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Interview zum Bezirksapostelwechsel I:
„Mir war klar: Das soll mein Nachfolger sein“

 

Westdeutschland/Dortmund. In wenigen Tagen tritt Bezirksapostel Rainer Storck in den Ruhestand, Apostel Stefan Pöschel übernimmt die Leitung der Gebietskirche Westdeutschland. Im Gespräch berichten sie von der Vorbereitungszeit und den ersten gemeinsamen Reisen.

Bezirksapostel, seit Anfang April sind Sie fast ununterbrochen mit Apostel Pöschel auf Reisen. Wie ist Ihr Eindruck vom designierten Nachfolger?

Er macht sich gut, wir haben eine großartige Gemeinschaft miteinander gehabt, und ich bin sehr zuversichtlich für die Zukunft unserer Gebietskirche.

Apostel Pöschel, wie haben Sie die Zeit empfunden?

Es ist eine sehr intensive Zeit mit vielen neuen Eindrücken. Unser Bezirksapostel ist mein großer Bruder und wir gehen sehr freundschaftlich miteinander um. Er gibt sich alle Mühe, die zum Teil komplexen Strukturen und Besonderheiten in den von uns betreuten Gebieten zu erläutern. Trotzdem wird es wohl noch Zeit brauchen, bis ich halbwegs auf dem Stand meines Vorgängers sein werde.

Im April, direkt nach dem Einstieg in den Kirchendienst, waren Sie auf Einladung von Stammapostel Schneider eine Woche mit ihm in Südamerika auf Reisen. Wollte der internationale Kirchenleiter Sie besser kennenlernen?

Jeder Bezirksapostel und Bezirksapostelhelfer wird einmal im Jahr vom Stammapostel eingeladen, gemeinsam mit ihm eine internationale Reise zu unternehmen. Das dient wohl dazu, sowohl eine andere Gebietskirche, deren Strukturen und handelnden Personen kennenzulernen als auch eine „Mehrwert“-Zeit mit unserem Stammapostel zu verbringen. Mein Fazit der Reise: einfach klasse!

Bezirksapostel, im Herbst 2022 haben Sie bekannt gegeben, wer der Nachfolger wird. Nehmen Sie uns einmal mit: Wie kommt man zu einer solchen Entscheidung?

Dass ich nun in Kürze in den Ruhestand gehen werde, ist ja nicht erst seit ein paar Wochen bekannt, und man macht sich schon im Lauf der Jahre – ich spreche bewusst von Jahren – Gedanken darüber, wie es in der Gebietskirche weitergehen könnte. Dies auch vor dem Hintergrund, dass wir 2018 mit der Fusion zu Westdeutschland noch viel größer geworden sind. Ich habe mich früh damit beschäftigt und viel gebetet.

In diesem Fall ist es so gewesen, wie es oft ist: Es gibt keine Erleuchtung vom Himmel, und eine Stimme sagt: ‚Soundso muss es gemacht werden‘, sondern das ist ein Reifeprozess. Am Ende dieses Gebets- und Reifeprozesses ist die Sache aber klar: Man ist für sich ganz sicher: Das soll die Person sein, die künftig die Gebietskirche leitet.

Und das entscheidet ein Bezirksapostel allein?

Nein, es kommt noch ein zweiter Aspekt dazu: Mit meinen Gedanken und der gewonnenen Sicherheit gehe ich zum Stammapostel und mache ihm einen entsprechenden Vorschlag. Und wenn der Stammapostel dann gleicher Meinung ist, ist die Sache für mich rund, und die weiteren Schritte können eingeleitet werden.

Was zeichnet Apostel Pöschel besonders aus? 

Das sind seine Gelassenheit, seine Ruhe, seine sehr schnelle Auffassungsgabe. Er kennt sich mit Finanzen aus. Und er hat fast immer gute Laune. (lacht)

Apostel Pöschel, Sie sind jetzt seit anderthalb Jahren Bezirksapostelhelfer, sind im Dezember 2022 dazu ernannt worden. Jetzt haben Sie ein paar Einblicke in die Aufgaben eines Bezirksapostels erhalten. Was hat Sie da überrascht, und was freut Sie besonders?

