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Trauerfeier für Apostel i.R. Günter Wiktor:
„Treue im Glauben, Nähe zur Gemeinde“

 

Ostwestfalen-Lippe/Minden. Bezirksapostel Pöschel leitete am Donnerstagabend, 30. Oktober 2025, die Trauerfeier für Apostel i.R. Günter Wiktor. Der Gottesdienst fand in der Kirche Minden‑Mitte statt und würdigte das Leben des Verstorbenen, der am Mittwoch, 22. Oktober 2025, im Alter von 86 Jahren heimgegangen war.

Bezirksapostel Stefan Pöschel legte der Trauerfeier für Apostel Günter Wiktor das Bibelwort aus Apostelgeschichte 20,24.25 zugrunde: „Aber ich achte mein Leben nicht der Rede wert, wenn ich nur meinen Lauf vollende und das Amt ausrichte, das ich von dem Herrn Jesus empfangen habe, zu bezeugen das Evangelium von der Gnade Gottes. Und nun siehe, ich weiß, dass ihr mein Angesicht nicht mehr sehen werdet, ihr alle, zu denen ich hingekommen bin und das Reich gepredigt habe.“

In seinen einleitenden Worten wandte sich der Bezirksapostel an die Witwe Heidi Wiktor, die digital zugeschaltet war, sowie an die Kinder und Angehörigen. Er interpretierte das bekannte Lied „Meine Seele ist stille zu Gott“, das der Chor vorgetragen hatte, nicht nur als Ausdruck der Trauer, sondern als möglichen Zuruf aus der jenseitigen Welt – von dem Verstorbenen selbst.

Ein Lebensweg geprägt von Glauben und Dienst

Günter Wiktor wurde 1939 in eine gläubige neuapostolische Familie in Minden geboren. Bereits in jungen Jahren musste er den frühen Tod von Mutter und Vater verkraften. Geprägt wurde er fortan durch seinen Großvater und weitere Vorbilder in Familie und Gemeinde. In seinem Leben verschmolzen Familie und Gemeinde zu einer untrennbaren Einheit.

Diese Verwurzelung habe ihn geprägt. Bezirksapostel Pöschel sprach von den „Lehrern“ seines Lebens: von der Mutter, dem Großvater, dem alten Vorsteher – und setzte hinzu: „Er wurde selber auch zu einem Lehrer für uns“.

Seine Frau Heidi lernte Günter Wiktor im Kindergottesdienst kennen. Nach Jugendzeit, Verlobung und Hochzeit im Jahr 1963 wuchs die Familie durch die Geburt der Söhne Thomas und Stefan.

Beruflich war er über zwei Jahrzehnte bei einem großen Kaffeeunternehmen und später als Geschäftsführer eines mittelständischen Produktionsunternehmens tätig, beide in Minden ansässig. Der Bezirksapostel charakterisierte Apostel Wiktor als ehrgeizigen und engagierten Menschen, der berufliche Herausforderungen annahm und darin etwas erreichen wollte. Er betonte jedoch, dass dieser berufliche Ehrgeiz stets eingebettet war in ein größeres Ziel: die Treue zum Werk Gottes. Günter Wiktor habe seine Gaben – auch im Beruf – als von Gott verliehen verstanden und sie verantwortungsvoll eingesetzt, ohne sie über seinen geistlichen Auftrag zu stellen. Das Werk Gottes und der Dienst am Evangelium blieben für ihn zeitlebens der zentrale Lebensinhalt.

Musikalisches Talent und geistliches Amt

Schon früh engagierte sich Günter Wiktor musikalisch in der Gemeinde. Als Jugendchordirigent, Organist und später auch als Lehrer in der Gemeindearbeit begleitete er viele junge Menschen. Dabei legte er großen Wert darauf, seine Gaben im Sinne Gottes einzusetzen.

„Sein Dienst war geprägt von einer tiefen Überzeugung, dass das Evangelium von der Gnade Gottes im Zentrum stehen muss“, resümierte Bezirksapostel Pöschel. Trotz beruflicher und familiärer Verpflichtungen stellte er sich stets in den Dienst der Kirche.

Internationale Aufgaben und missionarisches Wirken

In den 1980er- und 1990er-Jahren übernahm der Apostel internationale Aufgaben in Portugal sowie in Russland, unter anderem in Murmansk und Karelien. Dort wie auch in Ostwestfalen-Lippe war er für viele Gläubige ein Seelsorger mit großer Nähe.

Er war sich bewusst, dass missionarische Arbeit nicht immer sichtbare Früchte trägt. „Dennoch bewegte ihn die Frage, was geblieben sei von all seinen Bemühungen“, so Bezirksapostel Pöschel. Auch nach seinem Ruhestand zeigte er großes Interesse am Glaubensleben der ihm anvertrauten Menschen, blieb engagiert, interessiert und mit der Gemeinde verbunden.

