Neuapostolische Kirche
Westdeutschland
Armenien/Jerewan. Im Jahr 2015 besuchte Stammapostel Schneider zum letzten Mal die Gläubigen in Armenien und Georgien. Daher freuten sich die neuapostolischen Christen aus den beiden Ländern besonders über den Besuch des Kirchenoberhaupts Mitte Juli. Der Stammapostel feierte dort zwei Gottesdienste.
Am Donnerstagabend, 18. Juli 2024, trafen Stammapostel Jean-Luc Schneider und Bezirksapostel Stefan Pöschel zum Besuch in Jerewan ein, der Hauptstadt Armeniens und gleichzeitig mit etwa 1,1 Millionen Einwohnern größten Stadt des Landes. Dort wurden sie vom zuständigen Apostel René Follmann und den örtlichen Seelsorgern, Bischof Rafael Movsesian und Bezirksevangelist Artyom Piloyan, am Flughafen empfangen.
Besuch des Genozid-Museums
Bereits am Morgen des gleichen Tages waren mit Bezirksapostel Jürg Zbinden (Schweiz) und Apostel Vasile Cone (Rumänien und Moldau) zwei weitere Gäste des Stammapostels in Jerewan eingetroffen. Sie hatten nachmittags das örtliche Genozid-Museum „Zizernakaberd“ besucht.
Der Denkmalkomplex erinnert an die Opfer des Völkermords an den Armeniern 1915. Er befindet sich auf dem gleichnamigen Hügel im westlichen Teil der Hauptstadt.
Fahrt nach Wanadsor
Am Freitagmorgen reiste die Gruppe mit einem Minibus von Jerewan nach Wanadsor, der Hauptstadt der Provinz Lori im Norden Armeniens. In der drittgrößten Stadt des Landes leben rund 120.000 Menschen. Die Fahrt dauerte rund 2,5 Stunden für 120 Kilometer.
Hier fand um 14 Uhr der Gottesdienst mit dem Stammapostel in der Festhalle „Marsel“ statt. An diesem nahmen viele Gläubige aus den acht Gemeinden im Land teil. Sie waren dazu mit Reisebussen und Pkw angereist.
Jesus Christus bezeugt seine Wiederkunft
Den rund 300 Teilnehmern diente der Stammapostel an diesem 19. Juli 2024 mit dem Bibelwort aus Offenbarung 22,20: „Es spricht, der dies bezeugt: Ja, ich komme bald. - Amen, komm, Herr Jesus!“
In der Predigt erinnerte der Stammapostel daran, dass nur Gott den Zeitpunkt der ersten Auferstehung kenne. Und dieser Zeitpunkt sei nicht abhängig von dem, was auf der Erde geschehe. „Gott muss nicht auf eine Veränderung in der Welt oder in der Kirche warten, um seinen Sohn zu senden. Allein er entscheidet über den Zeitpunkt.“
Dabei komme Jesus für jeden einzelnen Gläubigen und zeige diesem damit, dass er ihn so liebt, wie er ist. „Er hat dich weder vergessen noch verwirft er dich. Er möchte, dass du für immer bei ihm bist.“ Gleichzeitig wird Christus nicht mit der Wiederkunft warten, bis jeder einzelne bereit ist. „Es ist deine Aufgabe, die verbleibende Zeit für deine Vorbereitung zu nutzen“, so die Aufforderung des Stammapostels an die versammelten Gläubigen.
Klar sei: Kein Mensch sei in der Lage, die erforderliche Vollkommenheit zu erreichen. „Daher setzen wir alles daran, Gnade zu erlangen, die für unser Heil unerlässlich ist.“ Am Ende werde Jesus die Reife des Menschen daran messen, wie stark seine Liebe zu Gott und dem Nächsten sei.
„Wir glauben an seine Wiederkunft, warten geduldig darauf und bereiten uns aktiv darauf vor“, so die Schlussworte des Stammapostels. Weitere Predigtbeiträge kamen von den Bezirksaposteln Pöschel und Zbinden.
Abendmahl für Entschlafene
Im Gottesdienst sang die Gemeinde mit Orgelbegleitung. Ein Frauenchor trug mehrere Lieder vor. Der Stammapostel feierte neben dem Heiligen Abendmahl mit der Gemeinde auch das Abendmahl für Entschlafene. Bischof Rafael Movsesian und Evangelist Narek Khanvelyan empfingen die Hostie stellvertretend für die Verstorbenen. Zum Ausklang spielte ein Jugendlicher ein Musikstück auf einem Duduk, einer traditionellen armenischen Flöte.
Abends reiste der Stammapostel mit seinen Begleitern weiter nach Tiflis in Georgien zum zweiten Teil der Reise (Bericht folgt).
Die Neuapostolische Kirche in Armenien
Erste Kontakte nach Armenien knüpfte der damalige Apostel Bernd Klippert im Jahr 1991. Im selben Jahr übernahm Apostel Alfred Kusserow die Betreuung des Landes und konnte auf seiner ersten Reise im Herbst fünf Gläubige versiegeln. Im Hotelzimmer ordinierte er den heutigen Bischof Rafael Movsesian zum Diakon. Ende 1992 gab es in Armenien 202 neuapostolische Christen, die von einem Priester und vier Diakonen betreut wurden. 1997 folgte die offizielle Anerkennung der Neuapostolischen Kirche.
Ab Herbst 1997 betreute Apostel Wilhelm Hoyer die Gemeinden. Einige Jahre war auch Apostel Pavel Gamov in Armenien tätig. 1998 besuchte mit Horst Ehlebracht erstmals ein Bezirksapostel das Land. Im Jahr 2001 freuten sich die Gläubigen im Land über den Besuch von Stammapostel Richard Fehr. Der Stammapostel hielt einen Gottesdienst im Kammermusiksaal in Jerewan-Zentrum. In diesem Gottesdienst ordinierte er den Bezirksältesten Rafael Movsesian zum Bischof.
Die 6.668 neuapostolische Christen im Land versammeln sich in acht Gemeinden. 25 Amtsträger betreuen die Gemeinden: ein Bischof, ein Bezirksevangelist, ein Hirte, zwei Gemeindeevangelisten, fünf Priester und 15 Diakone. Seit 2023 ist Apostel René Follmann für die Gemeinden Armeniens verantwortlich.
Gelände am Genozid-Museum „Zizernakaberd“
14. August 2024
Text:
Frank Schuldt
Fotos:
René Follmann,
Ralf Kempkes
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