Überrascht hat mich die Vielfalt der Aufgaben, die auf einem Bezirksapostel ruhen oder die er zu bewerkstelligen hat. Vorher war ich der Ansicht, durch bloßes Hinschauen schon einen genauen Eindruck davon zu haben – habe aber festgestellt: Es ist viel intensiver und viel breiter gefächert. Was mich erfreut hat in dieser Zeit, waren die Unvoreingenommenheit und die Herzenswärme, mit der ich schon vorauseilend willkommen geheißen wurde und werde.

Sie konnten jetzt erst zum April 2024 in den Kirchendienst wechseln. Das heißt, dass davor die Zeit sehr eingeschränkt war, unterwegs und im Ausland zu sein. Hat dies die Einarbeitung ein wenig erschwert?

Das war schon ein Spagat in der Zeit, als ich noch voll berufstätig war und der Bezirksapostel mir vieles dann immer nur in leichten Häppchen servieren konnte. Ich habe gemerkt: Es hätte schon mehr der Aufmerksamkeit bedurft. Wir versuchen aber, dies in diesen drei Monaten seit April in sehr intensiver Zusammenarbeit nachzuholen.

Sie sind bekennender BVB-Fan. Was denken Sie, wie viele Heimspiele werden Sie in der nächsten Saison live im Stadion verfolgen können?

Jetzt könnte man sagen, dass das ja in meiner Hand liegt, ich könnte ja meinen Dienstplan danach gestalten. (lacht). Nur der Deutsche Fußballbund könnte mir einen Strich durch die Rechnung machen.

Also, ich gehe realistisch davon aus, dass es weniger als fünf Spiele im Stadion in Dortmund sein werden.

Bezirksapostel Storck ist Schalke-Sympathisant. Hat das die bisherige Zusammenarbeit belastet?

Apostel Pöschel: Überhaupt nicht. (lacht) Das war etwas, was nie zwischen uns stand.

Bezirksapostel Storck: Das hängt ja auch damit zusammen, dass Schalke in der zweiten Liga spielt. Da gab es nicht viele Berührungspunkte.

Bezirksapostel und Kirchenpräsident zu sein, bedeutet hohe Verantwortung. Gibt es trotzdem etwas, auf das Sie sich freuen?

Ich freue mich darauf, viele Glaubensgeschwister in allen Erdteilen kennenzulernen, ich freue mich auf eine große Nähe zu den Glaubensgeschwistern, auch hier in unserem Stammgebiet Westdeutschland, ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den Seelsorgern und Beauftragten und ich freue mich auf alle Gottesdienste, die ich mit meinen Glaubensgeschwistern feiern darf.

Bezirksapostel, seit Ende März sind Sie beruflich schon in Rente. Wie kam es zu dieser Entscheidung, die letzten drei Monate ehrenamtlich zu gestalten? 

Mein gesetzliches Rentenalter ist genau mit meinem 66. Geburtstag gekommen. Ich habe auch noch Rentenansprüche aus früheren Tätigkeiten, sodass für mich die Entscheidung gefallen ist: Der Bezirksapostelhelfer fängt an, und warum sollen dann noch zwei – Bezirksapostel und Bezirksapostelhelfer – auf der Gehaltsliste stehen? So habe ich dann entschieden, auf meine Pension zurückzugreifen. Das war eine gute Entscheidung.

Wie gehen Sie den Ruhestand an? Haben Sie schon versucht, etwas Arbeitszeit zu reduzieren oder haben Sie schon Aufgaben abgegeben?

Ich habe das Gefühl, dass ich noch voll im Gedinge bin, wie man im Ruhrgebiet sagt (Anm. d. Red.: eine typische Leistungsentlohnung im Bergbau). Bei Entscheidungen, die weit in die Zukunft reichen, beteilige ich schon seit längerem den Bezirksapostelhelfer. Manche Dinge überlasse ich aber vollkommen ihm, das muss er verantworten.

Ansonsten, was meinen Ruhestand angeht: Ich habe keine Pläne dergestalt, dass ich mich beruflich irgendwie beschäftigen möchte. Ich weiß den Tag gut herumzubekommen, ich habe Kinder und Enkelkinder, ich will ein wenig mehr Sport machen, und wir schauen mal, wie sich das in den nächsten Monaten entwickelt.

Fortsetzung folgt ...

3. Juni 2024
Text: Frank Schuldt
Fotos: Fabian Reichart

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