Neuapostolische Kirche
Westdeutschland
Duisburg-West. Bezirksapostel Pöschel hat am Sonntag, 22. Februar 2026, Bischof Manfred Bruns in der Gemeinde Duisburg-West in den kirchlichen Ruhestand versetzt. Fast 45 Jahre war Manfred Bruns als Amtsträger tätig, davon nahezu 25 Jahre als Bischof mit Verantwortung in Seelsorge und Kirchenleitung. Grundlage der Predigt war das Gleichnis vom verlorenen Schaf.
Grundlage der Predigt im Gottesdienst in Duisburg-West (Bezirk Ruhr-West) war das Bibelwort aus Lukas 15,5.6: „Und wenn er es gefunden hat, so legt er es sich auf die Schultern voller Freude. Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.“
Wertschätzung und Umkehr
Im Mittelpunkt der Ausführungen von Bezirksapostel Stefan Pöschel stand der Gedanke der Wertschätzung. Gott kenne jeden Menschen persönlich, keiner sei für ihn namenlos oder entbehrlich. Dass der Hirte bemerke, wenn eines von hundert Schafen fehle, zeige die individuelle Beziehung. „Er sieht den Wert“, sagte der Bezirksapostel mit Blick auf den einzelnen Menschen.
Bezirksapostel Pöschel beschrieb unterschiedliche Formen des „Verlorenseins“: Menschen, die Jesus Christus nie kennengelernt haben, solche, die ihn ablehnen, und auch Christen, die im Laufe der Zeit den Glauben verloren haben oder die Nachfolge nicht konsequent leben. Entscheidend sei, dass Jesus Christus nicht anklage, sondern suche. Im Gleichnis werde das Schaf nicht zurechtgewiesen, sondern auf die Schultern genommen und zurückgetragen.
Mit Blick auf die Buße erklärte der Bezirksapostel: „Buße heißt umkehren.“ Christus tue alles, um Menschen zurückzuführen, doch der Schritt der Umkehr bleibe notwendig. Im Hinblick auf den bevorstehenden Gottesdienst für Entschlafene am kommenden Sonntag rief er dazu auf, diese Freude weiterzutragen – im Gebet und im Bekenntnis: „Lasst auch euch versöhnen mit Gott.“
„Gott schätzt jeden wert“
In seinem letzten Predigtbeitrag im aktiven Dienst griff Bischof Manfred Bruns den Gedanken der Wertschätzung auf und führte ihn persönlich weiter. Das Bild des guten Hirten sei keine romantische Erzählung, sondern eine „Liebeserklärung des Gottessohnes“. Christus sehe jeden Einzelnen – auch in einer großen Gemeinde. Niemand gehe in der Menge unter.
Dabei machte der Bischof deutlich, dass Nachfolge nicht aus eigener Kraft vollkommen gelinge. Niemand könne von sich sagen, er sei Christus in der vergangenen Woche vollständig nachgefolgt. Der Anspruch, in seinen Fußstapfen zu wandeln, bleibe hoch. Gerade deshalb sei es entscheidend, dass Christus das verlorene Schaf nicht antreibe, sondern auf die Schultern nehme. „Nur seine Kraft ist es, die uns in die Nähe Gottes führt“, brachte er es auf den Punkt.
Aus diesem Gedanken leitete er auch einen konkreten Auftrag ab. Die Gemeinde solle sich mitfreuen, wenn jemand zurückfinde, und es anderen leicht machen, wiederzukommen. Mit Blick auf den bevorstehenden Gottesdienst für Entschlafene rief er dazu auf, eine betende Gemeinde zu sein.
Zum Schluss wurde sein persönlicher Dank spürbar: Es sei ihm „immer eine Freude und immer eine Ehre“ gewesen, in enger Verbindung mit dem Apostelamt und im Dienst an den Gläubigen zu stehen. Die Nachfolge Christi ende nicht mit dem Ruhestand.
