Neuapostolische Kirche
Westdeutschland
Westdeutschland/Werne. Stammapostel Schneider besuchte am Sonntag, 10. Mai 2026, die Gebietskirche Westdeutschland. In seiner Predigt ging es um den Auftrag der Christen, trotz ausbleibender Erfolge weiter von Jesus Christus zu sprechen. Grundlage war das biblische Geschehen mit den Jüngern, die nach einer erfolglosen Nacht doch noch ein volles Netz Fische fingen.
Im Kolpingsaal in Werne an der Lippe hielt Stammapostel Jean-Luc Schneider seinen letzten Gottesdienst als amtierender Stammapostel in der Gebietskirche Westdeutschland. In zwei Wochen wird er an Pfingsten in den Ruhestand treten. Apostel Helge Mutschler, als Stammapostelhelfer ernannt und sein Nachfolger, war ebenfalls vor Ort. Zudem hatte der Stammapostel seinen Vorgänger, Stammapostel i.R. Wilhelm Leber, sowie die europäischen Bezirksapostel im Ruhestand eingeladen.
Grundlage der Predigt im Gottesdienst war das Bibelwort aus Johannes 21,5.6: „Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: 'Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten es nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.'“
Das Netz weiter auswerfen
Wie allgemein christlich verstanden werde, stehe das Boot für die Kirche Jesu Christi, das Netz für das Evangelium und die Fische für die Menschen, die zu Jesus Christus geführt werden sollen, erläuterte Stammapostel Schneider zu Beginn seiner Ausführungen. Die Aufgabe richte sich an die Kirche und in besonderer Weise an die Apostel, Menschen zu Jesus Christus zu führen.
Die Situation der Jünger, die trotz aller Mühe zunächst nichts gefangen hatten, verglich er mit der heutigen Situation vieler Christen und Gemeinden. Vieles scheine schwieriger geworden zu sein. Viele Christen hätten heute den Eindruck, dass die Verkündigung kaum noch Menschen erreiche und vieles erfolglos bleibe, führte der Stammapostel aus. Daraus dürfe jedoch keine Resignation entstehen.
„Nicht aufgeben, das Netz weiter auswerfen“, sagte Stammapostel Schneider. Jesus Christus selbst mache deutlich, dass noch Menschen zu ihm finden sollten.
Von Jesus Christus sprechen
Die Verkündigung beginne im persönlichen Umfeld, zunächst in der eigenen Familie. Dabei gehe es nicht zuerst um Diskussionen über Kirche, Gemeinden oder Leitung: „Lasst uns nicht aufhören, vom Wirken Jesu Christi, von seiner Liebe, von seinem Plan und von seiner Wiederkunft zu sprechen“, sagte Stammapostel Schneider. Gerade innerhalb der Familien und mit den eigenen Kindern müsse der Glaube weiterhin Thema bleiben.
Weiterhin ging der Stammapostel auf die Verantwortung jedes einzelnen Christen ein, offen über seinen Glauben zu sprechen. In einer Zeit, in der viele Menschen ihre Meinung selbstverständlich äußern, sollten Christen den Mut haben, das Evangelium sichtbar und hörbar weiterzugeben. Entscheidend sei dabei nicht Anpassung, sondern Orientierung an Jesus Christus und seinem Evangelium.
Die Fische sind nicht immer dort, wo man sie erwartet
Der Stammapostel rief dazu auf, das Evangelium nicht nur dort weiterzugeben, wo Interesse erwartet werde. „Die Fische sind nicht unbedingt da, wo wir meinen“, sagte er. Christen sollten den Mut haben, auch mit Menschen zu sprechen, die keinen christlichen Hintergrund haben. Die ersten Christen hätten das Evangelium ebenfalls Menschen verkündet, die zuvor keinen Bezug zu Christus hatten.
Zugleich betonte er, dass die Verkündigung nach den Empfehlungen Jesu Christi geschehen müsse. Die Jünger seien erst erfolgreich gewesen, als sie genau das getan hätten, was Christus ihnen aufgetragen habe. Es gehe nicht um volle Kirchen, sondern darum, Menschen zu Jesu Christi zu führen. „Wir bleiben bei der Wahrheit des Evangeliums“, sagte Stammapostel Schneider. Das Ziel sei nicht äußerer Erfolg, sondern Menschen zu wahrhaftigen Nachfolgern Jesu Christi zu führen.
Die Motivation müsse Liebe zum Nächsten sein, nicht der Wunsch nach Anerkennung oder persönlichem Erfolg.
Ein Netz, das nicht zerreißt
Im zweiten Teil der Predigt wechselte der Stammapostel die Perspektive. Das volle Netz stehe auch für die Vielfalt der Menschen in der Kirche: Junge und Alte, Arme und Reiche, Menschen aus verschiedenen Kulturen, Menschen mit unterschiedlichen Sichtweisen und Prägungen. „Das Netz wird nicht zerreißen“, sagte er.
Die Aufgabe der Apostel und der Gemeinden sei nicht, zu sortieren. Entscheidend sei, alle zu Christus zu führen. Dafür müsse sich die Kirche auf das Wesentliche konzentrieren: das Evangelium Jesu Christi. Traditionen, Gewohnheiten und persönliche Meinungen dürften nicht wichtiger werden als das, was heilsrelevant sei.
Gerade darin liege auch die Herausforderung für die Kirche, erläuterte der Stammapostel weiter. Unterschiedliche Sichtweisen und kulturelle Prägungen würden bleiben. Dennoch könne das Evangelium Menschen verbinden. Es benötige die Bereitschaft, sich immer wieder auf das Wesentliche auszurichten und eigene Ansichten zurückzustellen. Die Liebe zu den Menschen und der Wunsch, alle mitzunehmen, müssten dabei leitend bleiben.
