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Stammapostelhelfer in Lindlar:
Der Senfkornglaube
an den großen Gott

 

Westdeutschland/Lindlar. Apostel Helge Mutschler feierte am Sonntag, 1. Februar 2026, mit vielen Gläubigen einen Gottesdienst in Lindlar. Es war sein einziger Besuch in Westdeutschland als Stammapostelhelfer. Den Gläubigen gab er unter anderem mit, dass auch ein kleiner Glaube viel bewegen kann.

Im Kulturzentrum Lindlar fand am 1. Februar 2026 ein Gottesdienst mit Apostel Helge Mutschler statt, seit Pfingsten 2025 als Stammapostelhelfer tätig. Er wurde live in zahlreiche Gemeinden der Gebietskirchen Westdeutschland und Portugal sowie in weitere von Bezirksapostel Stefan Pöschel betreute Länder in Europa und Westafrika übertragen.

Verwurzelt wie ein Maulbeerbaum

Grundlage der Predigt war das Bibelwort aus Lukas 17,5-6: „Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben! Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, würdet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und verpflanze dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.“

Zu Beginn griff der Stammapostelhelfer das Bild des Maulbeerbaums auf und deutete es als Sinnbild für fest Verwurzeltes im Leben – für Situationen, Haltungen oder Erfahrungen, die sich kaum noch bewegen lassen. Einen solchen Baum zu verpflanzen sei faktisch unmöglich. Entscheidend sei jedoch nicht die botanische Unmöglichkeit, sondern das Lebensgefühl, das Jesus anspreche: „Da gibt es eine Kraft, die Grenzen überschreitet. Da wird Unmögliches möglich.“

Vergebung als Herausforderung

Apostel Mutschler stellte das Bibelwort in den Zusammenhang der vorhergehenden Verse: Es gehe um Anfechtungen von außen, vor allem aber um Konflikte untereinander – und um die Zumutung, immer wieder zu vergeben. Jesus nannte „siebenmal“ nicht als Grenze, sondern als Symbol für Vollständigkeit: „Du sollst immer, immer vergeben, immer vergebungsbereit sein.“ Vor diesem Hintergrund werde verständlich, warum die Jünger bitten: „Herr, das ist schwierig, das ist unmöglich. Bitte stärke unseren Glauben, dass wir das schaffen.“

Diese Bitte, so der Stammapostelhelfer, entspreche einem weitverbreiteten Denken: Man wünsche sich einen stärkeren, größeren, belastbaren Glauben. Jesus antwortete jedoch nicht mit einer Steigerung, sondern mit einer Relativierung. Nicht die Größe des Glaubens sei entscheidend. „Auch dein ganz kleiner Glaube zählt“, sagte Apostel Mutschler. Und weiter: „Es ist nicht entscheidend, dass du einen großen Glauben hast. Entscheidend ist, dass du einen kleinen Glauben an den großen Gott hast.“

Senfkorn-Glaube: nicht Leistung, sondern Vertrauen

Der sogenannte Senfkorn-Glaube wurde in der Predigt als schlichter, unspektakulärer Glaube beschrieben, der nicht auf eigene Leistung setzt. Wer versuche, alles aus eigener Kraft zu bewältigen, übertrage dieses Denken oft auch auf den Glauben – mit dem Ergebnis von Druck und Überforderung. Senfkorn-Glaube bedeute dagegen, sich nicht zu verkrampfen, sondern Vertrauen zuzulassen. Es sei ein Glaube, „der sich fallen lässt“.

Praktische Umsetzung im Alltag

Im weiteren Verlauf benannte Stammapostelhelfer Mutschler mehrere Themenfelder, in denen sich der Senfkorn-Glaube ganz konkret im Alltag bewähren kann. Ausgangspunkt war jeweils die Erfahrung, dass Situationen als festgefahren oder unmöglich erlebt werden – vergleichbar mit den tiefen Wurzeln des Maulbeerbaums aus dem Bibelwort. Der Apostel machte deutlich, dass es dabei nicht um theoretische Glaubensfragen geht, sondern um Lebensbereiche, in denen Vertrauen praktisch wird.

Vertrauen im Leid

Ein erstes Themenfeld war das Leid, etwa in Form schwerer Krankheit oder belastender Diagnosen. Solche Situationen erzeugten häufig den inneren Druck, sie „wegbeten“ zu müssen. Der Stammapostelhelfer stellte dem eine entlastende Perspektive gegenüber: Zweifel seien kein Gegenbeweis für Glauben. Schon ein kaum wahrnehmbarer Schritt reiche aus, um sich Christus anzuvertrauen – ein sehr kleiner Glaube könne genügen.

