Neuapostolische Kirche
Westdeutschland
Essen. Gemeindemitglieder sowie Gäste aus Politik und Ökumene versammelten sich am Samstag, dem 20. Januar 2024 zu einer Feierstunde in der neuen Kirche der Gemeinde Essen-Mitte. Nach der Einweihung durch Bezirksapostel Rainer Storck im Weihnachtsgottesdienst 2023 fand nun die symbolische Schlüsselübergabe statt.
Die Stadt Essen hat ein neues Kirchengebäude. An der Franziskastraße 46 ist am 25. Dezember 2023 die neuapostolische Kirchengemeinde Essen-Mitte eingezogen. 258 Sitzplätze zählt das Gebäude. Bei Bedarf kommen weitere 60 Plätze über zuschaltbare Nebenräume hinzu. Insgesamt knapp vier Millionen Euro investierte die Neuapostolische Kirche in den Neubau am Standort der alten Kirche Essen-Rüttenscheid, die 2020 abgerissen worden war.
Cortenstahl-Fassade
Das neue Kirchengebäude ist ein Hingucker, wie die geladenen Gäste bei der Schlüsselübergabe am 20. Januar 2024 anerkennend lobten. Das liegt an der rostroten Cortenstahl-Fassade. Der Baustahl ist wetterfest, da er auf der Oberfläche unter der eigentlichen Rostschicht eine besonders dichte Sperrschicht ausbildet, die das Stahlteil vor weiterer Korrosion schützt.
Neben dem bekannten Haus der Essener Geschichte gibt es in der Stadt nun mit der Neuapostolischen Kirche ein weiteres Gebäude, das an die Geschichte des Ruhrgebiets und insbesondere der Stadt Essen erinnert.
Buntes und tatkräftiges Leben
Der Essener Bürgermeister Rolf Fliß sprach der Neuapostolischen Kirche und der Architektin Daria Kliem ein Kompliment für die schöne Konzeption des Gebäudes aus. „Die Cortenstahl-Fassade hat mein Herz erfreut.“ Er lobte auch die Barrierefreiheit des Gebäudes, die langlebige und nachhaltige Konstruktion sowie energetische Vorteilhaftigkeit, zu der beispielsweise eine Erdwärmepumpe gehört.
„Mit dem neuen Kirchengebäude setzen sie ein Zeichen – ein Ort, wo man zusammenrückt, an dem es Spaß macht, sich zu treffen, in Erinnerungen zu schwelgen oder auch wichtige Entscheidungen fürs Leben zu treffen.“ so Bürgermeister Fliß. Sein Wunsch für die Gemeinde: „Viel buntes und tatkräftiges Leben in ihrer Kirche, mit Zuversicht und Gott an der Seite.“
Altes aufgeben, Neues wagen
Der evangelische Pfarrer i.R. Fritz Pahlke, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Essen, erinnerte an die Grundsteinlegung für das neue Kirchengebäude im März 2022. Dies sei ungewöhnlich gewesen, da in der heutigen Zeit eher Profanierungen und Abrisse von Kirchengebäuden stattfänden – Ereignisse, die mit Traurigkeit und Abschiednehmen verbunden sind. Nun erlebe die Gemeinde Essen-Mitte einen Neubeginn.
Ihm gefalle insbesondere das Fensterkreuz hinter dem Altar, das auch von der Straße deutlich zu sehen ist und die Funktion des Gebäudes als Gotteshaus deutlich macht. „Durch dieses Kreuz leuchtet Gottes Licht in die Kirche hinein.“ Er lobte, dass die Neuapostolische Kirche den Mut gehabt habe, Altes aufzugeben und Neues zu wagen, und wünschte der Gemeinde Gottes Segen für alles, was an diesem Ort geschehen werde.
Eine Gemeinde voller Möglichkeiten
Gemeindevorsteher Priester Michael Sokoll stellte den Besuchern des Festakts Eckpunkte der Gemeinde Essen-Mitte vor, die im März 2023 aus der Fusion der Gemeinden Rüttenscheid, Rellinghausen und Frohnhausen entstanden ist. Bereits in den Jahren zuvor waren verschiedene Essener Gemeinden mit der Gemeinde Rüttenscheid zusammengelegt worden. Dadurch deckt das Einzugsgebiet der Gemeinde Essen-Mitte inzwischen mehrere Essener Stadtbezirke ab.
