Neuapostolische Kirche
Westdeutschland
Portugal/Carcavelos-Sassoeiros. Der Jugend-Konzertchor der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland reiste vom 25. bis 29. Juni 2026 nach Portugal. Rund 100 Jugendliche gestalteten Veranstaltungen der Escola Nova Apostólica, der örtlichen neuapostolischen Schule, musikalisch mit, arbeiteten mit den Schülern und besuchten Sintra und Lissabon.
Es ist Freitagmorgen, 10 Uhr. Vor wenigen Minuten läutete die Schulglocke. Schuldirektorin Fátima Jeronimo ruft zwei Jungs, die Nachzügler, zum gemeinsamen Auftakt in das Foyer des Schulgebäudes. Sie kommen angerannt, in ihren grünen kurzen Hosen und den weißen Polohemden, auf der Brust aufgestickt das Logo der Schule mit dem Namen: Escola Nova Apostólica – Neuapostolische Schule.
Unter dem großen Glasdach im Foyer hängen auf zwei Geschossebenen bunte Zeichnungen und Bastelarbeiten an den Wänden. Dazwischen dokumentieren Gruppenfotos früherer Abschlussjahrgänge die 40-jährige Geschichte der Grundschule und erinnern an die vielen Kinder, die hier ihre ersten Schuljahre verbracht haben.
Heute sind die Schüler nicht allein. Oben auf der Galerie steht ein Teil des Jugend-Konzertchors aus Westdeutschland. Die Jugendlichen blicken neugierig auf das Treiben im Foyer hinab.
Anreise am Donnerstag
Der Chor kam am Vortag in zwei Gruppen in Lissabon an, um an diesem Wochenende mehrere Veranstaltungen der Escola Nova Apostólica mitzugestalten. Zwei Solisten der ersten Gruppe umrahmten bereits am Donnerstagnachmittag die Zeugnisverleihung der Vorschule.
Die zweite Reisegruppe traf erst spät am Abend ein. Mit Pizza in der Hand verfolgten die Jugendlichen gemeinsam mit den bereits angekommenen Sängern die letzten Minuten des Deutschlandspiels bei der Weltmeisterschaft.
Start mit Gebet
Im Erdgeschoss versammeln sich an diesem Freitag, wie an jedem Schultag, die Schülerinnen und Schüler in ihren weiß-grünen Schuluniformen. Der letzte Unterrichtstag vor den Sommerferien beginnt mit dem vertrauten gemeinsamen Auftakt.
Eine Schülerin tritt vor ihre Mitschüler und spricht das Morgengebet. Die Kinder übernehmen diese Aufgabe abwechselnd. Das Morgengebet gehört zur christlichen Ausrichtung der Schule. Zugleich lernen die Kinder selbstbewusst und mutig zu sein, indem sie vor der gesamten Schulgemeinschaft sprechen. Auch Musik gehört zum gemeinsamen Beginn.
Unterricht mit Gästen
Nach dem gemeinsamen Auftakt gehen die Schülerinnen und Schüler in ihre Klassenräume. Auch die Jugendlichen aus Westdeutschland verteilen sich auf die einzelnen Gruppen. Sie haben für den Vormittag verschiedene Projekte vorbereitet: kleine Experimente, rhythmische Übungen und musikalische Spiele. Ein gemeinsames Projekt verbindet alle Klassen. Die Kinder bemalen ihre Hände, drücken sie auf Papier und schreiben ihre Namen dazu. Die farbigen Handabdrücke schmücken später auf Girlanden den Veranstaltungsraum bei den Feiern des Wochenendes.
Am Freitagmittag probt der Jugend-Konzertchor in der Kirche auf dem Schulgelände für seine weiteren Auftritte. Am Nachmittag bleibt Zeit für einen Besuch am nahegelegenen Strand. Wenige Stunden später beginnt bereits die nächste Veranstaltung: die Zeugnisausgabe für die Viertklässler. Der Jugend-Konzertchor gestaltet die Feier gemeinsam mit dem Schulchor musikalisch.
Zeugnisse für zwei Abschlussklassen
Die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen A und B ziehen in Talaren und Baretts in den Kirchensaal ein. Sie nehmen in den ersten beiden Reihen Platz. Vor der Übergabe präsentiert jede Klasse ein Musikstück mit eigenem Text. Danach überreichen die Klassenlehrerinnen die Abschlussurkunden und die Jahrgangsbücher. Viele Lehrerinnen nehmen ihre Schüler dabei in den Arm. Ein Zeichen für den vertrauten Umgang innerhalb der Einrichtung und die persönlichen Bindungen, die über Jahre gewachsen sind.
