Neuapostolische Kirche
Westdeutschland
Westdeutschland/Frankfurt. Mit einer Feierstunde in der neuapostolischen Kirche Frankfurt-Nord wurde Bischof i.R. Peter Johanning am 30. Januar 2026 aus seinen langjährigen ökumenischen Funktionen verabschiedet. Gäste aus Kirchen und ökumenischen Institutionen würdigten seine Verdienste mit Grußworten und persönlichen Rückblicken.
Peter Johanning war über viele Jahre, auch über seinen Ruhestand als Sprecher der Neuapostolischen Kirche International hinaus, als Delegierter der Neuapostolischen Kirche in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) aktiv. Zudem fungierte er als Ansprechpartner für ökumenische Themen sowohl in der Neuapostolischen Kirche International als auch in der Gebietskirche Westdeutschland.
Mit der ACK-Herbstversammlung 2025 endete seine Tätigkeit als Delegierter der Neuapostolischen Kirche in Deutschland und als Ökumene-Referent des Stammapostels. Der Festakt stand unter dem von Peter Johanning gewählten Motto „Unbekannte Wege wandeln …“. Moderiert wurde er von Apostel i.R. Volker Kühnle, der mit Peter Johanning von Beginn der ökumenischen Aktivitäten der Neuapostolischen Kirche an sehr eng zusammengearbeitet hat.
Geistlicher Impuls zu Beginn
Bezirksapostel Stefan Pöschel, Leiter der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland, eröffnete die Feierstunde mit einem geistlichen Impuls, der mit Gebet begann und mit dem „Unser Vater“ endete. Seinen Ausführungen lag der Lehrtext der Herrnhuter Losungen für diesen Tag aus Markus 6,41.42 aus der Speisung der Fünftausend zugrunde. Der Bezirksapostel betonte, dass das Wunder der Brotvermehrung nicht nur eine göttliche Versorgungsgeste sei, sondern auch ein Bild für das Wirken miteinander: Aus wenigem könne viel werden, wenn man es teile. Dieses Prinzip habe sich auch in der ökumenischen Arbeit gezeigt – im Vertrauen darauf, dass Gott das Gemeinsame segnet, wo Menschen miteinander teilen, was sie haben.
Ergänzt wurde der Impuls durch Lesungen von Pfarrerin Dr. Maibritt Gustrau (Markus 6,30–44), Pfarrstelle Ökumene im Evangelischen Stadtdekanat Frankfurt/Offenbach, sowie Reverend Christopher Easthill (Markus 6,45–52), Vorsitzender der ACK in Deutschland.
Ein „Gesicht der freundlichen Kirche“
Im weiteren Verlauf erinnerte der Bezirksapostel an zentrale Stationen von Johannings Wirken: als Sprecher der Neuapostolischen Kirche International, als Delegierter in der ACK und als Ökumene-Ansprechpartner im Westen Deutschlands. „Du warst über Jahrzehnte das Gesicht einer immer freundlicher werdenden Kirche“, sagte er.
Mit Blick auf seine Kommunikationsarbeit und Predigttätigkeit beschrieb er Bischof Johanning als „Mann des klaren Wortes und des feinen Tons“, dem es gelang, Tiefgang mit Leichtigkeit zu verbinden.
Grußworte aus Rom, Düsseldorf und Frankfurt
Ein besonderes Zeichen der Wertschätzung war das Grußwort von Pater Dr. Augustinus Sander OSB aus dem Dikasterium zur Förderung der Einheit der Christen (Katholische Kirche, Rom). Er erinnerte an viele Begegnungen und würdigte Johanning als „Wegbereiter“ im ökumenischen Wüstenland: „Wer im ökumenischen Wüstenland den Weg bereitet, wird in die Weite geführt.“
Er habe erlebt, wie Johanning als Grenzgänger zwischen Kirchen „verbindende Wege gegangen“ sei und durch seinen persönlichen Stil Vertrauen aufgebaut habe. Der Katechismus der Neuapostolischen Kirche sei für viele ein „ökumenischer Wegweiser“ gewesen.
„Robert De Niro der Neuapostolischen Kirche“
Einen ungewöhnlich persönlichen Akzent setzte Andrew Schäfer, Weltanschauungsbeauftragter der Evangelischen Kirche im Rheinland. Mit einem Augenzwinkern verglich er Johanning mit einer Filmfigur Robert De Niros aus „Man lernt nie aus“, die sich mit den Worten beschreibt: „I’m loyal, trustworthy and good in a crisis.“
Diese Eigenschaften – Loyalität, Vertrauenswürdigkeit und Krisenstärke – übertrug Schäfer auf Johanning: Er sei seiner Kirche stets loyal verbunden gewesen, ein verlässlicher Ansprechpartner im Dialog mit anderen Konfessionen und jemand, der auch in schwierigen Situationen mit Ruhe, Klarheit und Überblick gehandelt habe. „Sie haben nicht diskutiert, Sie haben geklärt – verbindlich, zuverlässig, empathisch.“
In schwierigen Situationen, für die Andrew Schäfer Beispiele nannte, habe er mit Ruhe, Klarheit und Überblick agiert. „Sie haben Ihrer Kirche und der Ökumene mit Ihrer Arbeit einen guten und gesegneten Dienst erwiesen. Dafür danke ich Ihnen von ganzem Herzen.“
Verlässlicher Ansprechpartner
Dr. Verena Hammes, Geschäftsführerin der ACK Deutschland, hob hervor, dass Johanning seit dem Beginn der Gastmitgliedschaft der NAK im Jahr 2019 den Dialog mitgeprägt habe: „Du hast nicht belehrt, sondern Beziehungen aufgebaut – und so theologische Tiefe mit menschlicher Nähe verbunden.“
In ihrer originellen Grußrede im Stil einer Nachrichtensendung würdigte sie Johanning als „Übersetzer“ zwischen den Konfessionen und nannte sein Wirken eine „Diplomatie der Empathie“.