Prägend für eine Jugendgeneration

Viele Jahre war Apostel Wiktor für die Jugendseelsorge in der Gebietskirche Nordrhein-Westfalen verantwortlich. Über seinen Umgang mit Jugendlichen sagte Bezirksapostel Pöschel: „Er hat unterwiesen und matte Hände gestärkt. Er hat ihnen Mut zugesprochen, die durch Lebens‑ oder Glaubenssituationen ins Straucheln geraten waren.“

Der Bezirksapostel betonte, dass Apostel Wiktor eine ganze Generation – wenn nicht sogar zwei – von neuapostolischen Jugendlichen begleitet und geprägt habe. Dabei war ihm bewusst, dass nicht jede Bemühung sofort sichtbare Früchte trug. „Er zeigte Anteilnahme am Glaubensweg der Jugendlichen – auch über seine aktive Amtszeit hinaus – und war bemüht, sie im Glauben zu stärken.“ Seine Wirkung reichte so weit, dass er selbst bei späteren Gottesdiensten noch als zentrale Bezugsperson wahrgenommen wurde.

Ein Beter in der Familie und Gemeinde

Besonders in Erinnerung blieb sein Gebetsleben. Viele Menschen bezeugten, dass er nicht nur für sie, sondern mit ihnen betete. Damit erreichte er auch jene, die selbst in einer Glaubenskrise nicht mehr beten konnten.

Bezirksapostel Pöschel verwies auf Hiob 4,3.4: „Siehe, du hast viele unterwiesen und matte Hände gestärkt. Deine Rede hat die Strauchelnden aufgerichtet, und die bebenden Knie hast du gekräftigt.“

Selbstkritik und Demut im Amt

In einem persönlichen Gespräch, so berichtete der Bezirksapostel, hatte Günter Wiktor selbstkritisch eingeräumt, dass nicht jede Entscheidung richtig gewesen sei. „Ich konnte viel tun, mit der Gnade Gottes“, zitierte der Bezirksapostel. Er habe aber auch gewusst, dass er vieles hätte besser machen können und müssen. Doch stets sei er beseelt gewesen vom Wunsch, das Werk Gottes voranzutreiben.

Der Bezirksapostel erläuterte: „Wenn er die Gnade Gottes gepredigt hat, dann war er sich sehr wohl bewusst, dass auch er der Gnade bedarf, wie wir alle der Gnade bedürfen.“ Damit zeichnete der Bezirksapostel das Profil eines Menschen, der seinen Dienst ernst nahm und zugleich seine eigene Unvollkommenheit einschätzte – nicht, um sich kleinzumachen, sondern im Blick auf die Kraft der Gnade Gottes.

Ein verlässlicher geistlicher Anker

Apostel Carsten Denker beschrieb Günter Wiktor als eine Persönlichkeit mit klaren Prinzipien und zugleich großer persönlicher Nähe. Er erinnerte sich an Begegnungen in seiner Jugendzeit, in denen Apostel Wiktor Jugendliche liebevoll, aber deutlich korrigierte. Statt autoritär aufzutreten, habe er junge Menschen mit den Worten „Mein Junge“ oder „Mein Mädchen“ persönlich angesprochen, sie beiseite genommen und ruhig erklärt, was nicht in Ordnung war. Diese Art habe bleibenden Eindruck hinterlassen.

Apostel Denker betonte auch Günter Wiktors geistliche Verlässlichkeit. Seine Gottesdienste hätten eine tiefe Sicherheit im Glauben vermittelt, die sich nachhaltig in die Seelen der Zuhörer eingeprägt habe – auch wenn man nicht immer alles sofort verstand oder nachvollziehen konnte.

Abschließend rief der Apostel die Gemeinde dazu auf, den Einsatz des Apostels für das Werk Gottes nicht nur zu würdigen, sondern auch weiterzutragen – mit Treue, innerer Ruhe und festem Glauben. Das Vermächtnis seines Eifers, seiner Fürbitte und seiner gelebten Glaubensüberzeugung solle lebendig bleiben und die Hoffnung auf ein Wiedersehen stärken.

Ein Vermächtnis der Treue

Zum Ende der Trauerfeier erinnerte Bezirksapostel Pöschel an die Worte aus Hebräer 13, Vers 7: „Gedenkt eurer Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben. Ihr Ende schaut an und folgt dem Beispiel ihres Glaubens.“

Das Lebenszeugnis von Günter Wiktor, so der Bezirksapostel, sei nicht das eines fehlerlosen Menschen, aber das eines treuen Dieners. In Anlehnung an Matthäus 25,21 wurde ihm das Zeugnis zugesprochen: „Du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über vieles setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude.“

Beisetzung im Familienkreis

Die Beisetzung von Apostel Günter Wiktor wird zu einem späteren Zeitpunkt im engen Familienkreis unter Leitung von Apostel Denker stattfinden. Die Gemeinde verabschiedete sich mit einem gemeinsamen Gebet und dem Segen.

Die Trauerfeier für Apostel Wiktor in der Gemeinde Minden-Mitte wurde per IPTV für die Gläubigen in Westdeutschland übertragen. 1.300 Empfangsstellen konnten so live dabei sein, 250 Teilnehmer verabschiedeten sich vor Ort von Apostel Wiktor, darunter viele langjährige Wegbegleiter wie die Bezirksapostel i.R. Rainer Storck (Westdeutschland), Karlheinz Schumacher (Norddeutschland) und Wilfried Klingler (Mitteldeutschland).
Auch die Apostel i.R. Walter Schorr, Wilhelm Hoyer und Gunter Homburg sowie Bischof i.R. Gerhard Blöß waren mit dabei. Musikalisch gestaltete ein gemischter Chor die Trauerfeier.

1. November 2025
Text: Frank Schuldt
Fotos: Bastian Appenrodt

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