Neuapostolische Kirche
Westdeutschland
Westdeutschland/Gießen. Die jungen Gläubigen aus den Gemeinden der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland erlebten am Sonntag, dem 19. Januar 2025 den Gottesdienst zum Jahresauftakt. Bezirksapostel Pöschel feierte diesen in Gießen-Süd.
Bezirksapostel Stefan Pöschel richtete im Gottesdienst zum Jahresauftakt für Jugendliche einen klaren Appell an seine jungen Glaubensgeschwister: „Zögert nicht, Gutes zu tun und bleibt dran“. In der Predigt am 19. Januar 2025 in Gießen gab er dazu konkrete Tipps und Hinweise.
Damit nahm er Bezug auf die Jahreslosung der Neuapostolischen Kirche: „Es ist Zeit, Gutes zu tun.“ Das vom Stammapostel herausgegebene Motto hat drei Aspekte: Gutes tun für sich, für den Nächsten und in der Kirche.
Bibel statt TikTok
Zunächst ging der Bezirksapostel auf den ersten Punkt ein und ermunterte die Jugendlichen, Gutes zu tun für die eigene Seele und für ihr eigenes Glaubensleben. „Lass doch mal Social-Media für ein paar Minuten beiseite“, so sein praktischer Hinweis. Er wisse, wie schwer es falle, gerade morgens nach dem Aufwachen. „Vielleicht ist es wertvoller, mal einen Bibelvers zu lesen.“
Der Barmherzige Samariter
Im weiteren Verlauf der Predigt ging es um den zweiten Aspekt der Jahreslosung: „Gutes tun für den Nächsten“. Dazu hatte der Bezirksapostel das Bibelwort aus Lukas 10,29.37 gewählt: „Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!“ Das vollständige Gleichnis vom barmherzigen Samariter trugen zwei junge Jugendliche in der Bibellesung vor.
Bezirksapostel Pöschel erinnerte daran, dass jeder einzelne 2025 die Möglichkeit haben wird, als Samariter tätig zu sein – so habe es der Stammapostel in den Erläuterungen zum Jahresmotto angekündigt. Dies gelinge, wenn man wie der Samariter die Not des anderen erkenne und Hilfe leiste.
Keine Ausreden suchen
Dabei sei es nicht im Sinne Christi, Erklärungen wie „selbst schuld“ oder „ich hab es eilig“ als Ausrede zu verwenden. Das Gleichnis lehre, so der Bezirksapostel: „Hab ein Auge für die Not des anderen, nimm dir dann die Zeit und bleib stehen, leiste erste Hilfe, kümmere dich, beziehe bei Bedarf andere ein, frag nicht nach eigenem Profit, bleib nachhaltig am Ball und delegiere nicht an andere.“
Um in rechter Weise helfen zu können, sei es wichtig, die Perspektive von dem einzunehmen, der verletzt ist. „Ein Koffer vorgefertigter Dinge ist selten hilfreich. Es geht darum, was wirklich benötigt wird.“ Dies erkenne man oft nicht auf den ersten Blick, es lohne sich ein zweiter und dritter, führte Bezirksapostel Pöschel weiter aus.
Fürbitte für andere
Jesus habe immer konkret geholfen, je nach Bedarf. Der Bezirksapostel nannte Beispiele für unterschiedliche Arten des Helfens.
Zunächst ging er auf das Gebet ein, das wichtig und in manchen Situationen auch die einzige Hilfsmöglichkeit sei. Als Beispiel führte er den Jugendlichen eindrucksvoll und emotional die Situation neuapostolischer Christen in Burkina Faso vor Augen, die bedroht und verfolgt würden. Hier sei es für einen jungen Menschen aus Deutschland kaum möglich, konkrete Hilfe zu leisten. „In dieser Situation sind unsere Gebetshände gefordert: Ich bitte euch um Fürbitte für unsere Schwestern und Brüder, sie haben es wirklich schwer.“
Drei Beispiele für tatkräftige Hilfe
Neben dem Gebet sei jedoch auch die tatkräftige Hilfe wichtig. Beispielhaft erwähnte der Bezirksapostel das im Bau befindliche Jugendzentrum in Guinea-Bissau. „Das habt ihr mit euren Spendenaktionen wie Benefizkonzerten zugunsten von #jugendbewegt möglich gemacht“, erinnerte er und dankte für diesen Einsatz.