Bezirksapostel Stefan Pöschel spricht als Vertreter der namensgebenden Kirche über den Übergang auf die weiterführenden Schulen. Die Kinder hätten in vier Jahren Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt und gleichzeitig erfahren, wie wichtig es sei, miteinander zu leben und füreinander da zu sein. Die Schule vermittle nicht nur Wissen, sondern auch Werte wie Vertrauen, Ehrlichkeit, Geduld und Hilfsbereitschaft.
„Euer Zeugnis zeigt eure Leistungen – aber es zeigt nicht alles“, sagt Bezirksapostel Pöschel. Nicht sichtbar seien darin etwa der Mut, etwas Neues auszuprobieren, die Freundlichkeit gegenüber anderen oder die Bereitschaft zu helfen. Für die neue Schule ermutigt er die Kinder, neugierig zu bleiben, Fragen zu stellen und nach Rückschlägen nicht aufzugeben. Auch Eltern und Lehrer bezieht er in seinen Dank ein: Sie hätten die Kinder auf ihrem bisherigen Weg begleitet, unterstützt und gestärkt.
Ehrendoktorwürde für den Bezirksapostel
Im Anschluss an die Ansprache verlieh die Escola Nova Apostólica Bezirksapostel Stefan Pöschel den Ehrentitel Doctor honoris causa. Damit knüpfte die Schule an das Jahr 2012 an, als bereits Stammapostel Wilhelm Leber diese Auszeichnung erhalten hatte.
Bezirksapostel Pöschel nahm die Ernennungsurkunde entgegen; anschließend wurde ihm ein Mantel als akademische Amtstracht umgehängt. Der Titel gilt als höchste ehrenhalber vergebene akademische Anerkennung.
Besuch in Sintra
Am Samstag, dem 27. Juni 2026, wirkte der Jugend-Konzertchor bei der Jubiläumsfeier der Escola Nova Apostólica mit und gestaltete den Festakt mit einem rund 20-minütigen musikalischen Programm.
Am Nachmittag führte das Programm die große Reisegruppe nach Sintra. Einige Jugendliche erklommen zu Fuß den Berg zum Castelo dos Mouros. Die Festung wurde im 10. Jahrhundert während der maurischen Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel errichtet und liegt auf einem Höhenzug oberhalb der Stadt.
Später traf sich die Reisegruppe im historischen Zentrum von Sintra am Palácio Nacional de Sintra. Der mittelalterliche Nationalpalast liegt am Largo Rainha Dona Amélia und zählt zu den ältesten erhaltenen Palästen Portugals. Unter einem überdachten Gang stimmte der Chor zwei Lieder an, darunter „Herz und Mund“. Das Gewölbe trug den Klang über den Platz und in die angrenzenden Gassen. Andere Besucher blieben stehen, kamen näher und applaudierten nach den Liedern. Ein Gänsehautmoment und eine bleibende Erinnerung für Dirigent Stephan Arnold, aber auch für viele Sängerinnen und Sänger.
Gottesdienst und Hauptstadtbesuch
Am Sonntagmorgen gestaltete der Jugend-Konzertchor zum dritten Mal während der Reise eine Veranstaltung mit, dieses Mal den Höhepunkt des Wochenendes: den Gottesdienst mit Bezirksapostel Stefan Pöschel (Bericht folgt). Dabei sangen die Jugendlichen gemeinsam mit einem Jugendchor aus den umliegenden portugiesischen Gemeinden. Viele Sänger dieser Gruppen haben familiäre Wurzeln in Angola, São Tomé und Príncipe oder auf den Kapverdischen Inseln.
Am Nachmittag fuhren die Jugendlichen mit der Bahn nach Lissabon. Sie erkundeten die Innenstadt mit ihren Hügeln, Aussichtspunkten und engen Gassen. Für einige gehörte dazu auch ein Pastel de Nata, das legendäre portugiesische Blätterteigtörtchen mit Cremefüllung.
Geschichte der Schule mitgeschrieben
Am Montag reiste der Jugend-Konzertchor, aufgeteilt in zwei Gruppen und zwei Flugzeuge, nach Deutschland zurück. Als Erinnerung an den Besuch anlässlich des Jubiläums der Schule hatte Direktorin Fátima Jeronimo allen Jugendlichen einen Stift mit Aufdruck geschenkt.
„Vor 40 Jahren begannen wir, einen Traum zu schreiben. Heute schreiben wir ihn weiter, Seite für Seite und Kind für Kind“, sagte sie. Der Stift solle ein Symbol für diese Geschichte sein, „die auch ihr mit eurem Besuch mitgestaltet habt“.
Jugend-Konzertchor mit Schuldirektorin Fátima Jeronimo
9. Juli 2026
Text:
Frank Schuldt
Fotos:
Frank Schuldt,
Simon Skrzypczak ,
Florian Wiemann
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