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Interview zum Bezirksapostelwechsel II:
Vom Niederrhein und Westfalen
nach Angola und Guinea-Bissau

 

Westdeutschland/Dortmund. In wenigen Tagen tritt Bezirksapostel Rainer Storck in den Ruhestand, Apostel Stefan Pöschel übernimmt die Leitung der Gebietskirche Westdeutschland. Im zweiten Teil des Gesprächs geht es um die Herausforderungen auf Pastoralreisen. Zudem hat der Bezirksapostel Reisetipps für seinen Nachfolger.

Bezirksapostel, Sie sind nun seit zehn Jahren in den betreuten Gebietskirchen unterwegs. Worauf muss man besonders achten, wenn man in der afrikanischen Steppe oder im südamerikanischen Dschungel auf Reisen ist? 

Man sollte immer Leute haben, die das Land und den Weg kennen. Wasser an Bord ist wichtig. Und auf jeden Fall noch vor Einbruch der Dunkelheit am Ziel oder Etappenziel sein. Außerdem eine Portion Humor und gute Laune, wenn es über Stock und Stein geht.

Gab es in der Zeit kritische Situationen? Ich erinnere mich an ein Video eines Reifenwechsels mitten in der Steppe, also ein Ersatzrad ist wahrscheinlich auch ganz wichtig. 

Leicht kritisch war es mal, aber trotz der Länder, die wir betreuen, in Westafrika beispielsweise, wo wir mitunter unter Polizeischutz gefahren sind, hatte ich nie das Gefühl, dass Leib und Leben in Gefahr waren. Es waren schon hier und da schwierige Wege zu machen; aber mit der entsprechenden Vorsicht und Umsicht hat es immer gut geklappt.

Gibt es eine Statistik, wie viele Reisen Sie gemacht haben, wie viele Kilometer Sie geflogen sind?

Nein. Ich halte zwar jeden von mir durchgeführten Gottesdienst nach, da stehen aber nur Datum, Ort, Uhrzeit und wie lange der Gottesdienst gedauert hat. Ich habe das aber noch nicht zusammengerechnet. Vielleicht mache ich das mal im Ruhestand. (lacht)

Was war bei diesen vielen Reisen ein Ereignis, von dem Sie sagen würden: Das werde ich nie vergessen, das bleibt mir in Erinnerung, das nehme ich mit?

Dass ich überall aufgenommen worden bin, die herzliche Atmosphäre, die Emotionen, die ich in den afrikanischen Gebieten erlebt habe. Ich nehme auch mit, dass nicht das Leben nach dem Evangelium, aber das Neuapostolisch-Sein durchaus unterschiedlich ist. Ich könnte aber kein herausragendes Ereignis nennen.

Vielleicht doch eins, ganz kurz: Es war mir klar, dass wir für unser größtes Gebiet Angola einen Bezirksapostelhelfer brauchten. Bezirksapostel Brinkmann sprach perfekt portugiesisch, hat als Apostel das Land fünf- bis sechsmal im Jahr bereist, und ich war ein Greenhorn. Dass wir das im Jahr 2015 schon umsetzen konnten und somit seit neun Jahren da einen Bezirksapostelhelfer haben, der mir und künftig auch dem neuen Bezirksapostel operativ den Rücken freihält, das ist schon eine tolle Sache, das war wirklich gut.

Bei den meisten Reisen gab es Geschenke: Holzschnitzereien, Gewänder, Stoffe – man kann sich kaum vorstellen, wie es jetzt bei Ihnen zu Hause aussieht, oder wo sind die ganzen Dinge? Gibt es ein Rainer-Storck-Museum?

(lacht) Ich bin mir sicher, man könnte das irgendwo einrichten. Hier in der Verwaltung stehen einige Dinge, im Archiv Brauweiler, in der Verwaltung in Luanda, und ich weiß nicht, wie viele T-Shirts und Hemden wir noch zu Hause haben. Ich denke, das eine oder andere davon werden wir noch weiterreichen.

Apostel Pöschel, vor wenigen Tagen waren Sie zum ersten Mal in Angola und dort über eine Woche in den verschiedenen Landesteilen unterwegs. Was war Ihr Eindruck?

Unsere Glaubensgeschwister in Angola sind tiefgläubig. Sie leben ihren Glauben vielleicht anders als wir hier in Europa und in ganz anderen, viel einfacheren Lebensverhältnissen, aber ich konnte klar erkennen: Ob Afrika oder Europa, es ist das Werk Jesu Christi.

Manche Dinge sind dort anders, das sehen wir in den Videos. Wie läuft Kirchenmusik in Angola? 

Aus vollem Herzen, aus voller Brust. Es gibt häufig nur Tutti, und man merkt: Mit allen Fasern ihres Herzens, ihrer Lunge und Stimmbänder wird Gott gelobt und gepriesen.

Was haben Sie für Ihre künftigen Aufgaben von dort mitgenommen? 