Die Gemeinde zählt 267 aktive Mitglieder über alle Altersgruppen hinweg, die ein lebendiges Gemeindeleben gestalten. Priester Sokoll betonte das Engagement der Gemeindemitglieder, die sich in verschiedenen Teams um administrative, organisatorische und technische Dinge kümmern, Musik und Unterrichte gestalten, für die Pflege und Dekoration des Kirchengebäudes sorgen und vieles mehr gewährleisten.
Abschließend betonte Michael Sokoll, dass es darum gehe, dass die Kirche und die Gemeinde einen Raum zur Vorbereitung auf die Wiederkunft Jesu Christi biete. „Hier soll das die frohe Botschaft sichtbar werden.“ Die Gemeinde Essen-Mitte habe die Chance, mit ihren Mitgliedern christliches Leben aus der Fülle zu gestalten.
Ein Zuhause für die Gemeinde
Bezirksevangelist Holger Stramka, Leiter des örtlichen Kirchenbezirks Ruhr-Mitte, betonte, dass der Kirchenneubau ein starkes und hoffnungsfrohes Signal für christliches Leben setze. Auch wenn es nicht um das Gebäude, sondern um Gott gehe, sei es ein Geschenk, wenn eine Gemeinde ein Zuhause habe.
„Dadurch entsteht Raum für herzliche Gemeinschaft und die Begegnung mit Gott. Ein Ort, der allen Menschen offensteht.“ Bezirksevangelist Stramka wünschte der Gemeinde den Segen Gottes und das Erleben seiner Gegenwart in ihrem neuen Gebäude.
Symbolische Schlüsselübergabe
Den letzten Beitrag der Feierstunde gestaltete Daria Kliem, Leiterin der Bauabteilung in der Verwaltung der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland. Sie dankte auch der Gemeinde, die sich 2020 bei der Präsentation der Baupläne mehrheitlich für die Stahlfassade ausgesprochen hatte. „Damit ist die Kirche zu einem Hingucker und Unikat geworden, passend zum Ruhrgebiet und zur Stadt Essen“, so Daria Kliem.
Durch das kreuzförmige Fenster an der Giebelwand sei das Gebäude als Haus Gottes erkennbar, die Architektur lenke die Betonung auf den Kirchensaal.
Nachhaltig – auch bei den Sitzbänken
Die Architektin hob die flexiblen Nutzungsmöglichkeiten hervor, die durch mobile Wände in den Nebenräumen erreicht werden. Zudem setze die Bauabteilung auf Nachhaltigkeit, was neben der modernen Wärmepumpentechnik durch Sitzbänke aus dem überarbeiteten Holz von Bänken profanierter Kirchen erreicht werde. „Ein Kirchenbau ist immer ein Gemeinschaftswerk“, so Daria Kliem und drückte ihre Freude und Dankbarkeit darüber aus, dass der Bau ohne Unfälle abgeschlossen werden konnte. Dafür dankte sie auch dem Architekturbüro Sascha Werth, das die Bauleitung übernommen hatte. „Das Wichtigste aber ist das Innenleben: Auch Gemeinde ist ein Gemeinschaftswerk“, so Daria Kliem.
„Ich wünsche der Gemeinde immer ein wohliges Gefühl und alles Gute.“ Mit diesen Worten übergab sie den symbolischen Schlüssel an Gemeindevorsteher Michael Sokoll. Zuletzt erläuterte Daria Kliem, dass die Pfeifenorgel aus dem alten Kirchengebäude übernommen worden sei und nach Überarbeitung auf der eigens dafür errichteten Empore einen neuen Platz gefunden habe. Auf einen klassischen Orgelprospekt wurde dabei verzichtet.
Damit leitete sie zu dem abschließenden Orgelstück über, das den offiziellen Teil des Festakts beendete. Im Anschluss hatte die Gemeinde noch zu einem Empfang eingeladen.
24. Januar 2024
Text:
Britta Leippe,
Frank Schuldt
Fotos:
Frank Schuldt
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