 2014 wurde eine Chronik über das Land und die Entwicklung der Kirche aufgelegt. Sie steht zum Download zur Verfügung.

São Tomé und Príncipe ist nach den Seychellen der zweitkleinste Staat Afrikas. Beide Inseln sind vulkanischen Ursprungs und werden vom Äquator durchzogen. Durch die gebirgige Topographie beeinflusst herrscht auf den Inseln ein heißes und feuchtes tropisches Klima. Über 90 Prozent der 180.000 Einwohner leben auf der südlichen, größeren Insel São Tomé. Die kleinere Insel Príncipe liegt 140 Kilometer. Man erreicht sie durch einen 35-minütigen Flug.

Geschichte von São Tomé und Príncipe

Als Entdecker der Inseln gilt der portugiesische Seefahrer João de Santarém , der am 21. Dezember 1471 São Tomé erreichte. 1485 gründeten Portugiesen eine erste Niederlassung. Die Inseln dienten als Umschlagplatz für den Sklavenhandel zwischen Afrika, Portugal, Brasilien und den karibischen Inseln. Zudem siedelte Portugal von der Inquisition ausgewiesene portugiesische Juden und Strafgefangene hierhin um.

1572 wurde São Tomé und im Folgejahr dann auch Príncipe direkt der portugiesischen Krone unterstellt. In der Folgezeit bildete sich eine Plantagenwirtschaft mit wechselnden Monokulturen aus, zunächst im 16. bis 18. Jahrhundert Zuckerrohr, dann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Kaffee und schließlich seit etwa 1850 Kakao. Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Inseln sogar der größte Kakaoproduzent der Welt.

Mit der Gründung verschiedener Befreiungsbewegungen außerhalb des Landes begann das Ende der Kolonialzeit. Am 12. Juli 1975 wurden die Inseln in die Unabhängigkeit entlassen. Ab 1978 kam es zu politischen Unruhen. Die wirtschaftliche wie politische Situation entspannte sich in der zweiten Hälfte der 80er Jahre, als Weltbank und Entwicklungshilfe leistende Staaten den politischen Kurswechsel des Regimes Richtung Westen und Marktwirtschaft mit neuen Krediten belohnte. In den 90er Jahren kam es zu Reformen: 1990 wurde das Mehrparteiensystem eingeführt und eine neue Verfassung im Verfassungsreferendum angenommen.

Die Neuapostolische Kirche auf São Tomé und Príncipe

Ende 1982 beauftragte Bezirksapostel Hermann Engelauf die beiden Evangelisten Jürgen Flaßnöcker und Armin Brinkmann, eine erste Erkundungsreise nach São Tomé und Príncipe zu unternehmen. Die Informationen über das Land waren recht spärlich. Allerdings lebten in Lissabon einige neuapostolische Christen, die Kontakte zu Angehörigen auf São Tomé hatten.

Die Einreise nach São Tomé erfolgte am 7. März 1983 über die angolanische Hauptstadt Luanda, die zu dem Zeitpunkt noch ein weißer Fleck auf der neuapostolischen Landkarte war. Vor Ort knüpften die beiden Seelsorger Kontakte zur Regierung und führten erste Gespräche mit den Familien der Gläubigen aus Lissabon.

Erster Besuch von Apostel Brinkmann

Pfingsten 1983 empfing Bezirksevangelist Brinkmann das Apostelamt und besuchte im Anschluss an die erste Reise nach Angola gemeinsam mit Bezirksältesten Heliodoro Gonçalves (Portugal) im Oktober 1983 den Inselstaat. Gottesdienste durften weiter nicht durchgeführt werden. Die Gespräche mit den staatlichen Stellen verliefen schleppend, weil man keinen Bedarf für eine zweite auf der Insel tätige Kirche sah. Schließlich wurden auch keine Visa mehr genehmigt, so dass die Seelsorger aus Europa brieflichen Kontakt mit den Gläubigen auf der Insel hielten.

Im November 1985 reiste Apostel Sukami Landu Ronsard (Angola) nach São Tomé. Als Angolaner hatte er keine Visa-Probleme. Auf der Plantage „Monte Café“ hielt er einen ersten Gottesdienst mit Heiliger Versiegelung. Zudem setzte er zwei Priester und vier Diakone. Damit war der Grundstein für eine erste Gemeinde gelegt.

Einfache Versammlungsstätten

1986 erhielt Apostel Brinkmann wieder ein Einreisevisum. Er führte im November Gottesdienste in den ersten kleinen Gemeinden durch, die sich entwickelt hatten. Die Versammlungsstätten befanden sich auf den Plantagen in der Regel in überdachten Gebäuden, die nach allen Seiten offen waren.

In den folgenden Monaten wurden an immer mehr Orten Gottesdienste durchgeführt, Gemeinden gegründet, Gläubige versiegelt und Amtsträger ordiniert. Obwohl die Kirche immer noch nicht offiziell anerkannt war, konnten die Gottesdienste ungehindert stattfinden.

Bezirksapostel Engelauf zu Besuch

Im November 1988 besuchte Bezirksapostel Hermann Engelauf zum ersten und einzigen Mal São Tomé und Príncipe. Zuvor hatte er zum zweiten Mal die neuapostolischen Christen in Angola besucht. Dabei erwies sich Hirte Massamba Diambu Tuku aus Angola als wertvoller Unterstützer. Ein Jahr später empfing dieser das Bezirksevangelistenamt für São Tomé und Príncipe und koordinierte von da an die Arbeit der Kirche auf den beiden Inseln.

