Neuapostolische Kirche
Westdeutschland
Westdeutschland/Dortmund. Im zweiten Teil der live per Internet übertragenen Ämterstunde ging Bezirksapostel Pöschel auf Gemeindezusammenlegungen ein. „Ziel der Kirchenleitung ist, Gemeinden jeder Größe die Möglichkeit des Fortbestands zu geben“, sagte er und nannte dazu Möglichkeiten.
Im geistlichen Teil der Video-Ämterstunde am 26. November aus Dortmund hatte Bezirksapostel Stefan Pöschel dazu aufgerufen, sich auf den Kernauftrag des Evangeliums zu konzentrieren. Um den Gemeinden dabei die nötige Sicherheit zu geben, gab er bekannt, dass es in 2025 keine weiteren Gemeindezusammenlegungen geben werde.
„Wir verschaffen uns Zeit, um darüber nachzudenken, ob es nicht Mittel und Wege gibt, um Gemeinden zu stabilisieren beziehungsweise mit den zur Verfügung stehenden Mitteln weiterzuführen.“ Unberührt blieben davon Entscheidungen, die längst getroffen seien. „Doch selbst, wenn es unausweichlich erscheint, rufe ich dazu auf, dass wir uns fragen: Haben wir alles getan, um Gemeinde zu erhalten?“
Als Christen sichtbar bleiben
Der Wunsch des Bezirksapostels ist es, dass die Gemeinden die Zeit dazu nutzen, Impulse und Ideen vor Ort sprießen zu lassen, welche eine Aufbruchstimmung erzeugen. „Wir sind nicht auf dem Rückzug“, so der Bezirksapostel. Und: „Wir wollen dafür kämpfen, sichtbar in den Städten und Gemeinden, in den Dörfern und Vororten zu sein.“
Zuvor hatte der Bezirksapostel die Frage gestellt, was denn wirklich für den Fortbestand einer Gemeinde notwendig sei: „Gemeinde ist vor allem gottesdienstliche Gemeinschaft, in der durch Gebet, Sakrament und Predigt die Wirklichkeit Gottes erfahren wird“, definierte er. Es seien eben nicht die äußeren Umstände wie Parkplätze oder ein Gebäude, welche Gemeinde definieren. „Es ist das erlebbare Geisteswirken Gottes. Es ist der geistliche Raum, in welchem sich Gläubige auf die Wiederkunft Christi vorbereiten und dabei aus Nächstenliebe dieses auch andere erfahrbar machen lassen wollen.“
Für ihn gelte felsenfest der Grundsatz: „Die Schließung einer Gemeinde kann nicht die Reaktion auf Mängel in der Ausstattung einer Gemeinde mit Amtsschwestern- und brüdern oder baulichen Erfordernissen oder der Anzahl der Gottesdienstteilnehmer sein.“
Alternativen prüfen
Wenn es um den Fortbestand einer Gemeinde gehe, müssten alle möglichen Überlegungen angestellt werden. Dabei nannte Bezirksapostel einige Beispiele. Wenn kein Wochentagsgottesdienst mehr möglich sei, dann feiere man den Gottesdienst am Sonntag. Auch Gottesdienste am Sonntagnachmittag seien möglich, wenn vormittags kein Priester zur Verfügung stehe. Auch sei es laut Beschluss der Bezirksapostelversammlung möglich, dass priesterliche Amtsträger im Ruhestand das Heilige Abendmahl austeilen könnten und sogar Gottesdienste feiern.
Selbst wenn der Wunsch bestehe, mit einer Nachbargemeinde zusammenzugehen, so sei es doch möglich, ab und zu noch Gottesdienste an anderen Orten anzubieten, um beispielsweise so immobilen Gläubigen zum Gottesdienstbesuch zu verhelfen und auch die Möglichkeit zu erhalten, dass die Neuapostolische Kirche präsent bleibe.
Selbstkritisch konstatierte der Bezirksapostel, dass die Fusionen in der Vergangenheit mit dazu beigetragen hätten, dass viele neuapostolische Christen nicht mehr die Gottesdienste besuchten. „Unsere Fahrgemeinschaften funktionieren nur teilweise, gerade unsere älteren Glaubensgeschwister bleiben daheim. Wollen wir das tatsächlich so hinnehmen?“
Kreativ nach Alternativen suchen
Selbst wenn ein Kirchengebäude aufgegeben werden müsse, so bedeute das nicht, dass auch die Gemeinde aufgegeben werden muss. „Auch da ist unsere Kreativität gefragt“, ermunterte Bezirksapostel Pöschel. Denkbar sei die Nutzung eines Mietraums, die Kooperation mit einer anderen christlichen Gemeinde oder eine Hausgemeinde.
„Da kommen wir her. Treue Kirchenmitglieder haben ihr Wohnzimmer ausgeräumt, die Garage hergerichtet, um so einen Gottesdienstraum zu schaffen“, erinnerte er. So laufe es häufig in den von Westdeutschland aus betreuten Gebietskirchen im Ausland auch ab.
Die geistliche Gemeinschaft erhalten
Abschließend betonte der Bezirksapostel: „Ich will keinen falschen oder gar schwärmerischen Eindruck vermitteln, ich will nur darauf hinweisen, dass es gilt, alles zu versuchen, um Gemeinden zu halten.“ Es gehe darum, aus Liebe zu Gott und den Anvertrauten alles möglich zu machen, um Gemeinde als geistliche Gemeinschaft vor Ort fortführen zu können.
Mit den besten Wünschen für die Advents- und Weihnachtszeit und einem Gebet beendete Bezirksapostel Pöschel seine erste Ämterstunde, deren Inhalte sicher noch für Gesprächsstoff in vielen Gemeinden sorgen werden.
10. Dezember 2024
Text:
Frank Schuldt
Fotos:
Frank Schuldt
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