Neuapostolische Kirche
Westdeutschland
Westdeutschland/Dili. Mit einer Reise nach Osttimor hat Apostel Diniz die Betreuung der dortigen Gemeinden offiziell an die Gebietskirche Südostasien übergeben. Neuer zuständiger Bezirksapostel ist Edy Isnugroho. Gottesdienste, Versammlungen und persönliche Begegnungen prägten die Tage in Dili und Umgebung.
Osttimor, offiziell Demokratische Republik Timor-Leste, liegt in Südostasien und umfasst den östlichen Teil der Insel Timor. Rund 400 Jahre stand das Gebiet unter portugiesischer Kolonialherrschaft. Nach dem Abzug Portugals im Jahr 1974 folgte eine Phase politischer Instabilität, ehe Indonesien das Land besetzte.
Mehr als zwei Jahrzehnte war Osttimor von gewaltsamen Auseinandersetzungen geprägt. Erst nach einem von den Vereinten Nationen begleiteten Referendum im Jahr 1999, bei dem sich die Bevölkerung mehrheitlich für die Unabhängigkeit aussprach, begann der Übergang in die staatliche Selbstständigkeit.
Seit 2002 ist Osttimor ein unabhängiger Staat und ist damit das erste Land, das im 21. Jahrhundert seine Unabhängigkeit erlangte. In dieser Phase des staatlichen Neubeginns entstanden auch erste neuapostolische Gemeinden.
Von Westdeutschland nach Südostasien
Bis Ende 2025 betreute die Neuapostolische Kirche Westdeutschland die neuapostolischen Gemeinden in Osttimor. Hintergrund war die historisch gewachsene Verbindung zu portugiesischsprachigen Gebieten.
Inzwischen ist jedoch die geografische und organisatorische Nähe zu Südostasien stärker gewachsen, sodass die Verantwortung nun an die Gebietskirche Südostasien übergeht, zu der auch die benachbarten Länder Indonesien und Philippinen zählen. Die Kirchenmitglieder in Osttimor wurden im Sommer 2025 über die organisatorische Veränderung informiert.
Reise zur formalen Übergabe
Apostel Dimitrios Diniz reiste im Auftrag von Bezirksapostel Pöschel am 19. Januar 2026 nach Osttimor, um die formalen Schritte zur Übergabe an Indonesien abzuschließen. Am 22. Januar fand eine Generalversammlung des kirchlichen Vereins statt. Der bisherige Vorstand wurde einstimmig entlastet, ein neuer Vorstand sowie weitere Mitglieder wurden ernannt.
Am Folgetag standen Gespräche in einer Anwaltskanzlei auf dem Programm. Dabei ging es insbesondere um die Klärung der Eigentumsverhältnisse der Grundstücke gemäß den Gesetzen von Osttimor.
Ämtergottesdienst und erste Begegnungen
Am Samstagvormittag, 24. Januar 2026, feierte Apostel Diniz einen Ämtergottesdienst mit 70 Geistlichen und ihren Partnerinnen. Grundlage war das Bibelwort aus Matthäus 25,21: „Da sprach sein Herr zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude.“ Der Apostel stellte die Art des Dienens in den Mittelpunkt. Es gehe nicht nur um Aufgaben, sondern um eine innere Haltung der Treue und Verlässlichkeit.
Bezirksapostel Edy Isnugroho und Apostel Aris Kusnandar wirkten mit.
Übergabe an Südostasien
Im Anschluss folgte die offizielle Übergabe der Zuständigkeit für Osttimor. Bezirksapostel Edy Isnugroho richtete sich erstmals offiziell als zuständiger Bezirksapostel an seine Schwestern und Brüder in Osttimor. Er wurde ebenso wie Apostel Kusnandar herzlich aufgenommen. Bei einem gemeinsamen Mittagessen mit Amtsträgern, deren Frauen und dem Chor bot sich Gelegenheit zum persönlichen Austausch.
Edy Isnugroho ist seit November 2018 Bezirksapostel der Gebietskirche Südostasien. Als Apostel betreute er zuvor Indonesien und Brunei. Mit der strukturellen Zuordnung Osttimors zu Südostasien wird die kirchliche Betreuung künftig aus der Region heraus erfolgen.
Gottesdienste in Dili und Behau
Am Sonntagvormittag, 25. Januar 2026, hielt Bezirksapostel Edy Isnugroho seinen ersten Gottesdienst in der Gemeinde Bairro Pité in Dili. Grundlage der Predigt war das Bibelwort aus Hebräer 11,3: „Durch den Glauben erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort geschaffen ist, sodass alles, was man sieht, aus nichts geworden ist.“
Der Bezirksapostel diente in indonesischer Sprache; der Gottesdienst wurde in Tetum übersetzt. Apostel Dimi und Apostel Aris wirkten mit. 116 Gemeindemitglieder nahmen teil.
