Neuapostolische Kirche
Westdeutschland
Westdeutschland/Rheinberg. Anlässlich der Ruhesetzung von Bezirksapostel Rainer Storck und der Beauftragung von Apostel Stefan Pöschel als Nachfolger besuchte Stammapostel Jean-Luc Schneider die neuapostolischen Christen in Westdeutschland. Er feierte am 23. Juni 2024 einen Gottesdienst in Rheinberg.
Zum zweiten Mal in diesem Jahr besuchte Stammapostel Jean-Luc Schneider die Gläubigen in Westdeutschland. Anlass war der Wechsel in der Leitung der Gebietskirche: Nach zehn Jahren und vier Monaten als Bezirksapostel wurde Rainer Storck (66) in den Ruhestand verabschiedet. Als Nachfolger beauftragte der Stammapostel den bisherigen Bezirksapostelhelfer Apostel Stefan Pöschel (56).
„Für andere tun, was Gott für uns tut“
Grundlage für den Gottesdienst war ein Bibelwort der Berg-/Feldpredigt: „Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch zumessen.“ (Lukas 6,38)
„Die Aussagen Jesu in der Bergpredigt passen in unsere Zeit“, leitete Stammapostel Schneider seine Ausführungen ein. Die Menschen seien oft unzufrieden, klagten Gott an oder forderten von der Regierung oder den Mitmenschen, dass diese etwas für sie tun sollten. Doch Christus habe einen anderen Standpunkt gehabt: Er forderte die Gläubigen auf, bei sich anzufangen: „Beginne bei dir selbst und warte nicht darauf, dass die anderen es tun. Folge meinem Beispiel und lass dich nicht von dem beeinflussen, was andere sagen oder tun!“
„Schau nicht auf andere“
In der Bergpredigt gehe es insbesondere um das eigene Verhalten gegenüber anderen: „Jesus gebietet uns, unserem Nächsten gegenüber so zu handeln, wie Gott uns gegenüber“, erläuterte der Stammapostel und zitierte Lukas 6,36: „Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist.“
Der Stammapostel interpretierte: „Ganz gleich, was die anderen tun, wie sie sich benehmen: Tu du deinem Nächsten das, was Gott für dich tut! Seid barmherzig, weil euer Vater barmherzig ist.“
„Vergib deinem Nächsten“
Im Folgenden führte er einige konkrete Beispiele an und begann mit der Vergebung: „Vergib deinem Nächsten, weil Gott dir vergibt.“
Der Stammapostel zeigte sich irritiert darüber, wenn der eigene Stolz, der Verzicht auf ein wenig Geld oder das „im-Recht-sein“ eine Versöhnung nach beispielsweise über Jahre zurückliegenden Verletzungen verhinderten: „Wie viel ist dir eigentlich der Friede wert? Wie sehr liegt es dir am Herzen, dem Beispiel Christi nachzufolgen und seine Predigt umzusetzen?“
„Richtet nicht“
In einer immer stärker gespaltenen Gesellschaft nehme sich der Einzelne immer stärker als Maßstab aller Dinge, nannte Stammapostel Schneider ein zweites Beispiel. Die Menschen hätten oft Schwierigkeiten, Unterschiede zu akzeptieren. Das Problem: „Wenn jemand nicht denkt wie ich, will ich mit ihm nichts mehr zu tun haben.“ Dieser Trend mache auch vor der Kirche und den Gemeinden nicht halt, warnte der Stammapostel.
Doch Gott liebe jeden Menschen bedingungslos und mache keinen Unterschied. „Er erwartet von uns, dass wir unseren Nächsten nicht richten und dass wir diese Unterschiede, dieses Anderssein überwinden können und uns gegenseitig akzeptieren, ja sogar lieben.“ Es gelte in der Kirche, an dem festzuhalten, was eint: Jesus Christus. „Das sollte uns eigentlich viel wichtiger sein als alles Trennende.“
„Gebt, so wird euch gegeben“
Als letzten Punkt zitierte der Stammapostel „Gebt, so wird euch gegeben.“ Damit sei nicht nur Geld gemeint, denn das sei der einfache Weg. „Eine Geldspende ist manchmal eine bequeme Möglichkeit, sich ein gutes Gewissen zu verschaffen.“ Doch Christus meine hier die Herzenseinstellung gegenüber dem Nächsten. Gemeint sei daher: „Sorgt dafür, dass ihr den Bedürfnissen des Nächsten so viel Bedeutung zumesst wie euren eigenen.“ In der heutigen Gesellschaft sehe jeder dagegen nur die eigenen Bedürfnisse und poche darauf, dass diese befriedigt werden.
Um die Bedürfnisse des Nächsten zu ergründen, gelte es, auf die wirklich wichtigen eigenen Bedürfnisse zu schauen. Stammapostel Schneider nannte beispielhaft das Gefühl von Respekt und Wertschätzung, jeder wünsche sich Verständnis und Geduld, dass einem die Fehler verziehen werden und nicht mehr darüber gesprochen werde. Zudem sehne sich jeder danach, in der Gemeinde akzeptiert und geliebt zu werden. „Das wünscht sich auch unser Nächster!“ Daher gelte: „Für Gott bist du ganz wichtig. Er liebt dich, er will dein Heil! Tu für deinen Nächsten das, was Gott für dich tut.“
Der Bezugspunkt ist Christus
Der Stammapostel brachte es abschließend auf den Punkt. „Wenn unser Maß nicht unsere Person ist, sondern Jesus Christus, und wir alles an ihm messen, dann bekommen wir den Lohn, den Jesus Christus empfangen hat, und haben Anteil an seiner Herrlichkeit.“
„Wie Gott mir, so ich dir.“
Bezirksapostel Rainer Storck äußerte in seinem letzten Predigtbeitrag im aktiven Amtsauftrag den Wunsch, dass ein jeder sich als Friedensstifter engagieren möge: „Je mehr Friedensstifter es gibt, desto weniger hat der Teufel die Möglichkeit, Familie, Gemeinde, Kirche zu spalten.“
Apostel Stefan Pöschel erinnerte an den Sinnspruch „Wie du mir, so ich dir“. Dieser möge künftig lauten: „Wie Gott mir, so ich dir.“ Bezirksapostel Mark Woll (Kanada) ermunterte, nicht geizig zu sein, sondern großzügig – so wie Gott es sei mit seiner Liebe und Gnade.
Wegbegleiter mit vor Ort
Aus Anlass der Handlungen waren die Bezirksapostel aus Europa, die aktiven Apostel und Bischöfe aus dem europäischen Arbeitsbereich, die Apostel im Ruhestand aus Westdeutschland sowie zahlreiche Wegbegleiter mit vor Ort, darunter Stammapostel i.R. Wilhelm Leber und die Amtsvorgänger von Bezirksapostel Storck: die Bezirksapostel i.R. Hagen Wend, Armin Brinkmann und Bernd Koberstein.
Insgesamt erlebten über 650 Gläubige den Gottesdienst in der Stadthalle Rheinberg vor Ort mit. Per Internet waren weitere über 20.000 Gläubige live in ihren Gemeinden mit dabei.
27. Juni 2024
Text:
Frank Schuldt
Fotos:
Marcel Felde,
Frank Schuldt
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