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Neue Orgel in Altenessen

Orgel in Altenessen eingeweiht

 

Essen. Mit dem Choral "Großer Gott wir loben dich" ertönte nach gut einjähriger Bauzeit zum ersten Mal die neu konzipierte Pfeifenorgel in der neuapostolischen Kirche in Altenessen. Im Beisein der Orgelbaumeister der ausführenden Kölner Orgelbauwerkstätte ließ Wolf-Rüdiger Spieler die Pfeifen des imposanten Instrumentes zu Beginn des Wochengottesdienstes am Mittwoch, 7. Mai 2014, erklingen.

Spieler war als Orgelsachverständiger der Neuapostolischen Kirche Nordrhein-Westfalen maßgeblich an der klanglichen Planung des neuen Instrumentes beteiligt. Die handwerklichen und intonationstechnischen Arbeiten lagen in Händen der Mitarbeiter von Orgelbau Willi Peter. Gemeinsam ist es ihnen gelungen, aus dem alten Pfeifenwerk der ehemaligen Altenessener Orgel, einem Register aus einer stillgelegten Bielefelder Orgel und einigen neuen Pfeifenregistern, ein Instrument zu kreieren, das ein völlig neues Klangerlebnis ermöglicht.

Bezirksevangelist Uwe Hillen aus Essen, der den Gottesdienst mit der Gemeinde Altenessen an diesem Mittwochabend feierte, nahm in seiner Predigt mehrfach Bezug auf die Orgel. Ihre Musik sei ein Wegbegleiter zum Gotteslob in einer Gemeinde. Dazu biete sie manchmal ein kräftiges Tutti, wenn das volle Orgelwerk zum Einsatz kommt, manchmal aber auch ein leises Spiel mit zarten Schwingungen.

Halleluja! Lobet Gott

Quasi als ein Willkommensgruß an die Gemeinde richtete er die Worte des 150. Psalms, der den Abschluss des auch "Lieder- und Gebetsbuch Israels" genannten Psalters bildet: "Halleluja! Lobet Gott in seinem Heiligtum, lobet ihn in der Feste seiner Macht! Lobet ihn für seine Taten, lobet ihn in seiner großen Herrlichkeit! Lobet ihn mit Posaunen, lobet ihn mit Psalter und Harfen! Lobet ihn mit Pauken und Reigen, lobet ihn mit Saiten und Pfeifen! Lobet ihn mit hellen Zimbeln, lobet ihn mit klingenden Zimbeln! Alles, was Odem hat, lobe den Herrn! Halleluja!"

Mit dem Wunsch "Immer, wenn dieses Instrument erklingt, mag Gottes Lob in euren Herzen stehen", übergab der Bezirksevangelist die Orgel der Gemeinde. Und so konnte an diesem Abend schon reichlich Gotteslob praktiziert werden, denn anstelle des Gemeindechores trat die Orgel in Aktion. Wolf-Rüdiger Spieler nutzte dabei die Gelegenheit, erste Eindrücke vom Klangreichtum des Instrumentes zu vermitteln.

Musik - eine Gottesgabe

In seiner Ansprache an die beiden Inhaber und Orgelbaumeister von Orgelbau Willi Peter, Christoph Böttcher und Thomas Kötschau, äußerte Uwe Hillen noch einmal Dank Gott gegenüber, der Menschen die Gabe der Musik geschenkt habe, aber auch die Gabe, Instrumente zu bauen, mit denen Musik erklingen könne.

Sein Dank ging ebenfalls an Wolf-Rüdiger Spieler, der für die klangliche Ausrichtung der Orgel verantwortlich zeichnete und schon in der vor zwei Jahren begonnenen Planungsphase erheblichen Anteil am Orgelbauprojekt in Altenessen gehabt habe. Auch der Gemeinde galt Dank, die über die lange Umbauphase hinweg nach wie vor Gottesdienste in ihrer Kirche feierte und sich während dieser Zeit mit einem mit Baugerüsten versehenen Altarraum begnügte.