Dank und Ausblick
In seiner eigenen Ansprache betonte Peter Johanning, dass sein Weg in der Ökumene immer auf Begegnung und Beziehung abgezielt habe: „Verstehen ermöglichen – auch dort, wo Verständigung nicht sofort möglich war.“ Sein Motto „Auf unbekannten Wegen wandeln“ sei Ausdruck des Vertrauens in das Miteinander der Kirchen.
„Ich durfte vieles bewegen, weil ich nicht allein gegangen bin“, sagte er und dankte für die Unterstützung seiner Kirche, vieler Weggefährten – und seiner Familie. Viele dieser Weggefährten aus der früheren innerkirchlichen „Arbeitsgruppe Ökumene“ sowie aus verschiedenen Kirchen und der Ökumene waren nach Frankfurt gekommen, unter ihnen die Bezirksapostel im Ruhestand Wilfried Klingler, Rainer Storck, Hagen Wend und Bernd Koberstein.
„Wir unterstützen die Einheit in der Kirche Christi.“
Abschließend zitierte Bischof Johanning aus der Predigt von Stammapostel Jean-Luc Schneider am 11. Januar 2026 in Mombasa (Kenia): „Wir unterstützen die Einheit in der Kirche Christi. Wir messen dem, was uns verbindet, mehr Bedeutung zu – der Sehnsucht nach dem ewigen Leben, dem Festhalten an Christi Gebot und dem Wunsch, ihm gleich zu sein – als unserer Verschiedenheit.“
Er deutete das Zitat des Stammapostels als theologisches Fundament für die ökumenische Arbeit: Einheit entstehe nicht durch Gleichmacherei, sondern durch das bewusste Gewicht auf dem Gemeinsamen – der Hoffnung auf das ewige Leben, dem Festhalten an Christi Gebot und dem Wunsch, ihm gleich zu sein. Diese drei Elemente nannte er einen „theologischen Minimalkonsens mit maximaler Wirkung“, der den Dialog getragen habe.
Es gehe nicht um institutionelle Einheit, sondern um glaubwürdiges gemeinsames Zeugnis in einer säkularen Welt. „Wer dem Verbindenden mehr Bedeutung zumisst als dem Trennenden, bleibt nicht stehen, sondern bewegt sich – und ermöglicht so echte Annäherung.“
Anerkennung von Weggefährten
Mit Blick auf die Zukunft stellte Bezirksapostel Stefan Pöschel die Nachfolger in der ökumenischen Arbeit vor: Apostel Arne Herrmann, bereits seit einiger Zeit als Delegierter der Neuapostolischen Kirche bei der ACK Deutschland tätig, übernimmt künftig die Vertretung im nationalen und internationalen Kontext. Sein Stellvertreter ist Bischof Matthias Grauer aus Süddeutschland, der Erfahrungen aus seiner Mitarbeit in der ACK Baden-Württemberg mitbringt. Für die Gebietskirche Westdeutschland steht künftig Bischof Pascal Strobel als Ansprechpartner für alle ökumenischen Themen zur Verfügung.
Die Feierstunde endete mit dem gemeinsam gesungenen Lied „Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut“ (Nr. 260 aus dem Neuapostolischen Gesangbuch), das Peter Johanning selbst ausgewählt hatte. Die Zeile „Gebt unserm Gott die Ehre!“ verlieh dem Abschluss einen klaren geistlichen Akzent – als Moment des persönlichen Abschieds und als Ausdruck gelebter Gemeinschaft.
Ökumene beginnt mit Begegnung
Im Anschluss an die Feierstunde waren alle Gäste zu einem Empfang im Untergeschoss der Kirche eingeladen. Die Gäste aus der ACK, anderen Kirchen und kirchlichen Arbeitsfeldern nutzten die Gelegenheit zu persönlichen Begegnungen – ganz im Sinne dessen, was Johanning als seinen Leitspruch immer betont hatte: „Ökumene beginnt nicht mit Einigung, sondern mit Begegnung.“
Bischof i.R. Peter Johanning (5. v.l.) inmitten von Apostel i.R. Volker Kühnle, Bischof Matthias Grauer (verdeckt), Apostel Arne Herrmann, Bischof Pascal Strobel, Apostel Matthias Pfützner, Hirte Walter Hessler und Evangelist Andreas Glossgauer
13. Februar 2026
Text:
Frank Schuldt
Fotos:
Jessica Krämer
Datenschutzeinstellungen
Mit Hilfe einiger zusätzlicher Dienste können wir mehr Funktionen (z.B. YouTube-Video-Vorschau) anbieten. Sie können Ihre Zustimmung später jederzeit ändern oder zurückziehen.
Datenschutzeinstellungen
Diese Internetseite verwendet notwendige Cookies, um die ordnungsgemäße Funktion sicherzustellen. Jeder Nutzer entscheidet selbst, welche zusätzlichen Dienste genutzt werden sollen. Die Zustimmung kann jederzeit zurückgezogen werden.
Einstellungen
Nachfolgend lassen sich Dienste anpassen, die auf dieser Website angeboten werden. Jeder Dienst kann nach eigenem Ermessen aktiviert oder deaktiviert werden. Mehr Informationen finden sich in der Datenschutzerklärung.