Auch wir sind das verlorene Schaf
Bischof Sascha Tümmler (Bereich Ost), der seit Anfang Januar die Aufgaben von Bischof Bruns im Referat Seelsorge der Kirchenleitung übernommen hat, knüpfte an das Bibelwort an und führte den Gedanken weiter, dass das „Verlorensein“ nicht nur andere betreffe. Oft werde das verlorene Schaf mit denen gleichgesetzt, die ausgetreten oder dem Gottesdienst ferngeblieben seien. Doch die Frage sei persönlicher: „Sind wir nicht selbst auch immer wieder das Verlorene?“
Er verwies darauf, dass Gott den Menschen einen freien Willen gegeben habe. Man sei keine Marionette, sondern gehe eigene Wege – auch im Denken. Dabei griff er einen Gedanken auf, dass Gott nicht nur das Handeln sehe, sondern auch die Gedanken kenne. Gerade dort werde deutlich, wie sehr jeder Einzelne auf Gnade angewiesen sei.
Anhand des Gleichnisses vom verlorenen Groschen unterstrich Bischof Tümmler, dass Gott niemanden aufgebe. Auch wenn andere die Suche einstellten, suche Gott weiter. „Wenn keiner mehr sucht, mache ich ein Licht an und suche“, beschrieb er dieses Handeln. Daraus leitete er einen klaren Auftrag ab: Auch die Gemeinde dürfe niemanden vorschnell abschreiben oder innerlich aufgeben.
Fast 25 Jahre als Bischof tätig
In der Ansprache zur Ruhesetzung am Ende des Gottesdienstes erinnerte Bezirksapostel Pöschel an zentrale Stationen des kirchlichen Weges von Bischof Manfred Bruns: 1981 empfing er für Oberhausen-Mitte seinen ersten Amtsauftrag als Unterdiakon, 1985 wurde er zum Priester ordiniert. Es folgten Aufgaben als Bezirksevangelist und Bezirksältester. Am 26. August 2001 ordinierte Stammapostel Richard Fehr ihn in Recklinghausen zum Bischof. Im gleichen Gottesdienst empfing Christian Schwerdtfeger das Apostelamt. Dieser nahm ebenso wie viele andere Weggefährten von Manfred Bruns am Gottesdienst teil, unter anderem die Bezirksapostel i.R. Armin Brinkmann und Rainer Storck, Apostel i.R. Wilhelm Hoyer sowie viele aktive und ehemalige Bezirksvorsteher.
In den Jahren als Bischof wirkte Manfred Bruns in 16 Kirchenbezirken und lernte mehr als 200 Gemeinden kennen. Zuletzt unterstützte er Apostel Thorsten Zisowski im Apostelbereich Nordwest und war für die Bezirke Dortmund, Herne, Niederrhein, Ruhr-Mitte, Ruhr-Süd und Ruhr-West zuständig. Ferner leitete er seit 2009 das Referat Seelsorge und verantwortete Arbeitsgruppen unter anderem zur Trauerbegleitung, Suchtberatung und JVA-Seelsorge. Auch in internationalen Projektgruppen der Kirche brachte er sich ein.
Mit Blick auf die Familie betonte Bezirksapostel Pöschel, dass ein solcher Dienst nur möglich sei, wenn er mitgetragen werde. In dem Zusammenhang dankte er auch ausdrücklich der Ehefrau Bärbel Bruns sowie den Kindern und Enkelkindern. Anschließend entband er Bischof Bruns per Handschlag vom Amtsauftrag und versetzte ihn in den Ruhestand.
„Lohn der Treue zahlt Gott selbst“
Apostel Thorsten Zisowski richtete zum Schluss persönliche Worte an seinen langjährigen Wegbegleiter. „Ich wüsste kein Geschenk, das diesem Anlass wirklich entspricht“, sagte er. Und weiter: „Den Lohn der Treue zahlt Gott selbst aus.“ Damit verband er seinen Dank für die gemeinsame Zeit und die enge Zusammenarbeit im Apostelbereich Nordwest.
Neben der Gemeinde vor Ort verfolgten zahlreiche Gemeinden im Apostelbereich Nordwest den Gottesdienst per Übertragung.
Abschied aus der Kirchenverwaltung zum Jahreswechsel
Am Mittwoch zuvor hatte Manfred Bruns seinen letzten Gottesdienst im aktiven Amtsauftrag in der Gemeinde Mülheim-Mitte gefeiert. Zum Jahreswechsel war er zudem aus der Kirchenverwaltung ausgeschieden und beendete damit seine Tätigkeit als Leiter des Referats Seelsorge in der Kirchenleitung. Im Januar wurde er im Rahmen einer Abschiedsfeier von seinen langjährigen Kollegen verabschiedet.
24. Februar 2026
Text:
Frank Schuldt
Fotos:
Frank Schuldt,
Florian Wiemann
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