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Seminar: Präventiv gegen sexuelle Gewalt

Seminar: Präventiv gegen sexuelle Gewalt

 

Hochdahl/Dortmund. Mehr als 30 Lehrkräfte, Eltern und Seelsorger nahmen am Seminartag zum Thema „Prävention von sexueller Gewalt an Kindern“ teil. Die zweite Veranstaltung zu diesem Thema fand am 30. Oktober 2010 im Seminarzentrum der Neuapostolischen Kirche in Erkrath-Hochdahl statt. Experten verschiedener sozialer und staatlicher Einrichtungen informierten dabei über die sensible und aktuelle Thematik.

„Wir wollen mit der Veranstaltung die Lehrkräfte und Seelsorger über das Kriminalitätsphänomen informieren und bewusst machen, wie wichtig eine Kultur des Hinsehens und des Vertrauens ist, um damit sexuelle Gewalt an Kindern zu verhindern und zu verhüten“, erläuterte Bischof Manfred Bruns, Initiator der Veranstaltung, zu Beginn. Glücklicherweise sind in den letzten Jahren nur sehr wenige Vorfälle dieser Art bekannt geworden, aber das Phänomen der sexuellen Gewalt gehe durch alle Bevölkerungsschichten. Auch Gemeindemitglieder können betroffen sein.

Gezielt eingeladen

„Solche Vorfälle wird es in 430 Gemeinden mit etwa 4.350 ehrenamtlich tätigen Seelsorgern und weiteren Lehrkräften auch innerhalb unserer Kirche geben, denn niemand kennt die Dunkelziffer“, führte er aus. Die Prävention sexueller Gewalt sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der sich die Neuapostolische Kirche durch das Seminarangebot stelle.

Deshalb wurden im Vorfeld neben Erziehenden auch gezielt Seelsorger und Lehrkräfte eingeladen. Sie sollen jeden Hinweis auf sexuellen Missbrauch bei Kindern ernst nehmen und mit Zustimmung des Opfers weiterleiten. Unter den Teilnehmern waren auch Lehrkräfte von schulischen Einrichtungen aus Erkrath sowie Eltern von in Kindergärten betreuten Kindern, die über Plakataushänge auf die Veranstaltung hingewiesen worden waren.

Gremium als Ansprechpartner innerhalb der Kirche

In der Neuapostolischen Kirche haben Opferschutz und Opferhilfe höchste Priorität. „Behörden und Fachinstitutionen bieten in solchen Fällen Kindern und Eltern Hilfe an“, erläuterte Bischof Bruns. Innerkirchlich gebe es ein Gremium, das Verdachtsmeldungen entgegen nimmt und bei Bekanntwerden von entsprechenden Vorfällen Hilfe anbietet.

Die Gruppe steht unter Leitung von Apostel Rainer Storck. Mitglieder sind neben Bischof Bruns unter anderem eine Kinderpsychologin, ein Psychotherapeut und ein Rechtsanwalt.

Verschiedene Experten

In drei Gesprächskreisen standen nachmittags die Experten Rede und Antwort. In Gruppe I ging es unter anderem um die rechtlichen Aspekte und die Strafverfolgung. Psychotherapeutin Gertrud Kotowicz betonte, dass jeder Vorfall individuell behandelt werden müsse. Bei Verdachtsfällen sollten sofort Beratungsstellen oder das Jugendamt eingeschaltet werden. „Viele Opfer leiden darunter, dass ihnen nicht geglaubt wird – gerade innerhalb einer Familie“, so eine der Expertinnen.

In Gruppe II wurde diskutiert, wie sich Folgestraftaten verhindern lassen. „Wir raten nicht in jedem abstrakt geschilderten Fall zu einer Strafanzeige, da eine Gerichtsverhandlung für das Opfer eine zusätzliche Belastung darstellen kann“, erläuterte Kriminalhauptkommissarin Klaudia Guse vom Landkreis Mettmann.

Um Vorfälle innerhalb von Familien ging es auch in Gesprächsrunde III. Gerade diese Fälle seien sehr komplex und schwierig für alle Beteiligten, bewertete Susanne Hentschel vom Jugendamt Hilden: „In einem solchen Fall sind wir dazu da, dem Opfer zu helfen.“ Bischof Bruns unterstrich, wie wichtig es ist, dass Seelsorger und Lehrkräfte in den Gemeinden eine Vertrauenskultur schaffen und für Kinder in Bedrängnis als Ansprechpartner, die ihnen glauben, zur Verfügung stehen.

Zusammenfassung im Plenum

Zum Abschluss des Seminartags stellten die Gruppen die Ergebnisse der Diskussionen im Plenum vor. Bischof Manfred Bruns betonte dabei nochmal das Anliegen der Kirche, Amtsträger und Seelsorger für das Thema zu sensibilisieren.

In Kürze beschäftigt sich der „Elternbrief“ mit der Thematik und empfiehlt, einen Kinder stark machenden Erziehungsstil zu wählen, der sie befähigt, bei Unwohlsein „Nein“ zu sagen. Alle Teilnehmer könnten nun als Multiplikatoren wirken und für die Problematik sensibilisieren.

Ansprechpartner für Betroffene

Bei Hinweisen auf sexuelle Gewalt rät die Neuapostolische Kirche, sich an Bischof Manfred Bruns, Referat Seelsorge, Telefon 0231 57700-54 oder die örtlichen staatlichen oder privaten Hilfeeinrichtungen zu wenden. Betroffenen steht das Beratungsgremium der Neuapostolischen Kirche Nordrhein-Westfalen mit fachlicher und seelsorgerischer Kompetenz beratend zur Verfügung und ist über das Referat Seelsorge oder unmittelbar über Apostel Rainer Storck erreichbar.

Seminar: Präventiv gegen sexuelle Gewalt

4. November 2010
Text: Frank Schuldt
Fotos: Frank Schuldt

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