Neuapostolische Kirche
Westdeutschland
Osttimor/Dili. „Für die neuapostolischen Christen in Osttimor waren es zwei unvergessliche Tage“, berichtet Apostel Dimitrios Diniz. Erstmals besuchte Anfang Juni 2024 ein Stammapostel das Land. Gleichzeitig war es die letzte Auslandsreise von Bezirksapostel Storck.
Stammapostel Jean-Luc Schneider traf am Freitagmorgen, 31. Mai 2024, in Dili ein, der Hauptstadt von Osttimor. Ihn begleitete als Gastapostel Bezirksapostel Edy Isnugroho (Indonesien).
Es war der erste Besuch eines Stammapostels in Osttimor. Der demokratische Inselstaat liegt in Südostasien, nördlich von Australien. Neuapostolische Gemeinden wurden dort nach der Unabhängigkeit 2002 durch den damaligen Apostel Armin Brinkmann gegründet.
Gottesdienst für Amtsträger
Am Samstagvormittag hielt Stammapostel Schneider einen Gottesdienst für die Amtsträger des Landes und ihre Gattinnen sowie die Lehrkräfte in der Kirche in Bairro Pité im Zentrum der Hauptstadt Dili. Grundlage für die Predigt war das Bibelwort aus Römer 15,29: „Ich weiß aber: Wenn ich zu euch komme, werde ich mit dem vollen Segen Christi.“ 93 Gläubige waren vor Ort.
Der Stammapostel ermunterte die Seelsorger, den bei der Ordination empfangenen geistlichen Segen zu nutzen: „Gott segnet seine Diener, indem er ihnen die Kraft gibt, den ihnen anvertrauten Auftrag zu erfüllen.“ Jesu sende die Geistlichen zu den Gläubigen, um ihnen Segen zu überbringen.
Zentraler Festgottesdienst in Dili
Am Sonntagmorgen hatten sich die Gläubigen aus allen zehn Gemeinden Osttimors in der Deltahalle in Dili eingefunden. Kinder begrüßten die Gäste schon vor der Kirche mit Musik und geleiteten sie in das Gebäude.
In der Predigt ermunterte der Stammapostel die über 500 Gläubigen, entschlossen den Willen Gottes zu tun. Als Grundlage diente das Bibelwort aus Jakobus 1,23.24: „Denn wenn jemand ein Hörer des Worts ist und nicht ein Täter, der gleicht einem Menschen, der sein leibliches Angesicht im Spiegel beschaut; denn nachdem er sich beschaut hat, geht er davon und vergisst von Stund an, wie er aussah.“
Predigt und Vorbilder als Spiegel
Der Stammapostel erläuterte, dass es nicht ausreiche, Gottesdienste zu besuchen, zu beten und in der Kirche mitzuarbeiten, um bei der Wiederkunft von Christus angenommen zu werden. Es bedürfe einer geistlichen Entwicklung, einer wahrhaftigen inneren Verwandlung. Gott helfe den Menschen, den eigenen Fortschritt dieses Wandels zu beurteilen. Dazu dienten beispielsweise die Predigt oder Vorbilder in der Gemeinde. „Gott lässt auch Prüfungen zu, die uns helfen, uns selbst besser kennenzulernen.“
Am Ende zähle die eigene Entschlossenheit, Fortschritte zu machen, und die hervorgebrachten Bemühungen. „Wir wollen das Böse überwinden und in Christus wachsen“, rief der Stammapostel auf.
Der Gottesdienst wurde Satz für Satz vom Englischen ins Portugiesische und in die Stammessprache Tetum übersetzt. Weitere Predigtbeiträge kamen von den Bezirksaposteln Isnugroho und Storck.
Abschied mit Musik und Tanz
Nach dem Gottesdienst wurden der Stammapostel, Bezirksapostel Storck und die weiteren Besucher von den Kindern sowie typischen traditionellen Tänzen verabschiedet. „Für meine Glaubensgeschwister waren es zwei unvergessliche Tage“, schreibt der für Osttimor zuständige Apostel Dimitrios Diniz in seinem Reisebericht. „Nach den Gottesdiensten wollten sie unseren Stammapostel gar nicht mehr loslassen und haben viele Fotos mit ihm gemacht.“
Am Montagmittag, 3. Juni 2024, traten Bezirksapostel Storck und die Apostel Pöschel und Diniz die lange Heimreise nach Europa an. Für den Bezirksapostel war es die letzte Auslandsreise im aktiven Amtsauftrag vor der Ruhesetzung drei Wochen später. Stammapostel Schneider blieb in Denpasar (Bali), wo er am Dienstagabend einen weiteren Gottesdienst hielt.
Osttimor – ehemalige portugiesische Kolonie
Osttimor war rund 400 Jahre portugiesische Kolonie. Nach dem Abzug der Portugiesen 1974 besetzten die Indonesier ihr Nachbarland. Es folgte ein mehr als 20 Jahre andauernder Krieg auf der Insel Timor. Bei einem UN-Referendum 1999 sprach sich die Mehrheit der Bevölkerung für die Unabhängigkeit aus. Nach der indonesischen Besetzung und der UN-Verwaltung wurde Osttimor 2002 unabhängig. Es war damit der erste Staat, der im 21. Jahrhundert die Unabhängigkeit erlangte.
Die einzige Landgrenze trennt die Demokratische Republik Timor-Leste vom indonesischen Westteil der Insel. Osttimor zählt heute 1,3 Millionen Einwohner. Die Neuapostolische Kirche hat dort rund 800 Mitglieder.
2. Juli 2024
Text:
Frank Schuldt
Fotos:
Dimitrios Diniz
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