Neuapostolische Kirche
Westdeutschland
Westdeutschland/Hessen. Am 29. April 1984 hielt Stammapostel Urwyler einen Gottesdienst in Wiesbaden und verabschiedete Bezirksapostel Rockenfelder in den Ruhestand. Als Nachfolger wurde Bezirksapostel Saur aus Baden beauftragt, der diese Aufgabe zusätzlich übernahm. Damit kamen die Gemeinden in Hessen unter neue Leitung – für elf Jahre.
Bezirksapostel Gottfried Rockenfelder diente 60 Jahre als Amtsträger in der Neuapostolischen Kirche. Einen Tag vor seinem 80. Geburtstag am 29. April 1984, vor 40 Jahren, nahm Stammapostel Hans Urwyler die Ruhesetzung im Gottesdienst in Wiesbaden vor. Gespannt warteten die Gottesdienstteilnehmer nach der Ruhesetzung darauf, wer neuer Bezirksapostel werden würde; denn zu jener Zeit wurden solche Veränderungen noch nicht im Vorfeld angekündigt.
Nachfolger aus Karlsruhe
Die meisten rechneten mit einem Nachfolger aus dem Kreis der Apostel aus dem eigenen Bereich, aber Stammapostel Urwyler hatte andere Gedanken, die er erläuterte: „Gottes Volk ist größer geworden und die Zahl der Apostel hat sich vermehrt. Trotz dieses erfreulichen Wachstums soll die Zahl der Bezirksapostel möglichst im bisherigen Rahmen bleiben.“
Es sei deshalb notwendig, dass die Bezirksapostel mehr Verantwortung und größere Arbeitsgebiete übernähmen als bisher. Daher stellte der Stammapostel den Gläubigen Bezirksapostel Klaus Saur vor, Leiter des Apostelbereichs Baden (Karlsruhe). „Er wird fortan auch euer Bezirksapostel sein.“
Bezirksapostel Klaus Saur
Klaus Saur wurde am 3. Juni 1940 in Engen (Kreis Konstanz) geboren. 1961 empfing er seinen ersten Amtsauftrag als Unterdiakon. Nachdem er in den folgenden Jahren als Diakon, Priester, Bezirksevangelist und Bischof gewirkt hatte, ordinierte ihn Stammapostel Urwyler Ostern 1981 zum Bezirksapostel für den Apostelbezirk Baden – als Nachfolger von Bezirksapostel Willi Wintermantel.
Nachdem ihm im April 1984 Stammapostel Urwyler den Apostelbezirk Hessen zusätzlich anvertraut hatte, übernahm Klaus Saur im November des gleichen Jahres auch die Verantwortung für die Apostelbezirke Rheinland-Pfalz und Saarland, als Bezirksapostel Friedrich Bischoff in den Ruhestand trat.
Viele Gläubige aus dem Bereich erinnern sich noch daran, dass Bezirksapostel Saur in diesen Jahren jedem Konfirmanden als Geschenk ein Notengesangbuch zukommen ließ – mit der Anregung, im Gemeindechor mitzuwirken.
Elf Jahre lang war Bezirksapostel Saur in Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland tätig. 1995 endete diese Zeit, als Stammapostel Fehr den Bezirksapostelbereich Süddeutschland gründete und Bezirksapostel Saur mit dessen Leitung beauftragte. Aus den drei südwestdeutschen Gebietskirchen bildete der Stammapostel einen eigenen Bezirksapostelbereich: Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland unter Leitung von Bezirksapostel Hagen Wend.
Bezirksapostel Gottfried Rockenfelder
Gottfried Rockenfelder wurde am 30. April 1904 in Mainz geboren. Als er zwei Jahre alt war, verzogen seine Eltern nach Darmstadt, wo sie den Aufbau der örtlichen neuapostolischen Gemeinde unterstützten. Hier verlebte er seine Kindheit und Jugendzeit.
Das Erlernen eines kaufmännischen Berufs führte ihn nach Saarbrücken, wo er bei seinem Onkel, Bischof Philipp Rockenfelder, wohnte und in der Gemeinde mithalf. Hier empfing er im Jahre 1923 das Unterdiakonenamt. 1930 wurde er Bezirksevangelist und übernahm die Leitung des neu gegründeten Bezirks Wiesbaden.
Leiter des Apostelbezirks Frankfurt
Zur Unterstützung von Apostel Emil Buchner wurde er 1947 zum Bischof und 1950 zum Apostel ordiniert. Nachdem Apostel Buchner Weihnachten 1951 in den Ruhestand getreten war, beauftragte ihn Stammapostel Bischoff am 1. Januar 1952 mit der Leitung des Apostelbezirks Frankfurt (Hessen) mit etwa 18.900 Gläubigen.
Im April 1954 reiste er im Auftrag des Stammapostels erstmals in die Türkei, um dort das Sakrament der Heiligen Versiegelung zu spenden. Damals war Istanbul nicht in drei Flugstunden zu erreichen, sondern in einer Woche mit Zug, Schiff und Bus. Später war er mit einigen Mitstreitern auch in vielen westafrikanischen Ländern tätig, insbesondere Ghana.
Ruhesetzung 1984
Bezirksapostel Rockenfelder zeichnete eine große Schaffenskraft aus, doch mit zunehmendem Altar schwanden seine Kräfte. Speziell der Heimgang seiner Frau im Jahre 1983 war ein schwerer Schlag für ihn. Am 29. April 1984 folgte die Ruhesetzung.
In seinem letzten Predigtbeitrag sagte Bezirksapostel Rockenfelder: „Mein Dank gehört dem ewigen Gott (…) und auch all den treuen Männern, die mir vorangegangen sind. Unter fünf Stammapostel durfte ich dienen. Ich danke euch, den treuen Brüdern, die mir mitgeholfen haben, Gottes Werk zu bauen. Ihr treuen Männer habt mir die Arbeit leicht gemacht, und ich danke euch allen für das Vertrauen, das ihr mir geschenkt habt.“ Abschließend äußerte er eine Bitte an alle: „Seid stille in allen Lebenslagen! Seid zur Versöhnung bereit. Haltet aus und bleibt treu. Das möge uns der Herr schenken.“
Fünf Jahre waren Bezirksapostel Rockenfelder noch im Ruhestand vergönnt. Nach zwei Herzinfarkten verstarb er einen Tag nach seinem 85. Geburtstag am 1. Mai 1989. Die Trauerfeier führte Stammapostel Fehr am 9. Mai 1989 in Wiesbaden durch.
Beauftragung von Bezirksapostel Klaus Saur 1984 als Bezirksapostel für Hessen
11. Mai 2024
Text:
Alfred Krempf,
Frank Schuldt
Fotos:
Bildarchiv
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