Neuapostolische Kirche
Westdeutschland
Erkrath/Hochdahl. Generationen von Jugendlichen haben hier Seminare besucht – nun wurde das Seminarzentrum in Hochdahl endgültig geschlossen. Apostel Follmann feierte am 22. September im Garten einen Open-Air-Gottesdienst mit der Gemeinde.
Im Juli 2023 brannte es in der Neuapostolischen Kirche Erkrath-Hochdahl. Der Schwelbrand im Altarbereich produzierte dabei vor allem Rauch und Ruß. Das Kirchenschiff und die Nebenräume waren durch die Rauchgasablagerungen in der Folge nicht mehr nutzbar. Für eine Sanierung hätte der Kirchentrakt des Gebäudekomplexes umfassend saniert werden müssen.
Zunächst ging man davon aus, dass die im gleichen Gebäudekomplex liegenden Seminarräumlichkeiten unbeschädigt geblieben waren. Doch der Rauch war auch in diesen Teil des Gebäudes eingedrungen. Daher konnten auch dort zunächst keine Veranstaltungen mehr stattfinden.
Seminarzentrum kaum noch genutzt
Vor dem Hintergrund, dass in den nächsten Jahren ohnehin aufwändige Sanierungsinvestitionen am Gebäude notwendig gewesen wären, entschied die Kirchenleitung im Sommer, den Komplex bestehend aus Seminarräumlichkeiten und Kirchengebäude sowie einer Wohnung aufzugeben.
Ein Aspekt war dabei auch, dass in den letzten Jahren, seit der Corona-Pandemie, keine zentralen Jugendseminare mehr dort stattgefunden hatten. Für die Fortbildungsveranstaltungen der Gebietskirche waren die Räumlichkeiten zu groß. Eine weitere Nutzung war daher ohnehin kaum wirtschaftlich möglich.
Gottesdienst mit Profanierung
Den letzten Gottesdienst vor Ort feierte der zuständige Apostel René Follmann am Sonntag, dem 22. September 2024. Die Gemeinde versammelte sich im Garten hinter dem Gebäude, da die Nutzung der Räumlichkeiten aus gesundheitlichen Gründen nicht gestattet ist.
Apostel Follmann legte der Predigt das Bibelwort aus Matthäus 10,7 zugrunde: „Geht aber und predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.“ Er ging darauf ein, dass viele Gemeindemitglieder bezüglich des Orts ein besonderes Heimatempfinden hätten. Der Apostel ermunterte, sich mehr der Menschen zu erinnern als allein an die Geschichte des Gemeindestandorts. Bezogen auf das Bibelwort ermunterte er zum Bekennen des Christseins. Jeder einzelne müsse sich für Gott entscheiden, um ins Himmelreich zu kommen. Hier könne jeder einzelne durch das Weitertragen der frohen Botschaft Jesu Christi anderen Trost, Hilfe und Hoffnung bringen.
Bezirksevangelist Roland Blome rief in seinem Predigtbeitrag dazu auf, als stabilen Wert und festes Element zur Orientierung das Himmelreich zu wählen und nicht bei irdischen Steinen stehenzubleiben, auch wenn man mit Orten wie Kirchengebäuden sicherlich positive Erfahrungen und schöne Momente verbinde. Doch das Leben bestehe aus Veränderungen und es gelte, einen guten Weg zu finden. „Lasst uns nicht bei den Steinen gebunden bleiben. Es geht weiter und wir wollen da sein, wo Jesus Christus ist.“
Priester Ralf Geyer, Vorsteher der Gemeinde, verlas zum Ende des Gottesdienstes die Chronik der Gemeinde. Seit dem Brand versammelte sich die Gemeinde in der Nachbargemeinde Haan. Das wird auch die neue Heimat sein.
1985 eingeweiht
Die Gemeinde Hochdahl wurde 1968 gegründet und bekam 1976 ein eigenes Kirchengebäude. Das heutige Seminarzentrum wurde von 1983 bis 1985 errichtet und am 2. Juni 1985 durch Bezirksapostel Hermann Engelauf eingeweiht. In den Folgejahren fanden dort die zentralen Jugendseminare für die südlichen Bezirke der Gebietskirche Nordrhein-Westfalen statt. Dazu gab es einen halbrunden großen Raum im Obergeschoss, der für die morgendlichen Gottesdienste und anschließenden Gespräche genutzt wurde. Für die Mittags- und Kaffeepausen gab es im Untergeschoss weitere Räume mit Tischen und Stühlen.
Neben den Seminaren für Jugendliche fanden in Hochdahl auch viele andere Veranstaltungen und Aktionen statt. So war die Begegnungsstätte im Vorfeld des Europa-Jugendtags 2009 Treffpunkt für verschiedene Arbeitsgruppen aus Nordrhein-Westfalen.
Die letzte große Veranstaltung im Seminarzentrum Hochdahl auf Gebietskirchenebene war die Versammlung der Bezirksvorsteher und ihrer Stellvertreter im Jahr 2021.
26. September 2024
Text:
Frank Schuldt
Fotos:
Privat
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