Neuapostolische Kirche
Westdeutschland
Berlin. Mit einem ökumenischen Gottesdienst feierte die Neuapostolische Kirche am 16. September 2026 ihre Aufnahme als Vollmitglied in die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK). In der Kirche in Berlin-Prenzlauer Berg begrüßten Vertreter verschiedener Konfessionen die Neuapostolische Kirche in der Gemeinschaft der ACK.
Die Vollmitgliedschaft selbst bestand bereits seit dem 1. Juli 2026. Alle stimmberechtigten Mitgliedskirchen der ACK hatten der Aufnahme der Neuapostolischen Kirche einstimmig zugestimmt. Der Gottesdienst in Berlin bildete nun den feierlichen Abschluss des Aufnahmeverfahrens. Er fand im Rahmen der 259. Mitgliederversammlung der ACK statt.
Reverend Christopher Easthill, anglikanischer Geistlicher der Church of England und Vorsitzender der ACK in Deutschland, sowie Apostel Arne Herrmann, Delegierter der Neuapostolischen Kirche in der ACK Deutschland, begrüßten die Teilnehmer. Neben ihnen wirkten Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl (Evangelische Landeskirche in Württemberg, stellvertretender Vorsitzender der ACK in Deutschland), Bischof Matthias Grauer (Neuapostolische Kirche Süddeutschland), Priesterin Svenja Haisch (Neuapostolische Kirche Berlin) und Oberstleutnantin Anette Janowski von der Heilsarmee mit.
Die musikalische Gestaltung übernahmen eine Chorgruppe der Neuapostolischen Kirche unter Leitung von Volker Hedtfeld und Organist Robert Heilbronner.
„Christlicher Glaube ist nicht uniform“
Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl stellte in der Predigt das Verbindende der christlichen Kirchen in den Mittelpunkt. „Das Fundament der ACK ist der gemeinsame Glaube an Jesus Christus als den Herrn der Kirche und Heiland dieser Welt“, sagte er. Die Aufnahme der Neuapostolischen Kirche stehe am Ende eines langen Dialogs und der Verständigung und sei ein sichtbares Zeichen ökumenischer Verbundenheit.
Dabei bedeute Einheit für den Landesbischof nicht, konfessionelle Unterschiede aufzugeben. „Christlicher Glaube ist nicht uniform“, betonte er. Bereits die vier Evangelien zeigten, dass der Glaube an Jesus Christus mit unterschiedlichen Stimmen bezeugt werden könne. Die Evangelien hätten viele Gemeinsamkeiten, ergänzten einander aber zugleich. Ähnlich könne auch das Verhältnis der christlichen Kirchen verstanden werden.
Die Aufnahme der Neuapostolischen Kirche bezeichnete Landesbischof Gohl als einen weiteren Schritt „versöhnter Verschiedenheit“. Unterschiede müssten nicht trennen. Gerade in einer von Polarisierungen geprägten Gesellschaft sei es wichtig, dass unterschiedliche Konfessionen gemeinsam für ihre christlichen Überzeugungen einträten.
Aufnahme im Gottesdienst
Nach einem Instrumentalstück folgte der eigentliche Aufnahmeakt. Reverend Christopher Easthill erinnerte an den Auftrag der ACK, die Einheit der Christen zu fördern und zugleich deren Vielfalt zu erhalten. Mit der Neuapostolischen Kirche komme eine weitere kirchliche Tradition mit ihrer eigenen Spiritualität und Glaubenspraxis hinzu.
Anschließend bat der ACK-Vorsitzende Vertreter der Neuapostolischen Kirche nach vorn. Neben Apostel Arne Herrmann und Bischof Matthias Grauer gehörten dazu Apostel i.R. Volker Kühnle und Bischof i.R. Peter Johanning, die den ökumenischen Weg der Neuapostolischen Kirche über viele Jahre vorbereitet und begleitet hatten.
