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Stammapostel in Georgien:
„Schicksale sind keine Strafe Gottes“

 

Georgien/Tiflis. Zweite Station der Reise von Stammapostel Schneider nach Osteuropa im Juli 2024 war nach Armenien das Nachbarland Georgien. Hier fand ein Gottesdienst in der örtlichen neuapostolischen Kirchengemeinde statt.

Nach dem Besuch in Armenien und dem Gottesdienst in Wanadsor erreichten Stammapostel Jean-Luc Schneider, Bezirksapostel Jürg Zbinden (Schweiz), Bezirksapostel Stefan Pöschel und Apostel Vasile Cone (Rumänien und Moldau) mit den weiteren Begleitern am Freitagabend, 19. Juli 2024, die georgische Hauptstadt Tiflis. Drei Stunden hatten sie mit einem Minibus für die 160 Kilometer lange bergige Strecke benötigt.

Den Gottesdienst am Samstag um 14 Uhr feierte der Stammapostel mit 130 neuapostolischen Christen aus den fünf georgischen Gemeinden sowie vieler Gläubiger Aserbaidschan in der Neuapostolischen Kirche in Tiflis. Die meisten Gläubigen waren mit Reisebussen angereist.

Gott wirkt zu unserem Heil

Als Grundlage für die Predigt diente das Bibelwort aus Jesaja 62,1: „Um Zions willen will ich nicht schweigen, und um Jerusalems willen will ich nicht innehalten, bis seine Gerechtigkeit aufgehe wie ein Glanz und sein Heil brenne wie eine Fackel.“

Stammapostel Schneider erinnerte an die schwierige Situation der Menschen in Jerusalem zur Zeit Jesajas. Sie betrachteten ihr Schicksal als göttliche Strafe und gingen davon aus, dass Gott ihre Gebete aufgrund ihrer Untreue ignorierte. Doch durch den Propheten teilte Gott ihnen mit, dass er nie aufgehört habe, sie zu lieben, zu ihnen zu sprechen und zu ihrem Wohl zu handeln. „Gott liebt den Sünder“, so der Stammapostel. Er habe sich auch nicht von Adam und Eva abgewandt und entwarf einen Plan, um sie von der Herrschaft der Sünde zu befreien.

Predigt als Antwort Gottes

Deshalb sei auch ein Unglück, das Menschen widerfahre, keine göttliche Strafe. „Gott überlässt die Menschen nicht ihrem traurigen Schicksal, weil sie fern von ihm sind“, so der Stammapostel. Stattdessen sei die Verkündigung des Evangeliums Gottes Antwort auf die aktuelle Situation.

Auch wenn der Einzelne manchmal das Gefühl habe, Gott erhöre seine Bitten nicht und ändere nichts an der Situation, so höre Gott nie auf, zu den Menschen zu sprechen. „Er hat immer eine Lösung für uns und der Weg, den er uns anbietet zu gehen, ist der bestmögliche.“ Gott werde nicht müde, durch die Predigt immer wieder auf das hinzuweisen, was zum Heil der Menschen diene.

Christus weiter dienen

Wichtig sei für den Menschen, nicht aufzuhören, mit Gott zu sprechen, sich seine Worte zu Herzen zu nehmen und beharrlich seinen Willen zu tun, auch wenn nicht immer direkt Ergebnisse sichtbar würden. „Seien wir bereit, uns zu ändern, um Christus gleich zu werden“, rief der Stammapostel seine Glaubensgeschwister auf. Und nicht zuletzt gelte es, das Evangelium zu verkünden, ohne sich von der Gleichgültigkeit oder dem Widerstand im eigenen Umfeld entmutigen zu lassen.

Weitere Predigtbeiträge kamen von Bezirksapostel Stefan Pöschel und Apostel Vasile Cone. Im Gottesdienst sang die Gemeinde mit Orgelbegleitung. Der Gemeindechor trug mehrere Lieder vor. Ein Musikstück wurde von zwei Gemeindemitgliedern als Duett vorgetragen.

Besuch der Hauptstadt

Vor dem Gottesdienst in Tiflis stand am Samstagmorgen der Besuch der Sameba-Kathedrale auf dem Programm. Das Kirchengebäude ist eine der Hauptkirchen der Georgischen Orthodoxen Apostelkirche und - mit der Swetizchoweli-Kathedrale (in der Stadt Mzcheta, 20 Kilometer von der georgischen Hauptstadt Tiflis entfernt) - Sitz ihres Patriarchen. Sie ist das größte Kirchengebäude in Transkaukasien.

Die Kathedrale steht im Zentrum von Tiflis auf dem Elias-Hügel nahe der historischen Altstadt. Für den Bau wurde ausschließlich Naturstein verwendet. Der Boden ist mit Marmorplatten ausgekleidet.

Nachmittags besuchten der Stammapostel und seine Begleiter die Altstadt von Tiflis. Mit dabei waren in Georgien auch Bezirksevangelist Mikheil Khizanishvili (Bezirksvorsteher für Georgien und Aserbaidschan) und Bezirksältester i.R. Jürgen Follmann (ehemaliger Bezirksvorsteher für Georgien und Aserbaidschan). Am Sonntag endete der Besuch des Stammapostels.

Die Neuapostolische Kirche in Georgien

Georgien grenzt im Norden an Russland, im Osten an Aserbaidschan und im Süden an die Türkei sowie Armenien. Hier leben 4,5 Millionen Menschen. 1991 knüpften Seelsorger aus dem Bereich Sachsen/Thüringen erste Kontakte ins Land. Durch den andauernden Bürgerkrieg musste die Kirche ihre Bemühungen zunächst einstellen.

1993 wechselte die Verantwortung für das Land zur Gebietskirche Nordrhein-Westfalen. Von dort aus reisten ab Juli 1994 Amtsträger nach Georgien. Die ersten Versiegelungen in Georgien führte Apostel Bernd Klippert durch. Später übernahm Apostel Gunter Homburg die Betreuung der Gemeinden. Im Jahr 2000 besuchte Bezirksapostel Horst Ehlebracht Georgien und feierte einen Gottesdienst im armenischen Theater in Tiflis, an dem die Mitglieder aller Gemeinden im Land teilnahmen.

Heute leben in Georgien 1.055 neuapostolische Christen. Sie versammeln sich in fünf Gemeinden. Die Kirche besitzt drei Kirchengebäude sowie ein Jugendzentrum in Tiflis. 15 Amtsträger betreuen die Gemeinden: ein Bezirksevangelist, ein Hirte, ein Gemeindeevangelist, zwei Priester und zehn Diakone. Seit 2023 ist Apostel René Follmann für die Gemeinden Georgiens verantwortlich. Er übernahm die Aufgabe von Apostel Wolfgang Schug.

16. August 2024
Text: Frank Schuldt
Fotos: René Follmann

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