Neuapostolische Kirche
Westdeutschland
Westdeutschland/Wiesbaden. Zum Abschluss eines gemeinsamen Wochenendes feierte Bezirksapostel Pöschel am Sonntag, 20. September 2026, einen Gottesdienst mit den Bezirksvorstehern und ihren Vertretern sowie den Aposteln und Bischöfen aus Westdeutschland. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Frieden zwischen Menschen entstehen und bewahrt werden kann.
Tagungsort für das Treffen am 19. und 20. September war das Wilhelm-Kempf-Haus in Wiesbaden-Naurod, das zentrale Tagungshaus des Bistums Limburg. Der Gottesdienst fand am Sonntagmorgen in der Kapelle des Hauses statt.
Grundlage der Predigt war das Bibelwort aus Epheser 4,1-3, das Stammapostel Helge Mutschler eine Woche zuvor in einem Gottesdienst in Wien verwendet hatte: „So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene in dem Herrn, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid, in aller Demut und Sanftmut, in Geduld. Ertragt einer den andern in Liebe und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens.“
Die Sehnsucht nach Frieden
Zu Beginn knüpfte der Bezirksapostel an einen Gedanken des vorangegangenen Tages an. Am Beispiel des Apostels Paulus in Athen sei deutlich geworden, wie wichtig zunächst das Zuhören sei. Paulus habe beobachtet und verstehen wollen, was Menschen denken, fühlen und glauben, was ihnen Sorgen bereitet und was ihnen wichtig ist. Für die Seelsorge sei diese Haltung unverzichtbar. Es gelte, sich auf Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Traditionen und kulturellen Hintergründen einzulassen.
Wer aufmerksam auf die Gesellschaft blicke, erkenne zugleich eine große Sehnsucht nach Frieden, führte Bezirksapostel Pöschel weiter aus. Das gelte angesichts von Kriegen zwischen Völkern ebenso wie für gesellschaftliche Auseinandersetzungen oder Konflikte innerhalb von Familien. Teilweise stünden sich Menschen über lange Zeit unversöhnlich gegenüber.
In einer vergleichbaren Situation habe sich die christliche Gemeinde zur Zeit des Apostels Paulus befunden. Menschen mit jüdischem Hintergrund und Christen aus anderen Völkern, zwischen denen zuvor große religiöse und gesellschaftliche Unterschiede bestanden hatten, gehörten nun derselben Gemeinde an. Sie sollten nicht nur miteinander auskommen, sondern in Frieden miteinander leben.
Dabei sei der einleitende Satz des Bibelworts wichtig. Die Aufforderung des Paulus stehe nicht für sich, sondern folge auf die vorausgehenden Kapitel des Epheserbriefs, in denen von der Erwählung durch Gott, seiner Gnade und der Erlösung durch Jesus Christus die Rede sei. Erst auf dieser Grundlage richte Paulus den Blick auf das Verhalten der Christen untereinander.
Christus schafft Zugang und überwindet Trennung
Der Bezirksapostel griff dazu ein Bild aus dem Jerusalemer Tempel auf. Dort trennte eine niedrige Mauer Bereiche voneinander und markierte insbesondere die Grenze, die Nichtjuden nicht überschreiten durften. Paulus habe diese Trennung aufgegriffen, um deutlich zu machen, dass Christus die bisherigen Grenzen zwischen Menschen überwunden habe.
Jesus Christus ermögliche den Zugang zu Gott und schaffe zugleich die Grundlage für Frieden zwischen Menschen, erläuterte Bezirksapostel Pöschel. Frieden sei deshalb für Christen nicht lediglich ein gesellschaftliches Ideal oder eine unerreichbare Zukunftsvorstellung.
Man könne angesichts der Erfahrungen unter Menschen zu dem Ergebnis kommen, Frieden sei eine Utopie. Dem stellte der Bezirksapostel entgegen: „Frieden gibt es nur durch und in Jesus Christus. Aber es gibt ihn.“ Christus habe durch sein Opfer Versöhnung ermöglicht und den Menschen den Zugang zu Gott eröffnet. Dieser Frieden könne bereits in der Gegenwart erfahren werden.