Jeder könne sich in der Seelsorge für den Nächsten engagieren, nannte der Bezirksapostel eine zweite Dimension von „Gutes tun“. Viele junge und alte Menschen würden darunter leiden, dass ihnen niemand zuhört. Hier gelte es, hinzuschauen, sich wache Ohren zu bewahren und mit der Seele zu arbeiten. „Schaut hin, geht hin, aber nicht nur einmal, sondern regelmäßig – im Jugendkreis, aber auch generationenübergreifend in eurer Ortsgemeinde.“
Als dritten Punkt für tatkräftige Unterstützung nannte der Bezirksapostel das Leisten von Seelsorge, indem man einen Menschen einen Teil seines Lebenswegs begleite und mit ihm gemeinsam gehe. „Bietet das doch an: Ich komme an deine Seite, ich helfe dir mit, nehme mir Zeit, bleibe am Ball – und das ohne Gegenleistung“, ermunterte er. Die Einstellung möge sein: „Damit tue ich etwas für meinen Herrn Jesus Christus, der so viel für mich tat.“
Ein Nächster für den anderen sein
Weitere Predigtbeiträge kamen von Priesterin Natascha Wagner und Apostel Franz-Wilhelm Otten. „Heute haben wir gehört, dass es nicht darum geht, wer unser Nächster ist, sondern wie ich für den anderen ein Nächster sein kann“, so das Fazit von Priesterin Wagner, die im Arbeitsbereich Ost als Jugendbeauftragte tätig ist. Sie ermunterte, sich vom Leid des anderen noch anrühren zu lassen. Angesichts des vielen Leids, das man über die Medien hautnah miterlebe, bestehe die Gefahr, abzustumpfen. „Lasst uns dafür beten, dass wir eine Begegnung haben, in der wir wahrnehmen: Hier kann ich helfen.“ Das Mittel, ein Lächeln, ein Gebet oder die tatkräftige Hilfe, hänge dann von der jeweiligen Situation ab.
Apostel Otten warb dafür, nochmal genauer hinzusehen. „Vielleicht sehen wir dann mehr.“ Als Christen sei zudem ein „Dankeschön“ nicht wichtig. „Uns erfüllt das Wissen, im Sinne Christi gehandelt zu haben.“
Nach der Feier des Heiligen Abendmahls feiert die Gemeinde das Heilige Abendmahl für Entschlafene. Eine junge Priesterin und ein junger Priester nahmen stellvertretend die Hostie.
Gottesdienst zum Beginn des neuen Jahres
Der Gottesdienst für Jugendliche zum Jahresauftakt hat Tradition in der Gebietskirche Westdeutschland. Alle zwei Jahre wendet sich der Bezirksapostel in einem live übertragenen Gottesdienst an die jungen Gläubigen. Die Jugendlichen versammeln sich dann in ausgewählten Gemeinden in den Bezirken. In den Jahren dazwischen halten die Apostel und Bischöfe die Gottesdienste in den Regionen.
Dazu gibt es an vielen Orten ein Rahmenprogramm – vom gemeinsamen Mittagessen bis hin zu Aktivitäten wie Eislaufen. Im Bezirk Ruhr-Süd trafen sich die Jugendlichen beispielsweise bereits am Samstag und setzen das Jahresmotto mit Besuchen der jungen Gläubigen bei Senioren um. Zudem gab es eine Chorprobe und einen Spieleabend.
In Gießen-Süd hatten sich über 300 Jugendliche aus dem Bereich Ost (Apostel Gerd Kisselbach) versammelt. Ein großer Jugendchor gestaltete den Gottesdienst mit. Im Anschluss gab es verschiedene Suppen als Mittagsverpflegung und ein abwechslungsreiches Nachmittagsprogramm.
Im Vorprogramm zum Gottesdienst konnten sich die Jugendlichen interaktiv beteiligen und beispielsweise online mitteilen, wo sie sich gerade befinden oder was sie sich für Januar zum Thema "Gutes tun" konkret vorgenommen haben.
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