Es ist ein sehr großer, auch arbeitsintensiver Bereich mit immerhin siebzehn Aposteln, die dort tätig sind. Jeder Einzelne unserer Mitbrüder im Apostelamt und auch jede unserer Schwestern und Brüder in anderen Ämtern sind solche, bei denen ich mich darauf freue, Gespräche zu führen und sie mit ihren Familien kennenzulernen. Auf der anderen Seite bin ich mir auch gewiss, dass das eine Mammutaufgabe ist. 

Bisher waren Sie eher in Westfalen und im Münsterland tätig und künftig im Senegal, in Gambia oder in Suriname. Was sind Gemeinsamkeiten, was Unterschiede? 

Es wird vermutlich in den vorgenannten Ländern weder Pumpernickel noch Blutwurst geben. (lacht) Was auf jeden Fall gemeinsam ist, das ist die Erwartung des wiederkommenden Herrn Jesus Christus. Es ist eine Ausrichtung auf das Apostelamt, es ist die Liebe zum Stammapostel. Das ist das, was uns über die Länder- und Kontinentgrenzen verbindet. 

Apostel Pöschel, Sie haben Ihre Glaubensgeschwister in Angola Anfang Mai auf Portugiesisch begrüßt. Wie steht es um Ihre Fremdsprachenkenntnisse, beziehungsweise: Sind Sie Experte für Portugiesisch oder wollen Sie es werden?

Also, erstmal bin ich Experte für Westfälisch, und da der Westfale wenig spricht, fällt das ja auch in Fremdsprachen nicht auf. (lacht) Tatsächlich habe ich mich entschieden, Portugiesisch zu lernen. Es gab viele reizvolle Anfragen: Soll es jetzt Französisch werden, soll es Niederländisch werden?

Meine ganz rationale Entscheidung beruhte natürlich darauf: Wie viele Glaubensgeschwister erreichst du mit einer Fremdsprache? Da ist die nüchterne Bilanz, dass die allermeisten unserer Glaubensgeschwister in den betreuten Gebietskirchen Portugiesisch sprechen. So fiel die Entscheidung leicht. Alle anderen erreiche ich dann auf Englisch, das ist die Brückensprache Nummer Eins und funktioniert überall auf der Erde.

Verstehen Sie schon Gespräche, oder wie weit sind die Kenntnisse bisher gediehen?

Nach einem halben Jahr ist jetzt ein Grundgerüst aufgebaut, wobei ich festgestellt habe, dass das portugiesische Portugiesisch anders ist als das brasilianische Portugiesisch. Nun muss ich, Gott sei Dank, brasilianisches Portugiesisch nicht lernen, aber es war Teil der ersten Sektion, die ich gelernt habe – was dazu geführt hat, wenn ich in Angola Glaubensgeschwister mit meinem brasilianischen Portugiesisch angesprochen habe, dass sie mich traurig anschauten, weil sie kein Wort verstanden haben.

Bezirksapostel, Sie erhalten täglich Dutzende Nachrichten, E-Mails, viele Anrufe. Wie haben Sie persönlich in den letzten zehn Jahren Ihre tägliche Arbeit priorisiert, und was ist Ihre Empfehlung an den Nachfolger? 

In der Tat: Es gab Tage, an denen ich mit zittrigen Händen den Computer eingeschaltet habe und mich fürchtete: Was habe ich heute Morgen alles in meinem Posteingang? Ich habe versucht, in all der Zeit trotzdem die Seelsorge an die erste Stelle zu stellen. Das bedeutete für mich, dass ich mich bemüht habe, denjenigen zu verstehen und jedem zeigen: Du bist mir wichtig, wie jeder andere auch, und du gehörst zu unserer Kirche. Das hat Grenzen; ich habe es aber versucht. Eine Empfehlung an den künftigen Bezirksapostel möchte ich nicht aussprechen. Er wird seinen eigenen Weg finden, mit diesen Dingen umzugehen.

Apostel Pöschel, Sie haben vorher einige Wirtschaftsunternehmen geleitet. Ist das jetzt eine Umstellung, und was ist eigentlich ähnlich wie früher?

Die Arbeit, der ich früher nachgegangen bin, trug natürlich sehr viele administrative Züge. Administration, oder Verwaltung, ist relativ vergleichbar. Da gibt es gar nicht so große Unterschiede.

Ansonsten ist es so, dass man den Inhalt miteinander schlecht vergleichen kann. Hier haben wir es mit Schwestern und Brüdern zu tun, mit Mitchristen, mit Mitmenschen, die im Mittelpunkt stehen, und ich glaube, dass in einer Kirche bei aller Wertschätzung und Hochachtung vor Zahlen, Prozessen und Abläufen etwas anderes im Mittelpunkt steht. Das, was mein Sender von mir erwartet, ist etwas anderes, als das Präsentieren astreiner Bilanzen. Es ist eher so – so stelle ich mir das vor am Tag des Herrn –, dass die Frage kommt: Was hast du gemacht, damit die, die dir anvertraut waren, bewahrt blieben und heute hier im Hochzeitssaal sitzen?

Fortsetzung folgt ...

7. Juni 2024
Text: Frank Schuldt
Fotos: Fabian Reichart

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