Angst als Ursache von Unfrieden
Warum es dennoch immer wieder Streit und Unversöhnlichkeit gebe, war eine weitere Frage der Predigt. Der Bezirksapostel verwies dabei auf Ängste, die hinter menschlichem Verhalten stehen könnten. Wer sich selbst ständig in den Mittelpunkt stelle und die Bedürfnisse anderer übergehe, könne von der Sorge bestimmt sein, selbst zu kurz zu kommen oder nicht genügend Beachtung zu finden. Hinter heftigen Reaktionen auf Kritik könne die Angst stehen, übersehen oder nicht anerkannt zu werden. Und wer Beziehungen vorschnell aufgebe, könne von der Befürchtung geprägt sein, dass es keine gemeinsame Zukunft mehr gebe.
Paulus reagiere darauf nicht mit Drohungen, sondern mit einem liebevollen Zuspruch. Auch die Begriffe Demut, Sanftmut und Geduld im Bibelwort seien nicht lediglich als Forderung zu verstehen. Sie beschrieben vielmehr eine Haltung, die aus der Erfahrung der Liebe Christi entstehen könne.
Der Bezirksapostel machte dies an verschiedenen Situationen aus dem Leben Jesu deutlich. Bei der Fußwaschung habe sich Jesus klein gemacht und seinen Jüngern gedient. Selbst angesichts seiner Gefangennahme habe er seine Macht nicht eingesetzt, um sich gewaltsam durchzusetzen. Und nach der Auferstehung habe er Petrus trotz dessen Verleugnung nicht aufgegeben, sondern ihm weiterhin Vertrauen entgegengebracht.
Demut, Sanftmut und Geduld
Diese drei Haltungen könnten auch das Zusammenleben unter Menschen verändern. Demut bedeute, nicht ständig die eigene Position in den Mittelpunkt zu stellen, sondern wahrzunehmen, was dem anderen nützt. Sanftmut zeige sich darin, den anderen anzuhören und nicht darauf zu bestehen, selbst das letzte Wort zu behalten. Geduld bedeute schließlich, bei einem Menschen zu bleiben und ihn nicht vorschnell aufzugeben.
Gerade für Seelsorger sei es wichtig, Menschen zunächst aufmerksam wahrzunehmen und ihnen zuzuhören. Unterschiedliche Auffassungen, Erfahrungen und Persönlichkeiten gehörten zu einer Gemeinschaft. Frieden entstehe nicht dadurch, dass diese Unterschiede verschwänden, sondern indem Menschen einander in Liebe ertrügen und die Verbindung in Christus bewahrten.
Die Predigt richtete den Blick schließlich auf die christliche Zukunftshoffnung. Ängste und Unfriede hätten nach christlichem Verständnis nicht das letzte Wort. Mit der Wiederkunft Christi und der weiteren Vollendung des Heils werde auch der Frieden seine endgültige Erfüllung finden.
Weitere Predigtbeiträge kamen von Apostel Carsten Denker und anschließend von Apostel Thorsten Zisowski.
Männerchor gestaltet Gottesdienst
Die musikalische Gestaltung übernahm ein Männerchor, der sich erst am Sonntagmorgen aus Teilnehmern des Treffens gebildet hatte. Die Leitung hatte Bezirksevangelist Klaus Dieter Weller, Leiter des Kirchenbezirks Saar-Pfalz.
Im Ablauf des Gottesdienstes orientierte sich der Bezirksapostel an der katholischen liturgischen Ordnung: Die Wortverkündigung erfolgte vom Ambo, die Feier des Heiligen Abendmahls und des Heiligen Abendmahls für Entschlafene am Altar. „Wir sind hier Gast in einem katholischen Haus“, erläuterte er zu Beginn und verwies auf den Respekt vor den Gastgebern und ihren liturgischen Traditionen.
Abschluss des Wochenendes
Mit dem Gottesdienst endete das zweitägige Treffen der Bezirksvorsteher und ihrer Vertreter mit den Aposteln und Bischöfen der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland. Im Anschluss gab es noch einen gemeinsamen Imbiss, bevor sich die Teilnehmer nach einem arbeitsreichen Wochenende mit Beratungen und zahlreichen persönlichen Begegnungen wieder auf den Heimweg begaben.
25. September 2026
Text:
Frank Schuldt
Fotos:
Frank Schuldt
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