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Der Abendmahlskelch:
Von vernickeltem Kupfer
bis zu vergoldetem Silber

 

Westdeutschland. Seit Juni 2020 sind nach fast vierteljähriger Corona-bedingter Unterbrechung wieder Präsenzgottesdienste in den Gemeinden möglich. Auf den Altären stehen wie gewohnt die Abendmahlskelche mit den darin aufbewahrten Hostien. Die Darreichung der konsekrierten Hostien zur Feier des Heiligen Abendmahls ist unter Beachtung von Hygieneregeln wieder möglich.

Die seit hundert Jahren in der Neuapostolischen Kirche übliche Darreichung von Brot und Wein in der Form einer Kombi-Hostie – drei Weintropfen geträufelt auf eine Backoblate – kommen den Anforderungen der derzeitigen Hygienevorschriften entgegen. Schon vor hundert Jahren waren es unter anderem hygienische Bedenken, die zum Verzicht auf den gemeinsamen Weinkelch führten.

Ein Kelch und kein Wein? Und was ist eine Patene?

Doch der Name und die Form, die an einen Weinkelch erinnern, sind erhalten geblieben. Im Kelch liegen heutzutage die Hostien und aus dem Kelch werden dem Gläubigen nach der Aussonderung der Hostien Blut und Leib Jesu Christ dargereicht.

Die Patene  (mittellateinisch „patena“ bedeutet Schüssel, Pfanne) war ursprünglich der flache Teller, auf dem zum Wein aus dem Kelch das Brot gereicht wurde. Nach der Einführung der Kombi-Hostie war dann getrennte Aufbewahrung von Brot und Wein nicht mehr nötig. Neuapostolische Christen kennen die Patene als Einlegeschale in den Kelch. Mit dem Deckel, der Kelch und Patene abdeckt, heißt das komplette Gefäß Ziborium – das Ziborium.

Ein mit einem Tuch abgedeckter Kelch

Zu sehen sind bisweilen Kelche unterschiedlicher Formen und Ausgestaltungen. Zuallermeist sind es ganz schlichte bauchige Gefäße, die auf einem Fuß stehen. Sie sind aus Kupfer oder Messing gefertigt, ihren silbernen Glanz erhalten sie durch ein Nickelbad. Diese gibt es in den meisten europäischen Gebietskirchen.

Auf wenigen Altären stehen auch Kelche, die aussehen wie Goldpokale und sind tatsächlich aus teils vergoldetem Silber hergestellt. Andere sind statt mit einem Deckel mit einem weißen Tuch abgedeckt. In der Fachsprache der liturgischen Gefäße wird dieses Tuch „Kelchparament“ genannt.

Teilweise liegen unter den Füßen der Ziborien kleine gehäkelte Deckchen, denen vielfach gar keine liturgische Bedeutung mehr beigemessen wird. Doch deutet ihr Name „Korporale“ darauf hin, dass es mit diesen Deckchen etwas auf sich hat.

Was ist ein Korporale?

Das Korporale war in der römischen Liturgie ursprünglich die oberste Altardecke, auf welcher die Gefäße mit Brot und Wein standen und mit der sie auch abgedeckt wurden. Es symbolisiert das Grabtuch Christi. Ab dem 11. Jahrhundert entwickelten sich daraus das kleinere Korporale, auf dem die Gefäße standen und das Kelchparament, mit dem die Gefäße abgedeckt wurden.

Auf den Altären in neuapostolischen Kirchen reduzierte sich das Korporale mehr und mehr auf die hier und da noch benutzten gehäkelten Deckchen oder sie verschwanden ganz. Hintergründe dafür, so vermutet das Netzwerk Apostolische Geschichte, seien mangelnde liturgische Kenntnisse oder auch das oft belächelte Werk aus Omas Handarbeitsecke. Dennoch finden sich noch heute vereinzelt, meist regional gehäuft, schöne Korporale in Verwendung.

Schmuckvolle Ziborien, Kelche mit Parament

Auf Fotos von Gottesdiensten rund um Frankfurt, Wiesbaden und Offenbach fällt auf, dass es dort eine Häufung von künstlerisch aufwändig gestalteten Ziborien gibt, die zur Feier des Heiligen Abendmahls auf dem Altar stehen. Auch in Gießen und Marburg sind einige Gefäße dieser Art gebräuchlich. In der Gemeinde Frankfurt-West sind heute noch zwei Kelche mit Parament im Einsatz.

Bezirksältester i.R. Werner Basche, bis Ende der 90er-Jahre Bezirksvorsteher im Bezirk Gießen, erinnert sich an eine Zeit in den hessischen Bezirken, als der Altar als liturgischer Mittelpunkt der Abendmahlsfeierlichkeiten in den Fokus gerückt wurde. Man besann sich auf liturgische Praktiken der katholisch-apostolischen Historie. Es kamen wieder Altardecken in Gebrauch, Korporale und Kelchparamente bestimmten in vielen Gemeinden das liturgische Abendmahlsgeschehen.

Gold- und Silberschmiedestadt

Aus dieser Zeit stammen wohl die meisten dieser besonderen Abendmahlskelche, bei denen es sich um handgearbeitete Unikate aus Massiv-Silber handelt, die innen vergoldet sind. Bezirksevangelist i.R. Gerhard Wagner, ehemals stellvertretender Bezirksvorsteher im Bezirk Offenbach und jetzt Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde Hanau, weiß: „Gemeindemitglieder, die in der Gold- und Silberschmiedestadt Hanau im Goldschmiedehandwerk tätig waren, haben der Kirche ihr berufliches Können zur Verfügung gestellt und ehrenamtlich Silber-Abendmahlskelche in verschiedenen Ausführungen hergestellt.“

Nicht das Gefäß machst es, sondern der Inhalt: Die konsekrierte Hostie

Seit 2013 gibt es in Chennai (Indien) eine Manufaktur der Neuapostolischen Kirche International für Abendmahlskelche, die Gemeinden auf verschiedenen Kontinenten beliefert. In zwei Ausführungen werden einfache und schlichte Gefäße produziert: Mit und ohne Fuß.

In China haben die neuapostolischen Christen übrigens ihre eigene Kelchproduktion. Sie nehmen eine Reisschale, wie sie sie auch jeden Tag zum Essen verwenden und fertigen ein Kreuz an, das sie auf der Abdeckung anbringen.

Bei all den unterschiedlichen Gefäßen, wie sie weltweit in Gebrauch sein mögen, ist aber eines wichtig: Nicht das Gefäß machst es, sondern der Inhalt. Entscheidend für das Abendmahlsverständnis sind die geistlichen Dimensionen: vor allem die wahre Gegenwart von Leib und Blut Christi in den Elementen Brot und Wein, aber auch das Verhältnis zum Opfer Jesu und zur Sündenvergebung.

15. Juli 2020
Text: Günter Lohsträter
Fotos: Bildarchiv, Marcel Felde, Jessica Krämer

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