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Zwischen Dunkelheit und Hoffnung:
Kreuzweg-Andacht in Münster

 

Westdeutschland/Münster. Christen weltweit begehen die Karwoche und erinnern an das Leiden und Sterben Jesu Christi. Eine Andacht unter dem Titel „Der Kreuzweg“ nahm die Besucher am 1. April in der Gemeinde Münster-Mitte mit auf einen Weg, der nicht beim Licht endet – sondern in der Dunkelheit des Karfreitags stehen bleibt.

Gedämpftes Licht, stille Erwartung: Der Kirchenraum der Gemeinde Münster-Mitte ist abgedunkelt, während draußen die Sonne untergeht. Nur der Beamer wirft sein Licht nach vorn und zeigt die einzelnen Stationen des Kreuzweges – ergänzt durch künstlerische Darstellungen der Szenen. Auf den Fensterbänken flackern Teelichter. Es ist ruhig im Raum.

Schon zu Beginn wurde deutlich, worum es an diesem Abend gehen sollte. In einem Gebet bat eine Diakonin darum, dass die Anwesenden nicht nur zuhören, sondern innerlich mitempfinden können: die letzten Stunden Jesu, die Verunsicherung seiner Jünger, die Spannung zwischen Hoffnung und Verzweiflung.

Den Leidensweg bewusst nachvollziehen

Zentrales Element der Andacht ist der Kreuzweg mit seinen 14 Stationen. Diese Tradition reicht bis in die frühen Jahrhunderte des Christentums zurück und wurde im Laufe der Zeit erweitert. Die Stationen zeichnen den Weg Jesu von der Verurteilung bis zur Grablegung nach.

In Münster werden die einzelnen Stationen in einer klaren Struktur dargestellt: Erklärtexte, biblische Berichte und Impulse wechseln sich ab. Ergänzt wird dies durch Musik, Gemeindegesang, Fürbitten und Zeiten der Stille. Die Beiträge werden von der Empore aus vorgetragen, sodass der Fokus ganz auf den Bildern und Texten liegt.

Inhaltlich rückt besonders der Karfreitag in den Mittelpunkt. Die Verurteilung Jesu, sein Weg unter dem Kreuz, die Begegnungen mit Menschen am Rand des Geschehens und schließlich die Kreuzigung werden Schritt für Schritt betrachtet. Dabei geht es nicht nur um das historische Geschehen, sondern auch um persönliche Fragen: Wo stehen wir heute? Wo urteilen wir vorschnell? Wo helfen wir – oder bleiben passiv?

„Gottes Liebe bewährt sich nicht darin, Leid zu verhindern, sondern darin, es mitzutragen“, lautet ein zentraler Gedanke aus den Impulsen der Andacht.

Impulse zwischen Mitgefühl und Verantwortung

Die Texte greifen immer wieder aktuelle Bezüge auf. So wird etwa die Rolle der „Vollstreckungshelfer“ thematisiert – Menschen, die Unrecht nicht selbst verursachen, es aber durch ihr Handeln mittragen. Auch die Frage nach echtem Mitgefühl zieht sich durch die Stationen: Mitleid allein genügt nicht, entscheidend ist die Bereitschaft zur Veränderung.

In den Fürbitten wird für Menschen gebetet, die unter Krankheit, innerer Enge oder Angst leiden. Die Anliegen verbinden das biblische Geschehen mit den Herausforderungen der Gegenwart.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Gemeinschaft im Leid. Selbst im Moment größter Einsamkeit, so wurde herausgestellt, stellte Jesus noch Verbindung her – etwa im Wort an seine Mutter und den Jünger unter dem Kreuz.

Ein bewusst offenes Ende

Anders als in vielen Gottesdiensten endete die Andacht am Mittwochabend nicht mit einem Ausblick auf Ostern. Nach der letzten Station – der Grablegung Jesu – blieb die Perspektive bewusst beim Karfreitag stehen.

Das Licht im Kirchenraum erlosch, die Präsentation wurde abgeschaltet. Nur die Kerzen auf den Fensterbänken blieben sichtbar. In dieser Stille verließen die Besucher den Raum – ohne Schlußlied, ohne abschließende Worte.

So blieb die Andacht bei dem, was die Jünger damals erlebten: ein Ende ohne Auflösung, geprägt von Trauer, Ungewissheit und offenen Fragen.

2. April 2026
Text: Frank Schuldt
Fotos: Frank Schuldt

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