Am Sonntagnachmittag folgte ein weiterer Gottesdienst in der Gemeinde Behau. Grundlage war Psalm 57,2–3: „Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig! Denn auf dich traut meine Seele, und unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht, bis das Unglück vorübergehe. Ich rufe zu Gott, dem Allerhöchsten, zu Gott, der meine Sache zum guten Ende führt.“
317 Geschwister versammelten sich. Auch hier wurde die Predigt aus dem Indonesischen in Tetum übersetzt. Apostel Dimi und Priester Eko dienten mit.
Nach dem Gottesdienst gestaltete die Gemeinde ein kleines Fest mit traditionellen Tänzen, Musik und gemeinsamen Mahlzeiten. Zwei Torten setzten symbolische Zeichen: eine als Dank an Apostel Diniz für seinen Dienst, eine als Willkommensgruß an Bezirksapostel Isnugroho.
Begegnungen und Ausblick
Am Montag besuchte die Reisegruppe zum Kennenlernen der Gläubigen vor Ort die Gemeinden Consin, Hera und Terra Santa. Überall wurden sie gastfreundlich empfangen. Am Nachmittag vertiefte der Bezirksapostel in einer Ämterversammlung mit 27 Teilnehmern die Gedanken zum Amtsverständnis und sprach über organisatorische Fragen.
Am Dienstag, 27. Januar 2026, verabschiedeten zahlreiche Gemeindemitglieder die Gäste am Flughafen in Dili – ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit für die Apostel. Für Apostel Diniz endete damit eine intensive Reise, die neben rechtlichen und organisatorischen Fragen hauptsächlich von persönlichen Begegnungen geprägt war. Gleichzeitig war es auch sein letzter Besuch als Apostel in dem Land.
Historischer Hintergrund
Die Neuapostolische Kirche ist seit den frühen 2000er-Jahren in Osttimor präsent und hat dort eine beständige Entwicklung durchlaufen. Erste kirchliche Kontakte und Besuche gehen auf Bezirksapostel Armin Brinkmann zurück, der mehrfach zu seelsorgerlichen Besuchen in das junge Land reiste und Gottesdienste hielt. Damit legte er den Grundstein für die kirchliche Struktur vor Ort. In den Jahren vor 2010 führte er wiederholt Reisen nach Osttimor durch, um die kleinen Gemeinschaften zu stärken und zu begleiten.
Im Laufe der Zeit wuchs die Zahl der Gläubigen. Bis Mitte der 2010er-Jahre hatten sich stabile Gemeinden entwickelt, die auf mehrere Hundert Mitglieder mit zahlreichen Amtsträgern anwuchsen. Ein zentraler Schritt war die Einsetzung eines ersten Bezirksältesten vor Ort.
Weitere Entwicklung in Osttimor
Die rechtliche Anerkennung der Kirche als Verein in Osttimor sicherte ihre Grundlage für Gemeindearbeit, Gottesdienste und Eigentumsfragen, ein wichtiger Schritt zur rechtlichen und organisatorischen Stabilisierung in einem Land mit komplexen staatlichen Anforderungen.
Organisatorisch war über Jahre Apostel Manuel Luiz (Portugal) in der seelsorgerlichen Begleitung der Gemeinden aktiv, insbesondere als Zuständiger für die dortige kirchliche Struktur, bevor Apostel Dimitrios Dinis diese Aufgabe in den vergangenen Jahren übernahm. Ein besonderer Moment für die Gläubigen vor Ort war der erste Besuch eines Stammapostels im Jahr 2024.
800 Mitglieder in zwölf Gemeinden
Heute zählt die Neuapostolische Kirche in Osttimor zwölf Gemeinden mit etwa 800 Mitgliedern und 29 Seelsorgern.
Mit der Übergabe der Verantwortung an die Gebietskirche Südostasien beginnt für die Gemeinden in Osttimor ein neues Kapitel. Die seelsorgerische Betreuung erfolgt künftig aus geografischer Nähe, was eine engere Anbindung an die Nachbarländer und eine organisatorische Vereinfachung der kirchlichen Abläufe ermöglicht.
Apostel Aris Kusnandar, Bezirksapostel Edy Isnugroho und Apostel Dimitrios Diniz (v.l.)
20. Februar 2026
Text:
Frank Schuldt
Fotos:
Neuapostolische Kirche Westdeutschland
Datenschutzeinstellungen
Mit Hilfe einiger zusätzlicher Dienste können wir mehr Funktionen (z.B. YouTube-Video-Vorschau) anbieten. Sie können Ihre Zustimmung später jederzeit ändern oder zurückziehen.
Datenschutzeinstellungen
Diese Internetseite verwendet notwendige Cookies, um die ordnungsgemäße Funktion sicherzustellen. Jeder Nutzer entscheidet selbst, welche zusätzlichen Dienste genutzt werden sollen. Die Zustimmung kann jederzeit zurückgezogen werden.
Einstellungen
Nachfolgend lassen sich Dienste anpassen, die auf dieser Website angeboten werden. Jeder Dienst kann nach eigenem Ermessen aktiviert oder deaktiviert werden. Mehr Informationen finden sich in der Datenschutzerklärung.