Zum Abschluss dieses Predigtteils verwies Stammapostel Schneider darauf, dass die Jünger das schwere Netz nur noch eine kurze Strecke bis zum Ufer ziehen mussten. Darin liege auch ein Hinweis auf die Hoffnung der Christen auf die Wiederkunft Jesu Christi. Mit Blick darauf sagte der Stammapostel: „Eine kleine Weile noch.“
Weitere Predigtbeiträge
Stammapostelhelfer Helge Mutschler griff den Gedanken des Stammapostels auf und verwies auf die Anrede Jesu an die Jünger als „Kinder“. Trotz ihrer Erfolglosigkeit mache Christus ihnen keinen Vorwurf, sondern ermutige sie zu einem neuen Anfang. Das Netz beschrieb der Stammapostelhelfer als ein Geflecht aus Liebe und Beziehungen, mit dem Menschen zu Jesus Christus geführt werden sollten.
Apostel Anatolij Budnyk (Ukraine) berichtete von der Situation in seiner Heimat. Trotz Krieg, Zerstörung und Flucht erlebe er, dass Menschen nach geistlicher Orientierung suchten. Der Glaube gebe Perspektive über die aktuelle Not hinaus.
Apostel Vasile Cone (Rumänien) sprach über Hoffnung trotz Müdigkeit und schwieriger Zeiten. Das Evangelium bleibe gültig, auch wenn Menschen sich verändern müssten. Christus sage jedem: „Gib nicht auf.“
Auch in der Feier des Heiligen Abendmahls griff der Stammapostel die Gedanken der Predigt wieder auf. Christen kämen als Kinder Gottes zu Jesus Christus und seien auf seine Gnade angewiesen. Zugleich rief er dazu auf, die eigene Glaubwürdigkeit immer wieder zu hinterfragen und das Evangelium im Alltag sichtbar werden zu lassen.
Gedanken zu Flucht und Migration
Nach dem Gottesdienst kam Stammapostel Schneider noch einmal auf den Gedanken zurück, dass „die Fische nicht unbedingt da sind, wo wir meinen“. Mit Blick auf geflüchtete Menschen betonte er, es stehe ihm nicht zu, Regierungen oder der Gesellschaft Ratschläge zur Migrationspolitik geben zu wollen. Ihm gehe es um die persönliche Beziehung zum Nächsten.
Dabei formulierte er einen Gedanken, der zum Nachdenken anregen solle: Vielleicht führe Gott Lebenswege auch so, dass Menschen ihre Heimat verlassen und dadurch überhaupt erst mit dem Evangelium in Berührung kämen. Als Beispiel nannte er Menschen muslimischer Herkunft, die in Deutschland die Möglichkeit hätten, Jesus Christus kennenzulernen.
Christen sollten deshalb vorsichtig sein mit vorschnellen Urteilen und offen bleiben für das Wirken Gottes.
Chormusik
Zum Gottesdienst im Kolpingsaal waren alle Kirchenmitglieder aus dem Kirchenbezirk Hamm eingeladen. Für die musikalische Mitgestaltung sorgte der Bezirkschor Hamm, der für den Gottesdienst um Sängerinnen und Sänger aus den Gemeinden des Bezirks erweitert wurde.
Empfangsstörung in 40 Gemeinden
Zu Beginn des Gottesdienstes kam es im IPTV-Portal zu technischen Problemen: Aufgrund einer fehlerhaften Lastverteilung im IPTV-Netzwerk fiel bei rund 40 der etwa 400 angeschlossenen Gemeinden das Signal aus. Ebenfalls betroffen waren einige direkt im IPTV-Portal angeschlossene Zuschauer. Nach etwa 20 Minuten konnte die Übertragung für alle wiederhergestellt werden.
Im YouTube-Kanal der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland wurde ein ausführlicher Zusammenschnitt des Gottesdienstes inklusive der Hauptpredigt veröffentlicht.
Ursache der technischen Herausforderungen waren zusätzliche Backup- und Sicherungsmaßnahmen für die internationale Übertragung des Pfingstgottesdienstes in zwei Wochen, die zu unerwarteten Wechselwirkungen führten. Die Fehlerursache ist inzwischen erkannt und behoben worden. Anlässlich der Pfingstübertragung erweitert der zuständige Bischoff-Verlag derzeit das IPTV-Sendenetzwerk um zusätzliche technische Sicherungen, wie doppelt vorhandene Sendetechnik mit unterschiedlichen Verteilnetzwerken.
Stammapostel Schneider in Werne
12. Mai 2026
Text:
Frank Schuldt
Fotos:
Frank Schuldt
Datenschutzeinstellungen
Mit Hilfe einiger zusätzlicher Dienste können wir mehr Funktionen (z.B. YouTube-Video-Vorschau) anbieten. Sie können Ihre Zustimmung später jederzeit ändern oder zurückziehen.
Datenschutzeinstellungen
Diese Internetseite verwendet notwendige Cookies, um die ordnungsgemäße Funktion sicherzustellen. Jeder Nutzer entscheidet selbst, welche zusätzlichen Dienste genutzt werden sollen. Die Zustimmung kann jederzeit zurückgezogen werden.
Einstellungen
Nachfolgend lassen sich Dienste anpassen, die auf dieser Website angeboten werden. Jeder Dienst kann nach eigenem Ermessen aktiviert oder deaktiviert werden. Mehr Informationen finden sich in der Datenschutzerklärung.