Reverend Easthill erinnerte an die gemeinsame Grundlage der ACK: Ihre Mitgliedskirchen erkennen Jesus Christus gemäß der Heiligen Schrift als Gott und Heiland an und wollen gemeinsam erfüllen, wozu sie berufen sind. Danach erklärte er die Aufnahme im Gottesdienst: „Herzlich willkommen als Vollmitglied, liebe Neuapostolische Kirche.“
„Kein Schlusspunkt“
Apostel Arne Herrmann sprach anschließend für die Neuapostolische Kirche. Hinter der Vollmitgliedschaft liege ein langer Weg der Annäherung mit zahlreichen Gesprächen und theologischen Diskussionen. Entscheidend sei dabei auch gewesen, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen.
Der Apostel erinnerte an die Gründung der Projektgruppe Ökumene durch den damaligen Stammapostel Richard Fehr im Jahr 1999. Damals sei noch nicht absehbar gewesen, wohin dieser Weg führen würde.
Besonderen Dank richtete er an Apostel i.R. Volker Kühnle und Bischof i.R. Peter Johanning, die er als „Pioniere in der Ökumene der ersten Stunde in unserer Kirche“ bezeichnete. Seit 2001 fanden regelmäßige Gespräche zwischen der Neuapostolischen Kirche und der ACK statt, 2019 folgte die Gastmitgliedschaft auf Bundesebene. 2025 beantragte die Kirche schließlich die Vollmitgliedschaft.
Apostel Herrmann dankte außerdem dem Vorstand und der Geschäftsstelle der ACK sowie den regionalen und lokalen Arbeitsgemeinschaften für die Begleitung. Das einstimmige Votum der Mitgliedskirchen stimme die Neuapostolische Kirche „demütig und sehr, sehr dankbar“.
Die neue Stellung in der ACK bedeute zugleich Verantwortung. „Uns verbindet Jesus Christus selbst, der in der Mitte steht, der das Zentrum unseres Glaubens ist“, sagte Apostel Herrmann. Die Kirchen hätten die gemeinsame Aufgabe, ihren Glauben zu bekennen und Zeugnis von Jesus Christus abzulegen. Dazu brauche es eine starke Ökumene und Kirchen, die nicht allein ihre Unterschiede betonten.
„Dieser Tag ist für uns kein Schlusspunkt, sondern ein weiterer Schritt auf unserem gemeinsamen Weg“, fasste Apostel Herrmann zusammen. Für diesen Weg bat er um den Segen Gottes.
Charta Oecumenica in Berlin unterzeichnet
Der Gottesdienst gehörte zum Programm der 259. Mitgliederversammlung der ACK in Deutschland. Bereits am Vorabend hatten 18 kirchenleitende Vertreter in der Französischen Friedrichstadtkirche am Berliner Gendarmenmarkt die revidierte Charta Oecumenica unterzeichnet. Für die Neuapostolische Kirche nahm Apostel Arne Herrmann daran teil. Die Charta enthält Leitlinien für die Zusammenarbeit der Kirchen in Europa.
Am folgenden Tag beschäftigten sich die Teilnehmer der ACK-Mitgliederversammlung in einem Studientag mit der Frage, welche Impulse von der überarbeiteten Charta für die ökumenische Arbeit ausgehen und wie diese auf regionaler und lokaler Ebene umgesetzt werden können. Zum Abschluss der Mitgliederversammlung erklärte Reverend Easthill mit Blick auf die Neuapostolische Kirche, die ACK habe „einen weiteren Schritt zur Einheit bei Wahrung der Vielfalt getan“.
Rund 250 Teilnehmer erlebten den ökumenischen Gottesdienst in der Neuapostolischen Kirche Berlin-Prenzlauer Berg. Mehr als 500 weitere Zuschauer verfolgten die Feier per Livestream. Für die Neuapostolische Kirche Westdeutschland nahm Bischof Pascal Strobel teil, Ökumenebeauftragter der Gebietskirche.
Zum Abschluss sangen die Teilnehmer gemeinsam „Nun danket alle Gott“. Danach waren die Besucher zu einem Empfang eingeladen.
Die Aufzeichnung des Ökumenischen Gottesdienstes in der Neuapostolischen Kirche Prenzlauer Berg in Berlin (Gebietskirche Nord- und Ostdeutschland) ist auf dem YouTube-Kanal der ACK Deutschland abrufbar.
19. September 2026
Text:
Frank Schuldt,
Laura Schulze
Fotos:
ACK Deutschland,
Jens Lange
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