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Ökumenischer Schöpfungstag:
Tiere im Blick der Kirchen

 

Bad Sassendorf. Das Verhältnis von Mensch und Tier stand im Mittelpunkt des diesjährigen Ökumenischen Tags der Schöpfung. Die zentrale Feier der ACK Deutschland fand auf dem Gelände des Landwirtschaftszentrums „Haus Düsse“ in Bad Sassendorf statt. Eingeladen hatte die gastgebende ACK NRW.

Im Zentrum des Ökumenischen Tags der Schöpfung 2025 stand Psalm 36,7: „Gott, du hilfst Menschen und Tieren“. Der Schöpfungstag erinnerte daran, dass Gottes Fürsorge allen Geschöpfen gilt. Ein ökumenischer Gottesdienst, Impulse und Diskussionen beleuchteten, welche Verantwortung Kirchen für das Wohl der Tiere und den Erhalt ihrer Lebensräume tragen.

Veranstaltungsort für die zentrale Feier war erstmals Nordrhein-Westfalen: Sie fand auf dem Gelände des Landwirtschaftszentrums „Haus Düsse“ der Landwirtschaftskammer NRW in Bad Sassendorf statt. Das landwirtschaftliche Bildungs-, Versuchs- und Beratungszentrum bot zum Start Führungen über das weitläufige Gelände an, bei der unter anderem verschiedene Haltungsformen und ihre Vor- und Nachteile sowie moderne Stalltechnik, innovative Verfahren und digitale Lösungen für die Landwirtschaft vorgestellt wurden.

Höhepunkt des Tages war ein Ökumenischer Gottesdienst, gefolgt von einem Podiumsgespräch. Zu Wort kamen unterschiedliche Meinungen und Positionen zu Tierwohl und Tierethik. Vertreter verschiedener christlicher Kirchen, der Wissenschaft und Landwirtschaft sowie Gäste aus Politik und Gesellschaft diskutierten gemeinsam.

Mitgeschöpflichkeit als Auftrag

Annette Salomo, Mitglied der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW), stellte die Mitgeschöpflichkeit in den Fokus: Diese verpflichte die Menschen, die Würde und das Leben der Tiere genauso ernst zu nehmen wie das eigene Wohlergehen. Wenn der Lebensraum der Tiere zerstört werde, „ist auch unser eigenes Leben in Gefahr“, warnte sie.

Salomo kritisierte beispielsweise das Abholzen von Regenwäldern in Indonesien und das Roden großer Waldflächen in Tansania. Tiere verlören ihre Nahrung und würden verdrängt, während Menschen unter Bodenerosion und Klimaveränderungen litten. Nur wer Mitgeschöpfe achtet, könne „in Gerechtigkeit und Frieden mit Gott leben“.

Theologische Perspektiven auf Tierethik

Der Paderborner Religionslehrer Markus Bürger beleuchtete in einem Vortrag ethische und theologische Aspekte des Fleischkonsums. Unter dem Titel „Wen streicheln wir, wen essen wir?“ stellte er kritische Fragen an die Konsumgewohnheiten und rief zu einem reflektierten Umgang mit Tieren auf.

Weihbischof Rolf Lohmann, Umweltbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz, forderte in seinem Predigtbeitrag mehr Achtsamkeit im Umgang mit Tieren: „Bis heute nehmen wir Tiere meist nur als Nutztiere wahr. Ihre Perspektive versuchen wir dabei nur selten einzunehmen.“ Er erinnerte an die Enzyklika „Laudato si’“ von Papst Franziskus, in der Artenvielfalt und Klimaschutz zentrale Glaubensinhalte sind: „Wir leben in einem gemeinsamen Ökosystem. Wir müssen darauf achten, dass dieses Ökosystem auch in Zukunft stabil ist.“

Verantwortung aus dem Glauben heraus

Auch die Neuapostolische Kirche bezieht klar Stellung zur Mitverantwortung des Menschen gegenüber Tieren. Zwar falle das Töten von Tieren laut ihrem Katechismus nicht unter das biblische Tötungsverbot im fünften Gebot – denn Gott habe ausdrücklich erlaubt, dass Tiere der Ernährung des Menschen dienen dürfen (vgl. 1. Mose 9,3).

Gleichwohl sei auch das Leben der Tiere zu respektieren. Aus der Verantwortung des Menschen für die Bewahrung der Schöpfung ergebe sich ein bewusster und schonender Umgang mit Tieren und ihrer Lebenswelt.

Respektvoller Umgang

Reverend Christopher Easthill, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland, zog ein positives Fazit der Veranstaltung: „Die Bewahrung der Artenvielfalt, der Schutz des Klimas und der respektvolle Umgang mit Tieren und Pflanzen sind Aufgaben, die wir als Christen nicht nur aus ökologischer, sondern aus tiefem Glauben heraus wahrnehmen.“

Mit der Veranstaltung sei es gelungen, einen Raum für den Austausch unterschiedlicher Positionen zu schaffen – mit dem Ziel, „gemeinsam nach einem ethisch verantwortbaren, christlich begründeten Umgang mit den Tieren zu suchen“.

Breite Beteiligung – auch aus der NAK

Auch Vertreter der Neuapostolischen Kirche waren in Bad Sassendorf dabei: Apostel Arne Herrmann (Süddeutschland) und Bischof Peter Johanning (Westdeutschland) nahmen als ACK-Delegierte an der Veranstaltung teil. Zudem waren mehrere Ökumene-Beauftragte der NAK aus der Region sowie Delegierte regionaler Arbeitsgemeinschaften vor Ort, die zumeist auch am Jahresempfang der ACK Deutschland am Abend teilnahmen.

Für Bischof Johanning war es die letzte Veranstaltung vor dem Ende seiner Tätigkeit als Delegierter der Neuapostolischen Kirche in der ACK Deutschland. Am 11. September wurde er in dieser Funktion verabschiedet. Künftig repräsentieren Apostel Arne Hermann und als Stellvertreter Bischof Matthias Grauer die Kirche als Delegierte in der überregionalen Ökumene.

Schöpfungszeit mit vielfältigen Angeboten

Der Ökumenische Tag der Schöpfung wird seit 2010 jeweils am ersten Freitag im September gefeiert. Bis zum Erntedankfest am 5. Oktober finden deutschlandweit zahlreiche Veranstaltungen statt.

Traditionell steht die Schöpfungsverantwortung in der Neuapostolischen Kirche insbesondere am Erntedanktag im Mittelpunkt der Gottesdienste. Unter dem Motto „Gott sei Dank“ finden in den Gemeinden verschiedenste Aktionen statt: von der Teilnahme am Erntedankzug bis hin zu Spendenaktionen für Bedürftige und gemeinschaftlichen Ereignissen wie Open-Air Gottesdiensten.

Die zentrale Feier zum 17. Ökumenischen Tag der Schöpfung findet im kommenden Jahr am 4. September 2026 in Marburg statt.

Weitere Informationen unter: www.oekumene-ack.de

16. September 2025
Text: Dirk Johnen, Frank Schuldt
Fotos: Frank Schuldt

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  • https://www.erntedanktag.de
  • https://www.oekumene-ack.de
 

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