Vorstellung des Instrumentes

Christoph Böttcher von der Orgelbaufirma Willi Peter wendete sich nach dem Gottesdienst ebenfalls mit einigen Grußworten an die Gemeindemitglieder. Ihm und seinen Mitarbeitern seien während der Zeit des Umbaus der Orgel stets viel Wohlwollen entgegengebracht worden. Das sei längst nicht überall so, wusste er zu berichten und sagte aufrichtig Dank.

Anschließend stellte Christoph Böttcher die einzelnen Registergruppen des Instrumentes vor und Wolf-Rüdiger Spieler gab dazu die entsprechenden Klangbeispiele zu Gehör. Dabei stellte er die Registerfamilien der sogenannten Prinzipale und der Flöten vor und erklärte den Unterschied von Pfeifen, die den Ton erzeugen wie bei einer Blockflöte und solchen, die den Ton erzeugen durch eine schwingende Metallzunge.

23 Register und 1300 Pfeifen

Die Altenessener Orgel besitzt gleich drei solcher sogenannter Zungenregister, die der Orgel einen besonderen Charme verleihen. Insgesamt verfügt die Orgel über etwa 1.300 Pfeifen, die 23 verschiedenen Registern zugeordnet sind. Vier dieser Register sind über das Spiel des Orgelpedals zu erreichen. Dort erklingen die tiefsten Pfeifen und bilden das Fundament des Klanges.

Die andern Pfeifen werden über zwei verschiedene Tastaturreihen angespielt. Im unteren Manual werden die zehn Register gespielt, die im linken Teil der beiden rechts und links vom Altar angeordneten Orgelwerke stehen. Über das obere Manual erreicht der Organist mit neun Registern die Pfeifen im rechten Teil der Orgel. Unterschiedliche Klangcharaktere seien über die Auswahl der Register erreicht worden, so Orgelbaumeister Böttcher. Das linke Werk, das sogenannte Hauptwerk, gibt einen eher liturgischen Klang ab, auf der anderen Seite habe man auf einen meditativen Charakter des Klangs gesetzt.

Haupt- und Schwellwerk

Die Pfeifen in diesem Teil stünden außerdem in einem Schrank, der sich durch Jalousien öffnen und schließen lasse. So könne der Klang der hier untergebrachten neun Register an- und abschwellen, weshalb man solch ein Werk auch Schwellwerk nenne, wusste Böttcher fachmännisch zu erläutern.

Bereits vor dem Gottesdienst hatte Wolf-Rüdiger Spieler den örtlichen Orgelspielern den modernen Orgelspieltisch mit all seinen Funktionen erklärt. Gewöhnungsbedürftig ist die Platzierung des Spieltisches im hinteren Viertel des Kirchsaales. So kann der Organist den Klang seines Spiels in gleicher Weise hören wie alle Zuhörer ebenfalls.

Neubau statt Restauration

Die Neuapostolische Kirche Nordrhein-Westfalen investierte in dieses Orgelprojekt 200.000 Euro, so Wolf-Rüdiger Spieler. Grund für diesen Neubau habe die ehemalige Orgel selbst gegeben. Das mittlerweile  in die Jahre gekommene Instrument habe immer mehr Reparaturkosten verschlungen und eine gründliche Restaurierung sei unausweichlich gewesen. So habe man sich für die auf Dauer kostengünstigere Alternative entschieden.

Für die zweite Jahreshälfte 2014 plant die Gemeinde Altenessen ein Orgelkonzert mit Wolf-Rüdiger Spieler, in welchem neben den Gemeindemitgliedern auch der Stadtöffentlichkeit und den interessierten Musikern der benachbarten Kirchengemeinden die neue Orgel vorgestellt werden soll.

Neue Orgel in Altenessen

16. Mai 2014
Text: Günter Lohsträter
Fotos: Günter Lohsträter

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