Ein weiteres Themenfeld betraf das persönliche Gottesbild. Manche Vorstellungen seien tief eingeprägt, etwa die Idee eines strafenden oder leistungsfordernden Gottes. Apostel Mutschler zeigte auf, dass Senfkorn-Glaube dort beginnt, wo sich ein anderes Bild vorsichtig Raum verschafft: die Erkenntnis, dass Gott Liebe ist und Menschen nicht überfordert.

Umgang mit Schuld

Auch persönliche Schuld und wiederkehrende Verhaltensmuster griff der Apostel als Alltagsrealität auf. Der Versuch, Veränderungen ausschließlich aus eigener Willenskraft herbeizuführen, führe häufig an Grenzen. Dem stellte der Stammapostelhelfer die Zusage Christi gegenüber, den Weg gemeinsam zu gehen und nicht aufzugeben.

Ein weiteres Themenfeld war die Vergebung. Verletzungen könnten sich über Jahre festsetzen und den Blick auf andere Menschen prägen. Versöhnung erscheine dann unmöglich. Der Apostel machte deutlich, dass Senfkorn-Glaube hier nicht im Verdrängen besteht, sondern im Loslassen von Verkrampfung und im Vertrauen darauf, dass Christus Versöhnung ermöglichen kann.

Verunsicherung sowie Auftrag und Verantwortung

Ferner nahm Stammapostelhelfer Mutschler die gesellschaftliche Situation in den Blick. Angst und Verunsicherung hätten sich in vielen Bereichen tief verwurzelt. Senfkorn-Glaube heiße, sich nicht von düsteren Zukunftsbildern bestimmen zu lassen, sondern Hoffnung zuzulassen und Verantwortung in Gottes Hände zu legen.

Auch der Auftrag zur Weitergabe des Glaubens wurde als praktisches Themenfeld benannt. Angesichts leerer werdender Kirchenbänke und gesellschaftlicher Distanz zu religiösen Fragen sei Resignation keine Option. Der Stammapostelhelfer verwies auf kleine Schritte im Alltag: gelebte Nächstenliebe, aufmerksames Handeln und das Gebet.

Erwartung der Wiederkunft Christi

Abschließend ordnete Apostel Mutschler auch die Erwartung der Wiederkunft Christi in diese Linie ein. Rational betrachtet erscheine sie unmöglich und könne Unsicherheit auslösen. Senfkorn-Glaube bedeute hier, sich nicht von Angst bestimmen zu lassen, sondern Vertrauen zu entwickeln und sich in Gottes Hand zu wissen.

Ein ergänzender Predigtbeitrag kam von Apostel René Follmann, der die Zuhörerschaft ermutigte, das Vertrauen in Gott auch in Unsicherheiten und Herausforderungen des Lebens zu bewahren: „Gott mutet uns manches zu, aber er lässt uns nie allein.“

Im weiteren Verlauf des Gottesdienstes feierte die Gemeinde das Heilige Abendmahl sowie das Heilige Abendmahl für Entschlafene. Vor Sündenvergebung und Abendmahl griff der Stammapostelhelfer Lukas 17,4 auf und zitierte das Bibelwort vollständig. Daraus leitete er eine klare Konsequenz ab: Vergebung beginne mit Selbstreflexion. In manchen Situationen bedeute das auch, selbst den ersten Schritt zu machen und aktiv auf den anderen zuzugehen.

Abschied und Ausblick

Zum Abschluss des Gottesdienstes dankte Stammapostelhelfer Mutschler allen Beteiligten für die musikalische Gestaltung und die umfangreichen Vorbereitungen. Der Besuch in Lindlar werde ihm in guter Erinnerung bleiben. „Es war richtig schön bei euch“, brachte er seine Eindrücke zum Ausdruck. Er kündigte ein Wiedersehen an – spätestens zu Pfingsten in Kapstadt.

Seinen Abschied verband der Stammapostelhelfer mit einem Gruß an alle, die nicht teilnehmen konnten – besonders an Kranke – und rief dazu auf, die Verbundenheit im Gebet zu bewahren. Mit einem Segenswunsch verabschiedete er sich von den Gemeinden.

3. Februar 2026
Text: Frank Schuldt
Fotos: Frank Schuldt

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