1989 reiste Apostel Brinkmann erstmals mit dem inzwischen zum Bezirksältesten ordinierten Massamba Diambu Tuku auf die kleine Insel Príncipe, auf der damals nur rund 6.000 Menschen lebten. Aus ersten Kontakten entwickelte sich dort schnell eine kleine Gemeinde, zu deren Betreuung im ersten Gottesdienst zwei Diakone ordiniert wurden.

Apostel Semedo übernimmt Betreuung

Nach dem Tod von Apostel Ronsard wurde 1989 Apostel António de Jesus Rocha Semedo (Kap Verde) beauftragt, auch die neuapostolischen Christen in São Tomé und Príncipe zu betreuen. Er leistete unermüdliche Aufbauarbeit, besuchte die kleinen, weit auseinander liegenden Gemeinden und ging bis in die letzten Winkel der Insel.

Am 6. Dezember 1990 wurde die Neuapostolische Kirche endlich staatlich anerkannt. Damit war auch die Möglichkeit gegeben, Eigentum zu erwerben und erste Kirchen zu bauen.

Anfang 1992 besuchte erstmals Bezirksapostel Horst Ehlebracht die Inseln und feierte mit mehr als 1.000 neuapostolischen Christen einen Gottesdienst im „Palácio de Congresso“. Die Teilnehmer hatten teils mehrstündige Anreisen hinter sich. Viele gingen zu Fuß zu den Sammelstellen, von wo sie mit Lastwagen und anderen Fahrzeugen abgeholt wurden.

Erstes eigenes Kirchengebäude

Eine erste Kirche weihte Apostel Brinkmann 1993 in Praia Micoló ein. Die Planungen für eine Zentralkirche mit 1.000 Sitzplätzen in der Hauptstadt wurden aufgegeben, weil der Neubau auf einem von der Regierung zur Verfügung gestellten Grundstück auf Ablehnung bei der Bevölkerung stieß. Stattdessen konzentrierte sich die Kirche auf die Fertigstellung der Kirchen in Santana und Ototó. Letztere weihte Apostel Brinkmann Anfang 1995 ein.

Im Februar 1996 besuchte Stammapostel Richard Fehr das Land. Er feierte einen Gottesdienst in der Kirche in Santana, die Apostel Brinkmann Anfang des Jahres geweiht hatte, sowie im „Palácio de Congresso“. Der Stammapostel ordinierte mit Massamba Diambu Tuku einen ersten Bischof für São Tomé und Príncipe. Ende 1995 zählte die Kirche auf den beiden Inseln rund 13.000 Mitglieder.

2004 besuchte Bezirksapostel Wilhelm Leber die Inseln. Er feierte bei seiner Reise insgesamt sieben Gottesdienste.

Erster einheimischer Apostel

Mit Massamba Diambu Tuku ordinierte Stammapostel Wilhelm Leber im Januar 2007 den ersten einheimischen Apostel für São Tomé und Príncipe. Gleichzeitig entlastete er Apostel Rocha Semedo (Kap Verde) von dieser Aufgabe. Der Gottesdienst mit rund 2.000 Teilnehmern wurde von einem TV-Sender aufgezeichnet und landesweit ausgestrahlt.

Da es kaum öffentliche Verkehrsmittel auf der Insel gibt, waren alle verfügbaren Lastwagen angemietet worden, um die Gläubigen zum Gottesdienst zu bringen. 150 Gemeinden existierten inzwischen auf den Inseln, die meisten auf den Roças, den großen Plantagen.

75. Besuch auf São Tomé

Zum 75. Mal reiste Bezirksapostel Armin Brinkmann im Januar 2008 nach São Tomé e Príncipe. Als Bezirksapostel besuchte er die Inseln einmal im Jahr. Seine letzte Reise nach São Tomé e Príncipe im aktiven Dienst als Bezirksapostel unternahm er vom 2. bis 10. Januar 2014.

Heute zählt die Neuapostolische Kirche auf São Tomé e Príncipe 19.309 Mitglieder. Diese werden in den 224 Gemeinden von 835 Seelsorgern betreut. Damit gehören etwas mehr als elf Prozent der Bevölkerung der Inseln der Neuapostolischen Kirche an.

Soziale Projekte

Neben der kirchlichen und seelsorgerischen Arbeit unterstützt die Neuapostolische Kirche auf São Tomé und Príncipe auch einige soziale Projekte. Neben einer Medizinstation in der Stadt Santana und zwei weiteren medizinischen Stationen in Ototó und Santo António auf der Insel Príncipe ist ein Agrikulturprojekt gestartet worden. 2007 erwarb die Kirche im bergigen subtropischen Regenwald etwa 17 Hektar Land.

Seitdem werden dort Gemüse und Kartoffeln angebaut, eine Viehzucht ist im Aufbau. Die Erlöse aus der Ernte und dem Verkauf des aufgezogenen Viehs dienen dem Ausbau des Projekts. Etwa 25 Familien können durch die Mitarbeit im Projekt ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Stammapostel besucht São Tomé

26. Mai 2014
Text: Frank Schuldt
Fotos: Hermann Bethke

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